Die Experten des Feierabends

Die Party ist vorbei - fast! Am Freitag lädt das Disco-Destruction-Team pünktlich zum sechsten Geburtstag zum letzten Mal ins Exhaus ein. Im TV sagt Rino Dzur, einer der Veranstalter, warum trotz großen Erfolgs jetzt Schluss mit Dr. Alban & Co. sein muss.

Trier. Vorsicht, der nächste Satz tut weh: Wenn es am schönsten ist, soll man - autsch! - aufhören. Das ist unter den kranken Phrasen wohl die komatöseste. Denn wer sagt einem verbindlich, wann der Zenit erreicht ist? Wann es peinlich wird? Es wird Zeit, Schluss zu machen, findet Veranstalter und DJ Rino Dzur. Das meint das Gefühl: Schluss mit einem der erfolgreichsten Partyformate, die Trier in der jüngeren Vergangenheit erlebt hat. "Wir feiern am Freitag sechs Jahre Disco Destruction", sagt er. Mit einem brechend vollen Exhaus, einer Liveshow von der Schweizer Elektro-Band Saalschutz, einer ganz langen Nacht. Danach sei Feierabend: "Wir hören lieber auf, bevor es blöd wird oder die Leute nicht mehr kommen."
Immer größer, immer jünger


Dabei steht blöd, peinlich und brachial ironisch nicht am Ende der Geschichte, sondern am Anfang. Das Disco-Destruction-Team - Rino, Pete, Tobi - legte bei einer Open-House-Feier im Exhaus vor sechs Jahren Musik auf, die seinerzeit nur noch Menschen mit maximalem Selbstbewusstsein und/oder minimalem Musikanspruch sichtbar im CD-Regal beherbergten: Eurodance, der Bum-Bum-Fiebertraum der 90er. Vengaboys, 2 Unlimited, Dr. Alban, Culture Beat. Auch David Hasselhoff wurde aus dem Vergessen gerissen, der selbsternannte Mit-Initiator des Mauerfalls ("I\'ve been looking for Freedom"). Das Resultat: "Die Leute feierten ohne Ende." Sie wollten mehr.
So wurde die Reihe, die mit "Eurodance, Electro, Partyscheiße" für sich wirbt, über die Jahre immer erfolgreicher. Vom kleinen Exhaus-Saal ging es weiter in den Balkensaal. Dann wurde auch der zu eng - und selbst im großen Exil ist man öfter am Limit. Das Publikum wurde über die Jahre zudem eher jünger als älter. Nur wer unter 18 ist, muss seinen "The Hoff" zu Hause nach der Freiheit suchen lassen.
"Das war für uns immer eine Spaßparty. Privat hören wir ganz andere Musik", sagt der 31-Jährige, der auch seit fast zehn Jahren Konzerte veranstaltet - und das auch nach dem Ende der Partyreihe weiterhin machen wird. So holt Rino Dzur am Sonntag, 2. Dezember, die exzellente kalifornische Indie-Hip-Hop-Band Why? ins Exhaus - in den Großstädten füllt sie mittelgroße Hallen. "Mal schauen, wie das in Trier laufen wird."
Erinnerung an "Hip-Hop-Krieg"


Die Disco Destruction ist dann schon Vergangenheit. Damit endet ein Kapitel, an das sich viele Trierer noch lange erinnern werden. Etwa an den fein inszenierten Bühnen-Überfall aufs Spaß-Hiphop-Projekt MahatmaHitler; dort mischte Rino Dzur auch mit. Der wurde zum dritten Disco-Destruction-Geburtstag durchaus realistisch von den weniger ironie-fixierten Jungs von Lownien auf die Bühne gebracht. "Hip-Hop-Krieg im Trierer Exhaus", titelte der TV damals nach der theaterreifen Vorstellung. Es war bis heute der letzte Aufritt von MahatmaHitler. Schöner konnte das kaum enden. Mit legendären Abschieden kennt sich Rino Dzur also aus.
Freitag, 30. November: Disco Destruction (großes und kleines Exil), mit Liveband Saalschutz (Rave-Punk aus der Schweiz). Beginn: 23 Uhr.

Extra

Exhaus Trier, die nächsten Termine: Heute: Ahzumjot (deutscher Rapper, mehrfach mit Cro auf Tour). Freitag, 30.: Disco Destruction, Balkensaal: Youth Gone Wild (mit Livebands Trinity und Gutter Dogs). 1. Dezember: "Dein Freudentanz" (Exil, Techno). Balkensaal: The Sorrow (Metal), 2. Dezember: Why? (Indie-Hip-Hop). 4. Dezember: Effi/Affinity Kit (Indie, Songwriting). 6. Dezember: Royal Republic (großes Exil), Native u. a. (kleines Exil). 12. Dezember: Virus (Avantgarde-Metal aus Norwegen). AF