Die Bonpflicht stößt bei Einzelhändlern der Region Trier auf Ablehnung

Kostenpflichtiger Inhalt: Bonpflicht : Ein Müllsack voller Kassenzettel

Die Bonpflicht stößt auch bei vielen Einzelhändlern der Region Trier auf Ablehnung.

Seit Anfang Januar ist der Einzelhandel gesetzlich verpflichtet, Kunden automatisch einen Kassenzettel auszudrucken, egal wie klein der Betrag ist. Der Volksfreund hat nachgefragt, wie die Verkäufer die neue Regelung handhaben und ist neben Verweigerung auf digitale Alternativen zum Papierbeleg und auf proaktiven Protest gestoßen.

Der Unverpackt-Laden Ein großer Haufen Kassenzettel liegt auf dem Fliesenboden des Unverpackt-Ladens an der Porta Nigra. Das Bild wirkt in einem Geschäft, das sein Konzept auf Müllvermeidung ausgelegt hat, paradox. Sebastian Würth, der Eigentümer, hat am Sonntag alle nicht mitgenommenen Belege der ersten drei Tage fotografiert. Er postete das Foto auf Facebook und machte dort seinem Ärger über das Finanzamt Luft, das seinen Antrag auf Befreiung von der Bonpflicht abgelehnt habe. Der Umweltschutz entspräche keiner unzumutbaren Härte, zitiert Würth das Amt. In über 330 Kommentaren äußerten daraufhin Freunde des Ladens Unmut und Tipps. Unter anderem kritisieren sie, dass das klassische Thermopapier der Bons nicht recycled werden kann und den hormonellen Schadstoff Bisphenol enthält. Als Alternativen empfehlen sie Ökopapier oder Smartphone-Anwendungen (Apps), mit denen sich Kunden einen digitalen Kassenzettel scannen können.

Auf TV-Nachfrage sagt Würth: „Weil wir verschiedene Produkte verkaufen, die man oft abwiegen muss, gibt es für uns noch keine passende App“. Vorerst werden die Bons im Unverpackt-Laden also weiter gedruckt – auf Ökopapierrollen. Wer bei Würth mit EC-Karte zahlt, kann den Bon schon jetzt per Mail bekommen.

Ähnlich wie der Apothekerverband habe der Unverpackt Verband eine Petition gegen das Gesetz beim Bundestag eingereicht. Diese sei noch nicht veröffentlicht worden.

Die Fleischereien Metzgermeister Peter Klassen aus Temmels hat seine Kassen direkt am 2. Januar so umgestellt, dass nun automatisch für jeden Kauf der Bon ausgedruckt wird. „Der Kunde kann darüber meist nur lachen“, sagt er. „80 Prozent der Bons müssen wir direkt nach dem Ausdrucken wieder wegschmeißen, weil die Kunden sie nicht haben wollen“. Seine vor zwei Jahren neu angeschafften Kassen seien mit der Software kompatibel, die nun bald aufgespielt werden soll. Unverständlich ist ihm aber, dass ein Gesetz für eine Software gilt, die es noch gar nicht gibt. Schon jetzt speicherten seine Kassen alle Transaktionen per Software digital.

Bei der Fleischerei Werland in der Nagelstraße in Trier hat man immer schon Bons mit in die Tüte gelegt, sagt Verkäuferin Christiane Leinen. „Unsere Kunden sind das schon gewohnt und fragen auch danach.“

Die Bäckereien Nach TV-Informationen geben viele Bäckereifilialen ungefragt noch keinen Bon aus. Tobias Ehses, Leiter der Bäckerei Süss in Reinsfeld, druckt sie aber. Eine Alternative hat er bisher nicht gesucht. Beim Bäckerzentralverband habe man bis zuletzt gehofft, dass die Bonpflicht nicht kommt. Er sagt: „Unsere Kunden sind hauptsächlich älter, da wäre eine digitale Alternative eher umständlich. Aber auch wenn jüngere Kunden das Handy zücken, halte ich das für nicht so praktikabel, weil man in der Zeit keine anderen Kunden bedienen kann und dann alle länger warten müssen.“ Für seinen Wochenmarktstand wird er eine Sondergenehmigung beantragen. „Auf dem Markt könnten die Sondermüllzettel bei Wind herumfliegen. Irgendwo antackern kann ich die Bons auch nicht wirklich, weil viele unserer Kunden – um Papier zu vermeiden – eigene Stofftaschen mitbringen“.

Auch Marianne Stürmer, Chefin der Bäckerei Frick aus Mehring weiß: „Die Mehrzahl unserer Kunden will keinen Bon. Wir kommen aber nicht um das Gesetz herum, wir müssen sie alle ausdrucken.“ Deshalb sammeln ihre Angestellten nun überall die ungewollten Bons. „Wenn wir einen großen Müllsack davon zusammen haben, schicken wir den nach Berlin zum Finanzministerium“, sagt die Bäckerin. Viele Kunden unterstützen den Protest und werfen die Bons in die bereitgestellten Körbchen.

Von den Großbäckereien Biebelhausener Mühle und Dietz gibt es keine Stellungnahme zum Thema Bonpflicht.

Gastro und Imbiss Der Konzer Dönerverkäufer Cicek Erdal bekommt kommende Woche das neue System, mit dem der Beleg immer ohne Aufforderung herauskommt. Alternativen für den klassischen Bon seien für ihn mit seinen kleinen Gerichten zum Mitnehmen nicht sinnvoll.

In Studentenkneipen wie Cubiculum und New Mintons in Trier gibt es nach eigener Angabe schon seit Jahren Bons.

Das Studierendenwerk Andreas Wagner, Geschäftsführer des Studiwerks Trier, prüft derzeit die Möglichkeiten, von der generellen Verpflichtung befreit zu werden und damit nach eigenem Bekunden einen Beitrag zum Umweltschutz und zur Nachhaltigkeit zu leisten. „Wir werden auf Ökopapier umsteigen, sobald unsere alten Bon-Rollen aufgebraucht sind“, verspricht er. Zusätzliche Kosten entstünden dadurch nicht. „Wir haben die Länge der Bons um ein Drittel gekürzt und alle Infos einfach dichter zusammengeschrieben. Die etwas höheren Kosten der Ökobons können wir so wieder ausgleichen.“

Die Kunden Auf eine Volksfreund-Umfrage bei Facebook äußern sich viele Leser kritisch gegenüber der Bonpflicht. Viele finden andere staatliche Verschwendungen schlimmer als die zehn Milliarden, die dem Staat jährlich im Einzelhandel entgehen. Andere kritisieren den Müll. Ein Nutzer sagt hingegen: „Irgendwie muss man an die schwarzen Kassen der Händler rankommen.“