Stuckteil stürzt von Decke: Die Christmette ist bereits abgeblasen - Trierer Martinskirche vorerst geschlossen

Stuckteil stürzt von Decke : Die Christmette ist bereits abgeblasen - Trierer Martinskirche vorerst geschlossen

Seit ein Stuckteil von der Decke stürzte, ist die Martinskirche geschlossen. Ein Zustand, der Befürchtungen weckt.

Von wegen „Alles Gute kommt von oben“! „Wenn jemand das abbekommen hätte, der hätte das wohl nicht überlebt“, glaubt Achim Müller.

Der 62-Jährige ist Organist und Chorleiter von St. Martin in der Trierer Nordstadt und hat als Erster gesehen, was da im Hauptschiff der Kirche von oben gekommen war. Ein stattliches Stück Deckenfries aus Gips, „etwa einen halben Meter lang“, das aus 14 Metern Höhe auf eine Kirchenbank im Mittelschiff herabdonnerte und darin ein großes Loch hinterließ.

Passiert sein dürfte es am späten Nachmittag des 9. Oktober, als sich glücklicherweise niemand im Inneren aufhielt. Das Bistum handelte umgehend und schloss das gut 100 Jahre alte Gotteshaus sicherheitshalber. Seitdem herrscht Ausnahmezustand.

Erst fanden die Gottesdienste im Pfarrsaal statt, der aber nicht mehr als ein Ersatz-Ausweichort ist. Denn die Krypta von St. Martin stand zunächst nicht zur Verfügung – bei den schweren Niederschlägen Anfang September war sie vollgelaufen. Der Regen, der in unheilvollem Zusammenspiel mit der überlasteten Kanalisation das gesamte Maarviertel heimgesucht hatte, gilt als mögliche Ursache auch für den vor sechs Wochen aufgetretenen Schaden: „Bei der flachen Kirchendecke handelt es sich um eine Betonkonstruktion mit darunter angebrachten Stuckformteilen“, erläutert Bistumsarchitekt Josef Eltges (52).

Vermutlich habe über das Dach eingedrungenes Wasser den Gips aufquellen lassen. Auch der Ausnahme-Herbst habe zu Schädigungen beigetragen. Eltges: „Tagsüber heiß, nachts kalt, da herrschten an manchen Tagen unter dem Dach Temperaturunterschiede von bis zu 30 Grad.“ Das habe der Decke zugesetzt.

Wie schwer sie geschädigt ist und welche Sanierungsmaßnahmen nötig sind, weiß noch niemand. „Es wird auch noch ein wenig dauern, bis wir weiterkommen“, sagt Eltges. So sei es in Anbetracht der guten Auftragslage schwierig, Spezialfirmen zu bekommen; auch müsse man auf die Kosten achten: „Bei den Gerüstbauern herrscht ja ebenfalls Hochkonjunktur.“

2018 werde die Martinskirche „definitiv zu bleiben“. Der Bistumsarchitekt ist aber guter Dinge, dass dort ab Ostern 2019 wieder Gottesdienste stattfinden können.

Bis dahin muss weiter improvisiert werden. Pastor Joachim Waldorf (60) ist froh, dass seit Beginn dieser Woche wenigstens die Krypta wieder für die Messen zur Verfügung steht. Der von einem Außenzugang über die Kloschinskystraße zu erreichende Kellerraum fasst allerdings nur wenige Dutzend Gläubige.

Die traditionell stark besuchte Christmette an Heiligabend ist deshalb bereits abgeblasen. Der Gottesdienst am 1. Weihnachtstag wird in der Krypta gefeiert, der am 26. Dezember in der Kirche des Brüderkrankenhauses (jeweils 9.30 Uhr).

Die Schließung dürfte kein Dauerzustand werden, betont Pia Bösen, die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats. „Es ist wichtig für das Gemeindeleben, dass die Kirche möglichst schnell in Stand gesetzt wird und wieder ohne Gefahr geöffnet werden kann. St. Martin ohne Martinskirche – das ist ein Ding der Unmöglichkeiten.“

Die Kirche sei „ein wichtiges Stück Heimat“, erklärt die 51-Jährige, die dort getauft wurde, zur Kommunion kam, firmiert wurde und geheiratet hat.

Was niemand offen ausspricht: Unter den Kirchgängern der aus 3500 katholischen Christen bestehenden Martins-Gemeinde macht sich die Befürchtung breit, das Generalvikariat habe in Anbetracht der bevorstehenden Bistumsreform gar kein Interesse daran, noch in ein Gebäude zu investieren, das möglicherweise ohnehin bald zur Disposition stehen könnte.

Notlösung: Seit Dienstag  finden die Gottesdienste (hier Pastor Joachim Waldorf)  in der Krypta statt,  die über einen Außenzugang zu erreichen ist. Foto: TV/Roland Morgen
Hier stehen Kirchenbesucher vor verschlossener Tür. Schilder weisen den Weg zur Krypta. Foto: TV/Roland Morgen
Imposanter Anblick, aber derzeit nur von außen: Die Pfarrkirche St. Martin in Trier-Nord ist wegen Bauschäden nicht zugänglich. Foto: TV/Roland Morgen

Dem widerspricht Bistumsarchitekt Eltges: „Die Martinskirche ist ein bedeutendes Baudenkmal. Es gibt keine Bestrebungen, sie dauerhaft zu schließen.

Mehr von Volksfreund