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Trier : Die, die mit den Buchstaben kämpfen

Trier : Die, die mit den Buchstaben kämpfen

79 Schüler, Lehrer und Eltern haben sich dem Diktat beim Rechtschreibwettbewerb „Trier schreibt!“ gestellt – so viele wie nie. Eine Teilnehmergruppe setzte sich im überregionalen Vergleich an die Spitze.

Mucksmäuschenstill ist es in der Aula der Hochschule Trier. Alle Augen sind auf Claudia Schneiders gerichtet. 79 Menschen hängen gebannt an ihren Lippen. Sie lächelt. Wann hat man schon mal die ungeteilte Aufmerksamkeit von 47 Schülern, zwölf Eltern und 20 Lehrern?

Das sind die Sieger des großen Rechtschreibwettbewerbs „Trier schreibt!“, den die Nikolaus-Koch-Stiftung veranstaltet hat. Foto: TV/Michaela Hellmann

Schneiders ist eigentlich Regionale Fachberaterin für Deutsch an Gymnasien, Integrierten Gesamt­schulen und Kollegs im Bezirk Trier. Nun hatte sie die Aufgabe, beim großen Rechtschreibwettbewerb „Trier schreibt!“ der Nikolaus-Koch-Stiftung (NKS) den Teilnehmern den Wettbewerbstext zu diktieren.

Neun von zehn angemeldeten Schulen hatten sich in die Aula der Hochschule Trier gewagt, um ihre Rechtschreibkenntnisse zu testen. „Das, was wir hier machen, ist hochaktuell“, sagt Manfred Bitter, Vorstandsvorsitzender der NKS.

Bevor es losgeht, kündigt Barbara Stahl, Geschäftsführerin der NKS, an: „Der Text enthält einige Wörter, die wir im Alltag nicht verwenden. Man kann bei diesem Diktat keine null Fehler haben.“ Anschließend erklärt Claudia Schneiders die Regeln: Handys, Klopfzeichen oder Ähnliches sind verboten, für wen es zu schnell geht, darf ihr ein Handzeichen geben. „Wer abschreibt, muss an den Pfuschertisch auf der Bühne“, droht sie und lächelt.

Sie liest den Text einmal komplett vor. Beim dritten Satz geht ein leises Raunen durch den Saal. Zwei Schüler schauen sich mit großen Augen an und schütteln die Köpfe. Dann liest sie jeden Satz, anschließend die Sinnabschnitte des Satzes, die die Teilnehmer mitschreiben.

Nach dem Diktat korrigieren die Schreiber ihre Texte selbst. Schneiders liest die Sinnabschnitte erneut vor und projiziert die Lösung mit dem Beamer an die Wand. Dabei rutscht dem ein oder anderen eine Verwünschung raus. „Jetzt kommen zwei Worte, die bestimmt vielen von Ihnen Probleme bereitet haben“, sagt sie. Die Rede ist vom dritten Satz („Ich hatte nicht die Chuzpe, einfach zu bluffen“), bei dem ratlose Blicke getauscht wurden. Als das Wort „Chuzpe“ eingeblendet wird, geht ein Stöhnen durch die Reihen der Schüler. Eine Mutter dagegen stößt einen Freudenschrei aus. Die besten sechs Diktate aus jeder Teilnehmergruppe überprüft die elfköpfige Jury.

Um die Wartezeit auf die endgültigen Ergebnisse zu überbrücken, hatte die NKS Florian Valerius eingeladen, der unter dem Instagram-Namen „Literarischer Nerd“ einen Buch-Blog schreibt. Mit ihm sprachen Geschäftsführerin Barbara Stahl und Vorstandsvorsitzender Manfred Bitter über die Themen Berufsorientierung und die Bedeutung von korrekter Rechtschreibung. Das Duo „Die Fabelstapler“ brachte eine Mischung aus Poetry Slam, Rap und Schauspiel auf die Bühne.

Dann ist es soweit: Die Ergebnisse werden verkündet. Im Vergleich zu den anderen Standorten, die ein ähnliches Diktat im Rechtschreibwettbewerb geschrieben haben, stünden die Trierer Teilnehmer recht gut da, sagt Stahl.

So erreichten die Schüler im Durchschnitt eine Quote von rund 24 Fehlern, die Eltern erlaubten sich durchschnittlich zwölf und die Lehrer neun Fehler. „Damit liegen die Lehrer am Standort Trier auf dem ersten Platz vor Frankfurt“, berichtet Stahl.

Die wenigsten Fehler von allen Teilnehmern machte Lehrer Joachim Scheid vom Gymnasium Saarburg. In nur drei Fällen hat er sich geirrt. Er und die anderen Gewinner treten am 16. Juni beim überregionalen Finale im Frankfurter Goethe-Gymnasium gegen die Besten der anderen Standorte an.