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Jungfernfahrt: Die erste Reise des Römerschiffs führt durch die Trierer Innenstadt

Jungfernfahrt : Die erste Reise des Römerschiffs führt durch die Trierer Innenstadt

Nach zwei Jahren Bauzeit ist der Nachbau des Frachtschiffs „Laurons II“ fertig. Noch bevor die erste Fahrt auf der Mosel starten kann, spielt Wasser eine entscheidende Rolle.

Der Anblick in der unscheinbaren Blechhalle auf dem Parkplatz Ost der Universität Trier ist beeindruckend. Zwölf Eichen und 14 Kiefern standen vor einigen Jahren noch im Trierer Forst. Nun hat ihr Holz eine neue Bestimmung gefunden: Es ist der wesentliche Bestandteil des originalgetreuen Nachbaus eines römischen Küstensegelschiffs, der nach zweijähriger Bauzeit fertig ist und alle Beteiligten vor Begeisterung strahlen lässt.

Auch Christoph Schäfer, Professor für Alte Geschichte, fällt es schwer, den Blick von den elegant geschwungenen Linien des 16 Meter langen Schiffsrumpfes abwenden in der Halle den letzten Schliff erhält. Es riecht nach Holz und Firnis. Unter lauten Rufen werden gerade die vier mächtigen Ruder in den Laderaum verfrachtet. „Wir sind alle heißt darauf zu erproben, wie sich das Schiff auf dem Wasser navigieren lässt“, sagt der Leiter des interdisziplinären Forschungsprojekts „Laurons II“. Es soll gesicherte Erkenntnisse zur frühen Globalisierung erbringen. Welche Routen konnte ein solcher römischer Frachtensegler im dritten Jahrhundert in welcher Zeit zurücklegen? Die Antworten werden vorliegen, wenn das Schiff – zunächst oberhalb der Staustufe Trier, später vielleicht auch in den Küstengewässern des Mittelmeers – das große Rahsegel gesetzt hat und gegen den Wind kreuzt. An Bord sein wird dann modernste Technik, die jede Bewegung analysiert und umrechnen kann.

Laurons II - ein römisches Frachtschiff

„Die Auswertung der Daten wird aber erst das übernächste Kapitel dieser Geschichte sein“, macht Schäfer klar, der auf die erprobte Zusammenarbeit mit den beiden Technik-Professoren Michael Hoffmann und Karl Hoffmann-von Kap-herr von der Hochschule Trier hinweist. Sie waren für die Erstellung der 3D-Rekonstruktion und die Simulationsdaten verantwortlich, die als Grundlage für die Rekonstruktion des Schiffes notwendig waren, dessen Überreste an der südfranzösischen Küste bei Marseille entdeckt worden waren.

Für Christoph Schäfer ist es bereits das vierte römische Schiff, an dessen Nachbau er maßgeblich beteiligt ist. „Dieses Projekt übertrifft alles, was ich bisher erlebt habe.“ Er meint damit auch die vorbehaltlose Unterstützung von allen Seiten. Zahlreiche Studenten und freiwillige Helfer haben unter der regelmäßigen Anleitung von Bootsbaumeister Matthias Helterhoff viele Stunden in den Schiffsbau gesteckt. Schäfer nennt beispielhaft den Schreinermeister Helmut Esslinger, längst im Ruhestand, der mehr als 2500 Holznägel gedrechselt hat. Begeisterung pur. Alfred und Lukas Böschl aus dem bayerischen Langquaid haben für die Bugzier eine Fortuna geschnitzt. Die Zusammenarbeit mit dem Wasserstraßen- und Schiffahrtsamt (WSA) bezeichnet er als „grandios“. Und dass der Förderverein des Neumagener Weinschiffes 60 Flaschen Wein für die Schiffstaufe spendet, sieht er als Beleg dafür, dass auch dort das praxisnahe Forschungsprojekt nicht als Konkurrenz gesehen wird. „Das ist gut so, denn wir werden unser Schiff nicht touristisch nutzen.“

In der Nacht zum Donnerstag wird sich die Laurons II, die bei der öffentlichen Schiffstaufe am 5. Juli durch Ministerpräsidentin Malu Dreyer einen unverwechselbaren Namen erhält, auf ihre erste kleine Reise machen. Von der Tarforster Höhe wird das Schiff – auf dem Anhänger eines Sattelschleppers – im Schritttempo durch die Straßen der Stadt bis zum WSA-Bauhafen an der Trierer Schleuse fahren und dort ins Wasser gelassen. „Das machen wir sicherheitshalber ohne Öffentlichkeit“, sagt Christoph Schäfer. Der Professor lächelt beim Gedanken daran. „Schließlich wissen wir nicht, ob nur ein wenig Wasser eindringt, oder ob es erst einmal halb untergeht. Wir haben das Schiff zwar komplett kalfatert. Aber die mit Leinölkit getränkten Hanfstränge zwischen den Planken dichten erst verlässlich ab, wenn sie im Wasser aufgequollen sind.“

Foto: Rainer Neubert
Foto: Rainer Neubert
Barbara Ashley-Bernard bereitet die beiden Handpumpen für den Einbau in das Schiff vor. Dabei ist auch die richtige Knotentechnik wichtig. Foto: Rainer Neubert

 Der Luxemburger Roland Schons hat aus Holz zwei römische Bilgenpumpen für das Schiff gebaut. Damit wurde um das Jahr 300 n.Chr. Wasser aus dem Rumpf befördert. Auf deren anstrengenden Handbetrieb soll in den ersten Tagen allerdings verzichtet werden, wenn das Schiff noch nicht ganz dicht ist. Moderne Tauchpumpen sind eine Erfindung, die den römischen Seefahrern gefallen hätte.