Die Bettelbaustelle

Trier · Die Welschnonnenkirche in der Flanderstraße ist eine Bettel-Baustelle, und zwar eine mit einer wunderbaren Geschichte: Vor 300 Jahren haben die Trierer Welsch nonnen (Augustiner Chorfrauen aus Lothringen) ihre Klosterkirche im Schatten des Trierer Doms nur bauen können, weil sie von Trierer Bürgern unterstützt wurden. 300 Jahre später sind es wieder Trierer Bürger, die anpacken, das barocke Kleinod zu sanieren.

 Die Renovierung der Trierer Welschnonnenkirche in der Flanderstraße wird von Bürgern gestemmt. TV-Foto: Sandra Blass-Naisar

Die Renovierung der Trierer Welschnonnenkirche in der Flanderstraße wird von Bürgern gestemmt. TV-Foto: Sandra Blass-Naisar

Foto: Sandra Blass-Naisar (sbn) ("TV-Upload Blass-Naisar"

Trier. "Alles unter Dach und Fach" lautet der Titel einer Merci-Soiree am Mittwoch, 17. Februar, 19 Uhr, in der Welschnonnenkirche Trier. Der literarische und musikalische Dankeschön-Abend findet statt für die Dach-Paten, Freunde und Förderer der Kirche. Monsignore Stephan Wahl liest Texte zum Thema, die Musik ist eine Kombination aus Stumm-Orgel-Klängen und E-Piano-Sound. Es spielen Domorganist Josef Still und sein Sohn Johannes.
Die Merci-Soiree hat einen ganz aktuellen Anlass: Die Gäste feiern die 2000. Dach-Patenschaft. Bei 2500 Paten ist die Sanierung gestemmt. "Dann", so sagt Anton Viktor Wyrobisch, Präfekt der Marianischen Bürgersodalität Trier (MBS), Eigentümerin der Kirche, "haben wir mit unseren Mitteln die Dach-Sanierung sicher. Eine wunderbare Sache, denn so kann keine Feuchtigkeit mehr eindringen."
Und dann gehe es weiter: In den nächsten Bauabschnitten sind die Fassaden im Osten, Norden und Westen an der Reihe, dann geht es nach Innen, wo die elektrische Anlage, die Innenwände, die Gewölbe, die Fenster, der Boden sowie die Inneneinrichtung mit den Nebenräumen saniert werden müssen.
"Wir sind als hoffnungsloser Fall gestartet", bekennen Bistumsarchitekt Marcell Hürtgen und Anton Viktor Wyrobisch. Der Kirchenraum sei nicht nur für die Marianische Bürgersodalität (MBS) ein Ort des Glaubens und der Veranstaltungen, sondern auch für viele andere Gruppen. "Die Bettel-Baustelle der Bürgerkirche hat Frucht getragen."
Für den Bistumsarchitekten Hürtgen war der erste Bauabschnitt (121 000 Euro) eine Punktlandung. Der mächtige Dachreiter mit dem barocken Kreuz von 1715 und dem goldenen Mädchen obenauf als Wetterfahne und der östliche Teil des Schiefer-Satteldachs wurden denkmalgerecht restauriert und saniert, der Putz erneuert, die Giebelfassade gereinigt und lasierend neu gefasst, die Fensterbänke erneuert und zerstörte Scheiben der Kirchenfenster repariert.
Und die Glocke des Priesters, Ordensgründers und Sozialreformers Pierre Fourier, 1860 von der Firma Mabilon als Schulglocke gegossen, schlägt jetzt neu montiert und elektrisch angetrieben zusammen mit einer Glocke von 1615, die bislang im ehemaligen Trierer Jesuitenkolleg und späteren Priesterseminar beheimatet war.
Das Betteln für den zweiten und dritten Bauabschnitt und die restliche Sanierung der Kirche geht indes weiter. 500 Dachpatenschaften werden noch gesucht.
Wer Anton Viktor Wyrobisch kennt, weiß, dass der sich leidenschaftlich engagierende ehemalige Religionslehrer des Trierer Auguste-Viktoria-Gymnasiums erst ruht, wenn die Kongregationskirche seiner MBS zum 300. Geburtstag in zwei Jahren rundum erneuert getrost liturgisch, spirituell und kulturell den nächsten Jahrhunderten Trie rer Geschichte entgegenblicken kann.
Dachquadrate können weiter für 48,50 Euro erworben werden. Spenden werden erbeten auf das Konto der Marianischen Bürgersodalität Trier von 1610 (MBS), Stichwort: Welschnonnenkirche sucht Dach-Paten, Sparkasse Trier, IBAN: DE29585501300001061423, BIC: TRISDE55

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