"Die Bahnbrücke wackelt"

TRIER-EHRANG. Wieder Probleme mit der Bahn am Laacher Weg in Ehrang: Am Donnerstag stellte ein Zugführer fest, dass "die Bahnbrücke wackelt". Für die durch das Zugunglück vor knapp zwei Jahren sensibilisierten Anwohner ein neuer Moment des Schreckens.

Donnerstagnachmittag, 16 Uhr 35: Der fahrplanmäßige Regionalzug in Richtung Trier hält am Haltepunkt Ehrang-Ort. Wie Anwohner beobachten, steigt ein Zugführer aus und überprüft die Gleise im Bereich der Behelfsbrücke Laacher Weg. Der Grund: Der Lokführer eines entgegenkommenden Zugs, der kurz zuvor die Brücke in Richtung Koblenz überfuhr, hatte eine beunruhigende Entdeckung gemacht. "Die Brücke wackelt stark", stellte er fest und alarmierte die Kollegen. Daraufhin bliebt der Regionalzug für eine knappe halbe Stunde am Haltepunkt stehen - auch dieser Zugführer hatte "Richtungsänderungen" der Gleise bemerkt. Den Passagieren wurde per Durchsage mitgeteilt, dass der Zug Verspätung wegen einer "betrieblichen Störung" habe. Nach Einschalten der Bahn-Dispositionsstelle in Koblenz und des Bahn-Notfallmanagers kam dann die Anweisung, dass alle Züge weiter die Brücke passieren durften - allerdings nur mit zehn Stundenkilometern. "Mich hat es nur gewundert, dass die Züge überhaupt fahren durften", erzählt Anwohnerin Marion Baur. Wie andere Anlieger hat sie schon lange beunruhigend laute Knallgeräusche wahrgenommen, wenn die Brücke von Güterzügen befahren wurde. Es dauerte bis 22.30 Uhr, bis ein zuständiger Bauarbeitertrupp aus dem Sauerland anrückte. Der arbeitete bis 1 Uhr morgens daran, die Ursache für das "Brückenwackeln" zu beheben. Denn seit kurzem haben wieder schwere Bauarbeiten im Brückenbereich im Laacher Weg begonnen, um die eingesetzte Behelfsbrücke zu ersetzen."Nur ein bisschen wacklig"

Darunter Rammarbeiten, die möglicherweise die Ursache für eine Richtungsänderung der Gleise waren. "Dadurch hat sich die Gleislage verschlechtert", weiß Peter Rosenthal, Bauleiter der ausführenden Firma Himmel & Papesch aus Bebra. Die Gleise wiesen eine Unebenheit auf, die am Mittwoch infolge der Rammarbeiten festgestellt und behoben. Doch offenbar hatten sich die Gleise bereits am Donnerstag erneut verzogen. Ob eine Gefahr für Zuggäste bestand, war gestern von der Bahn nicht zu erfahren. Bauleiter Peter Rosenthal schloss eine Gefährdung jedoch aus und sprach von Vorsorgemaßnahmen an der Brücke, die "nur ein bisschen uneben und wacklig" sei. Auch am Freitag überprüften Bereitschaftsbedienstete die Gleise auf unerwünschte Richtungsänderungen, die Zuggeschwindigkeit ist vorläufig auf 50 Kilometer pro Stunde herab gesetzt. Zu der aktuellen Beunruhigung der Anwohner im Laacher Weg kommen die seit dem Zugunglück im August 2002 lauten und Schmutz verursachenden Bauarbeiten. Unterbauten und Widerlager der endgültigen Brücke werden vor Ort gefertigt. Gleichzeitig stehen Kanalerneuerungs- und Erdarbeiten an. Dabei müssen sich die Anwohner und Arbeiter wieder auf Cumolgeruch einstellen, da der Boden nach wie vor mit der Chemikalie belastet ist. Die Arbeiter werden daher mit schützenden Anzügen arbeiten. Die Arbeiten an der Brücke sollen im Frühjahr 2005 abgeschlossen sein.

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