"Die Diaspora ist eine Herausforderung"
Mit 29 Jahren Pastorin zu werden, ist vielleicht nichts so Außergewöhnliches. Spannend jedoch wird's, wenn man hört, dass Carolin Urban von ihrer katholischen Mutter groß gezogen wurde und sich bewusst mit zwölf Jahren evangelisch taufen ließ. Der TV sprach mit der engagierten Pfarrerin, die am Wochenende in Schweich ordiniert wurde und bis zum Herbst für den Evangelischen Kirchenkreis Trier arbeitet.
Schweich. (sbn) "Ich habe mich mit zwölf Jahren ganz bewusst für die Taufe entschieden, weil mich der christliche Glaube begeisterte", erzählt die blonde, junge Frau, die in Jeans so salopp sportlich ganz anders wirkt als noch im schwarzen festlichen Talar mit dem weißen Kragen. Ob es die Eingebung von oben gewesen sei? Carolin Urban muss lachen. "Ich wünschte, ich könnte das so einfach sagen. Nein, es war Zufall, es waren Menschen, die mich auf diesen Weg gebracht haben." Das Nachbarmädchen Claudia im heimischen Gruiten bei Wuppertal, die sie schon mit drei Jahren zu den Kindergottesdiensten mitgenommen hat, und der Heimatpfarrer, dessen Geschichten, vor allem aus dem Alten Testament, sie so sehr fasziniert hätten. "Ich spürte ganz früh, dass ich zu dieser Gemeinschaft dazugehören wollte."Als die Entscheidung fürs Studium anstand, rückten plötzlich ihre Vorlieben für die Kunst und Architektur in den Hintergrund. "Ich wollte vor allem etwas mit Menschen zu tun haben, mit jungen wie alten, fröhlichen wie verzweifelten. Das Theologiestudium wurde meine Leidenschaft."Vor allem die Kirchengeschichte ließ sie nicht mehr los: Calvin und Luther und wie sie ihren Weg gegangen sind und für ihre Position gekämpft haben. "Ich hatte vor, an der Uni zu bleiben, zu promovieren und wissenschaftlich weiterzuarbeiten."Doch wieder waren es Menschen, dieses Mal ihr Professor, die sie auf einen ganz anderen Weg brachten. Carolin Urban entschied sich mit 24 Jahren, Vikarin zu werden, und nahm eine Stelle im kleinen Büderich bei Kleve an, danach die Entscheidung für Trier. Und schmunzelnd fügt sie dazu: "Die Diaspora ist eine Herausforderung an den Protestanten, sich hier darzustellen und seine Überzeugung zu leben."Weil die Stellensituation in der Evangelischen Kirche insgesamt sehr schlecht ist, hat Carolin Urban den nächsten Schritt von sich aus getan: Gemeinsam mit ihrem Ehemann Christoph zieht sie im Herbst nach Brüssel, um dort als Gemeindepädagogin in der deutschen Gemeinde und als Religionslehrerin zu arbeiten. Der Blick in die Zukunft? "Ich möchte gern irgendwann Wurzeln schlagen und in einem Beruf wirken, der mich glücklich macht."