Die britische Fliegerbombe auf dem Sportplatz soll am Sonntag um 12.30 Uhr entschärft werden. Der Krisenstab entscheiden sich gegen Abendtermin.

Kostenpflichtiger Inhalt: Katastrophenschutz : 2300 Bewohner von Trier-West und Euren müssen das Feld räumen

Die britische Fliegerbombe auf dem Sportplatz soll am Sonntag um 12.30 Uhr entschärft werden. Der Krisenstab entscheidet sich gegen Abendtermin.

Der Krisenstab zum Trierer Bombenfund macht es spannend. Erst gegen 17.50 Uhr am Mittwoch – fast zwei Stunden später als erwartet – wird die Entscheidung verkündet: „Entschärfung am Sonntag, 22. September, um 12.30 Uhr“. 2300 Anwohner müssen deshalb ihre Wohnungen verlassen. Nach inoffiziellen TV-Informationen war es zunächst auf einen Entschärfungstermin am Freitag- oder Sonntagabend hinausgelaufen. In der intensiven Diskussion und Abwägung kristallisierte sich aber schließlich der frühe Sonntagnachmittag als am wenigsten problematisch heraus.

Als der Krisenstab (Termin-) Nägel mit Köpfen macht, liegt die gute Nachricht des Mittwochs schon einige Stunden zurück. Sie kam am späten Vormittag vom Team der PD Bohr- und Sondiergesellschaft (Schwarzach, Baden-Württemberg): „Keine weiteren Bomben unter dem Sportplatz“, meldeten die Sondierer nach Abschluss ihrer geophysikalischen Untersuchungen. Somit bleibt es also bei der einen 250-Kilo-Bombe, die Polier Kevin Mönch (25) von der Firma Köhler am Dienstag mit seinem Volvo-Bagger „ausgebuddelt“ hat. Ein Fund mit Ansage: „Wir wussten ja, dass das Ding im Boden liegt, und es waren ja auch die Sondierungs-Experten dabei. Also keine spektakuläre Sache“.

Derweil kommen bei Hans Schumacher schlechte Erinnerungen hoch: „Mein Vater hat im Bahn-Ausbesserungswerk gearbeitet, das ja mehrfach von Bombern angegriffen wurde“, sagt der 87-jährige Eurener. „Der Vater blieb glücklicherweise unversehrt, aber für uns Kinder war es schlimm, die ganzen Zerstörungen quasi vor der Haustür zu sehen.“ Immerhin: Eurens Ortskern blieb verschont, so wie Schumacher auch die Evakuierung am Sonntag erspart bleibt. Er wohnt außerhalb des Sperrbereichs.

Mittendrin wohnen Marita (67) und Rudi Geib (68) aus der Jahnstraße. Sie sehen der Entschärfung gelassen entgegen: „Wir machen es wie viele Verwandte und Nachbarn bei der Evakuierung 2006 und finden privat Unterschlupf in der Umgebung. Das hat damals auch alles reibungslos geklappt.“

Nur 50 Meter vom Bombenfundort entfernt liegt eine Total-Tankstelle. Das dortige Personal sieht im Entschärfungstermin das größte aller möglichen Termin-Übel: „Sonntag trifft uns sehr hart, weil dieser Tag für uns wegen des Angebots an Lebensmitteln und Backwaren immer sehr umsatzstark ist“, erläutert die stellvertretende Filialleiterin Heidi Nagel (56). „Wir sind dann auch ein Tante-Emma-Laden. Dann kommen die Leute zu uns einkaufen, weil die anderen Läden geschlossen sind.“

Befürchtungen, das Ago-Seniorenzentrum müsse geräumt werden, bewahrheiteten sich nicht. Grund: Die Einrichtung ist ein „Grenzfall“, wie Leiterin Kerstin Hagner (51) erläutert: „Wir werden nach Absprache mit der Berufsfeuerwehr eine Teilverlegung vornehmen.“ Betroffen seien diejenigen Bewohner, deren Zimmer noch knapp innerhalb der Sperrzone liegen. Das sei etwa ein Viertel der 98 Bewohner. Für sie werde ein Filmmittag organisiert. Was läuft, stehe noch nicht fest. Es könnte ein Heimatfilm werden. Hauptsache herz- und nervenschonend.

Pressekonferenz zur Fliegerbombe in Trier-Euren

Ausgerechnet den Hauptnutzer der Bezirkssportanlage trifft die zwangsweise Sperrung nicht: Der Fußballbetrieb ist laut Jörg M. Snijder (50), dem Vorsitzenden des TuS Trier-Euren, nicht gefährdet: „Unsere Junioren spielen samstags, die erste Mannschaft hat in der Kreisliga B ein Auswärtsspiel bei DJK St. Matthias, und die Zweite hat am Wochenende in der C-Liga spielfrei.“

Abgesperrt und streng bewacht: der Fundort der Bombe auf dem Hartplatz der Bezirkssportanlage Trier-West. Der Blindgänger bleibt bis zur Entschärfung in der Grube (neben dem Auto). Die Grafik unten zeigt das Evakuierungsgebiet. Foto: Roland Morgen
Im Umkreis von 500 Metern wird am Sonntag evakuiert. Foto: Stadt Trier

Für die in der Jahnstraße wohnende Natascha Behr (37) und ihre Familie steht das Sonntagsprogramm nun fest: „Wir ,evakuieren’ uns auf die andere Moselseite. Mein Bruder ist Trainer der ersten TuS-Mannschaft. Also schauen wir uns das Spiel gegen Mattheis an.“ In der Hoffnung, dass derweil in Euren alles glatt laufen möge.

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