Die Dorfkirche war ihr Haus

Fast vier Jahrzehnte sind vergangen, seit der damalige Pastor Felix Hecker sie gebeten hat, das Schmücken der Pfarrkirche St. Andreas in Schöndorf zu übernehmen. Mit 61 Jahren zieht sich Margret Müller nun zurück.

Schöndorf/Holzerath. "Wenn an Ostern der Altar mit den ersten Frühlingsblumen geschmückt war, war ich immer glücklich", sagt Margret Müller. Eigentlich wollte die heute 61-Jährige das Schmücken und Putzen der Schöndorfer Kirche nur so lange übernehmen, wie sie zu Hause bei ihren Kindern im Erziehungsurlaub war. Doch schneller als gedacht, wuchs ihr die neue Aufgabe ans Herz. "Das waren ja nicht nur die Blumen", sagt sie. Unzählige nette Gespräche habe sie mit den Menschen geführt, die ihr angeboten haben, sich in ihren Gärten zu bedienen, erzählt Margret Müller. Jeden Freitag ist sie direkt nach der Frühschicht aufgebrochen, hat zunächst von dem geringen Kirchenbudget frische Blumen eingekauft und sich dann zu den Privatleuten innerhalb der Pfarrei auf den Weg gemacht. "Zum Schneiden und zum Reden", sagt sie. "Während ich geschmückt habe, sind früher oft Leute zu mir in die Kirche gekommen, einfach nur zum Reden. Da habe ich vom Alltag abgeschaltet. Ich war glücklich hier drin, die Kirche war mein Haus", sagt sie.

Neben ihrer Aufgabe in der Kirche arbeitet Margret Müller in Teilzeit für ein Seniorenheim und pflegt viele Hobbys. Sie ist aktiv im Turnverein, fährt gerne Fahrrad, liest viel und kocht gerne. Ihre Leidenschaft für Blumen hat sie erst mit der Arbeit in der Kirche entdeckt: "Bis heute komme ich an keinem Blumengeschäft vorbei", sagt sie und lacht: "Meine Augen sind in jedem Garten der Pfarrei."

Leicht fällt ihr der Abschied nicht. "Im Leben gibt es für alles eine Zeit. Irgendwann muss man einfach mal kürzertreten", sagt Müller. "Wir sind hier in Schöndorf einfach ein tolles Team", lobt sie die gute Zusammenarbeit, unter anderem mit ihrer Freundin und Küsterin Rosemarie Wick. "Wäre das hier nicht so gewesen, hätte ich schon viel früher aufgehört", sagt sie. Ganz bewusst hat sie den Zeitpunkt ihres Abschieds letztendlich dann auch mit der Verabschiedung des Schöndorfer Pastors, Heribert Mönch, zusammengelegt. Für die Zukunft wünscht sie sich, "dass mein Nachfolger hier genauso glücklich wird wie ich".