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Die Ansichten der Waldfee vom Hoxberg

Die Ansichten der Waldfee vom Hoxberg

Rund 200 teils unbekannte Arbeiten sind das Vermächtnis der Kordelerin Lenchen Lauer-Bach. Die Malerin hatte neben vielen Landschaftsbildern auch dörfliche Szenen gemalt.

Kordel. Sie war wohl ein Original. Wenn man den Beitrag des Kordelers Otto Obser über Lenchen Lauer-Bach liest, liegt der Schluss nahe, dass die in Kordel geborene Frau eine begabte, durchaus eigensinnige und auch kauzige Künstlerin gewesen sein muss. Der Kulturkreis Hochmark in Kordel hat jüngst mit einer Ausstellung an die Frau erinnert, die auch schon als Waldfee vom Hoxberg bezeichnet worden ist.
Schon früh hat die Tochter eines Steinmetzes und späteren Eisenbahnbediensteten künstlerische Begabung gezeigt. Doch als sie 1916 eingeschult wird und zwei Lehrerinnen für 240 Schüler zuständig sind, spielt Kunst keine Rolle.
Dass sie trotzdem ihren eigenen Weg geht, beweist sie Anfang der 1930er Jahre, als sie ihre Arbeit als Haus- und Dienstmädchen in den Niederlanden aufgibt, oder als sie Ende der 1930er Jahre ihren aus dem Saarland stammenden Mann kennenlernt und mit ihm gemeinsam auf einer Wiese am Hoxberg auf Möhner Gemarkung eine Bretterbude baut, um dort zu wohnen - ohne Wasser und lange Jahre ohne Stromanschluss. Dort lebt und arbeitet sie. Und dort stirbt sie auch. Im Herbst 1992 findet eine Bekannte sie in ihrem Sessel sitzend vor einem halb leeren Glas Rotwein.
Eckhard Otto vom Kulturkreis Hochmark hat die Austellung in der Kulturscheune mitorganisiert. Er sagt, nach dem Tod von Lenchen Lauer-Bach sei der künstlerische Nachlass mehrfach umgelagert worden. Das geschah nicht immer sachgerecht. Inzwischen ist es gelungen, die Bilder und Zeichnungen nach Kordel zurückzuholen. "Es sind wohl mehr als 200", sagt er. Gerahmte, ungerahmte, Skizzen, fertige Bilder, signierte, unsignierte. Landschaftsbilder, Szenen dörflichen Lebens aus der Eifel, Alpenpanoramen, Tierbilder. Ein wahrer Schatz, so Otto.
Bei der Ausstellung in der Kulturscheune, die musikalisch umrahmt wurde von einem Quartett um den aus Kordel stammenden Martin Kersch, sind auch einige Werke verkauft worden. Die Preise für die einzelnen Stücke sind nach Rücksprache mit einem Kunstsachverständigen festgesetzt worden. Ein Teil des Erlöses erhält der Kulturkreis der Großteil geht an die Erbin der kinderlos gebliebenen Lenchen Lauer-Bach. Was mit dem Werk der Kordelerin geschehen soll, ist derzeit noch offen. Wer möchte, kann bei Vereinsmitglied Otto Obser, Telefon 06505/8407, eine Gemäldemappe einsehen und Bilder kaufen. Die nicht verkauften Werke sollen bei der Ortsgemeinde eingelagert werden, sagt Eckhard Otto. Eine neue Ausstellung mit Bildern der Waldfee vom Hoxberg ist nicht geplant.