Die Drei von der Bürgermeisterstelle

Die Drei von der Bürgermeisterstelle

Der Absage für die Kaster-Nachfolge in Berlin folgt das Bekenntnis zur VG Schweich: Christiane Horsch möchte 2019 erneut als Bürgermeisterin kandidieren. Unterdessen darf munter spekuliert werden, wer den Chefsessel in den Verbandsgemeinden Ruwer und Trier-Land anstrebt.

Die Ankündigung kam überraschend: Auf einer Versammlung des CDU-Gemeindeverbands Schweich hat Bürgermeisterin Christiane Horsch mitgeteilt, sie wolle 2019 erneut für den Posten des Verwaltungschefs in der Verbandsgemeinde Schweich kandidieren. Die Mitglieder dürften ihre Worte mit einem lachenden und einem weinenden Auge aufgenommen haben.
Einerseits steht Horsch damit nicht für eine mögliche Nachfolge des scheidenden Trierer Bundestagsabgeordneten Bernhard Kaster (CDU) zur Verfügung. Ihre Kandidatur hatten viele aus der Partei gewünscht. Andererseits hat die 54-Jährige damit ein klares Bekenntnis für ihre berufliche Zukunft an der Mosel abgelegt.

Eine mögliche Aufstockung der VG Schweich um drei Gemeinden aus der VG Thalfang, über die derzeit im Rahmen der Kommunalreform diskutiert wird, hat keine Auswirkungen auf die Bürgermeisterwahl (siehe Extra).

Durch das Vorpreschen von Horsch in der Bürgermeister-Frage rücken auch deren Bürgermeister-Nachbarkollegen Bernhard Busch (VG Ruwer) und Wolfgang Reiland (VG Trier-Land) in den Fokus. Bereits 2018 sind die Bewohner von Trier-Land zur Wahl ihres neuen Bürgermeisters aufgerufen, die VG Ruwer wählt voraussichtlich Ende 2019.

Die Vorzeichen könnten in Schweich, Ruwer und Trier-Land unterschiedlicher kaum sein. Während Christiane Horsch vorwärts schaut ("Ich fühle mich wohl in meinem Job und möchte noch viele Projekte zu Ende bringen"), denkt ihr Kollege Wolfgang Reiland (CDU) ans Aufhören. "Die Tendenz geht dahin, dass ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr antrete", sagt der 58-Jährige. "Eine 70-Stunden-Woche und Termine an nahezu jedem Samstag und Sonntag sind nicht mehr abbildbar." Reiland leidet seit längerem unter Rheuma und hat zwei Bandscheibenvorfälle hinter sich. Er ist seit 2003 Verwaltungschef in Trier-Land, die Amtszeit - es ist seine zweite - endet am 1. März 2019. Laut Gemeindeordnung ist ein hauptamtlicher Bürgermeister frühestens neun Monate und spätestens drei Monate vor Ablauf seiner Amtszeit zu wählen.

Bernhard Busch (FDP) war keine eindeutige Aussage zu entlocken. "Damit habe ich mich gedanklich überhaupt noch nicht befasst", sagt der Bürgermeister der VG Ruwer. Ob eine vierte Amtszeit für den 57-Jährigen überhaupt in Frage kommt, dürfte davon abhängen, wie er die "Fahrtkostenaffäre" übersteht. Wie berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Trier im Juli einen Strafbefehl für Busch beantragt, weil dieser zwischen 2010 und 2015 Fahrtkosten falsch abgerechnet haben soll. Im Oktober kommt es zu einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Trier.Meinung

Reizvoll und riskant
Die augenblickliche Situation der Bürgermeister Horsch, Reiland und Busch spiegelt die ganze Bandbreite dieses interessanten und verantwortungsvollen, aber auch stressigen Jobs wider. Der Beruf kann ein Sprungbrett sein für eine Abgeordnetenkarriere, wie es ja Reilands Vorgänger in Trier-Land, Bernhard Kaster, vorgemacht hat. Christiane Horsch hätte dieser Weg offen gestanden, was bei der Bundestagswahl 2017 im Wahlkreis Trier zu einem spannenden Frauen-Duell mit Katarina Barley (SPD) geführt hätte. So aber entschied sich Horsch für das Rathaus der Römischen Weinstraße in Schweich. Dass man bisweilen im Beruf eines Bürgermeisters auch körperlich bis an seine Grenzen gehen muss, zeigt das Beispiel Wolfgang Reiland. Bei der nächsten Bürgermeisterwahl in Trier-Land wäre er 61 Jahre alt. Bereits heute aus gesundheitlichen Gründen die Notbremse zu ziehen, ist keine Schande - und darüber hinaus gegenüber dem Bürger auch ehrlicher, als anzutreten und nach einigen Jahren das Handtuch zu werfen. Schließlich Bernhard Busch: Der Mann hat viele Verdienste, aber was bleibt hängen? Eine Verfehlung. Auch das ist das Risiko eines Bürgermeisterjobs. a.follmann@volksfreund.deExtra

Bernhard Busch, VG Ruwer. Foto: Administrator
Wolfgang Reiland, VG Trier-Land. Foto: (h_tl )

Die Gemeinden Büdlich, Breit und Heidenburg (VG Thalfang) streben einen Wechsel in die VG Schweich an. Nach Aussage des Landes ist frühestens am 1. Januar 2019 mit einer Entscheidung zu rechnen, möglicherweise auch erst ein Jahr später. Unklar ist noch, ob die VG Thalfang als Ganze zu einer anderen Gebietseinheit geht oder ob einzelne Orte wechseln. Angenommen, besagte Orte kämen Anfang 2019 zur VG Schweich, könnten die Bürger den Amtschef mitwählen. Auch dürften sie bei der Kommunalwahl 2019 über die Zusammensetzung der Räte mitbestimmen. 2020 ginge beides nicht, auch gäbe es keine außerplanmäßigen Wahlen. alf

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