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Die Enkel der "Onkelz" kommen

Die Enkel der "Onkelz" kommen

Ein Rockfestival zum Gedenken an die "Böhsen Onkelz" soll die Wiederbelebung des Waldstadions als Open-Air-Bühne einläuten. Mit dabei sind die "Enkelz" und Bands wie "Kärbholz" und "Freiwild".

Trier. (jp) "La Memoria" - die Erinnerung - wird das Festival mit zehn Bands heißen, das am 7. und 8. September das Trierer Waldstadion erschüttern soll. "Erinnerungen" heißt auch ein Song der "Böhsen Onkelz". Die Aufregung über diese 1980 von drei Teenagern gegründete Band, die in ihren frühen Jahren weit nach rechts abdriftete, ist mittlerweile ebenso verjährt wie das Totalverbot ihres Albums "Der nette Mann" von 1984, das nach einem Beschluss des Amtsgerichts Brühl wegen neonazistischer, Gewalt verherrlichender und sexistischer Inhalte bundesweit beschlagnahmt wurde. Der große kommerzielle Erfolg, die riesige Fangemeinde und die immer wieder betonte Distanzierung vom Rechtsextremismus kamen erst hinterher. 2003 traten die "Onkelz" als Vorband der Rolling Stones auf dem Expo-Gelände in Hannover auf. Ihre Tour 2004 war restlos ausverkauft.Jugendzentrum Exzellenzhaus schaltete die Polizei ein

"La Memoria" soll an die Glanzzeiten der "Onkelz" erinnern, nicht an ihre frühen Dummheiten - das meldet der Veranstalter, der sich im Internet als "Eifel Event Service" zu erkennen gibt. Rechtsradikales Getöse sei dabei weder erwünscht noch zu erwarten. Auch die einzelnen Bands, die in Trier spielen wollen, betonen auf ihren Internetseiten, von einer faschistischen Gesinnung und dem entsprechenden Liedgut nichts wissen zu wollen. Stars des Festivals sind die "Enkelz", eine "Onkelz"-Coverband aus Hamburg, die im Januar 2006 auf dem Flugplatz Bitburg spielte und dort eine klare Ansage gegen Extremismus präsentierte. 300 Fans waren begeistert, alles blieb friedlich. Die "Wilden Jungs", in Bitburg die Vorgruppe der "Enkelz", werden ebenfalls in Trier spielen. Auch "Stainless Steel" sind als Coverband der "Onkelz" bekannt."Wir haben diese Geschichte genau prüfen lassen und auch die Polizei eingeschaltet", sagt Ralf Frühauf vom Presseamt der Stadt Trier. "Das Ergebnis ist eindeutig. Es gibt absolut keine Indizien für eine rechtsradikale Natur des Festivals." Deshalb habe die Stadtverwaltung auch "keine grundsätzlichen Bedenken gegen diese Veranstaltung".Einen Konflikt gibt es dennoch: Das Jugendzentrum Exzellenzhaus hatte offenbar eine Warnung vor "La Memoria" verschickt. Wie der TV aus informierten Kreisen erfuhr, ging es dabei um den Verdacht, dass das Festival ein rechtsgerichtetes Publikum anlocken könnte. Das scheint den Veranstalter mächtig geärgert zu haben. "Ich kann nichts dazu sagen, es handelt sich um ein schwebendes Verfahren", sagt Hausleiter Hilger Hoffmann, bestätigt aber: "Wir haben uns bei der Polizei gemeldet." Diesen Verdacht bestätigt die Stadtverwaltung nicht. "Wir sind von der Polizei informiert worden, dass eine Versammlung von Personen des rechten Spektrums nicht zu erwarten ist", so Frühauf.