Die Fotografische Gesellschaft Trier feiert ihren 20. Geburtstag mit einer Ausstellung in der Tufa.

Ausstellung : Blick in die Seele der Tiere

Die Fotografische Gesellschaft Trier feiert ihren 20. Geburtstag mit einer Ausstellung in der Tufa.

Man schaut in die skeptischen Augen eines weißen Vogels mit gelbem Gesicht. Eine struppige Halskrause rahmt es ein. Kerstin Benzmüller hat ihn fotografiert, den „Blick in die Seele der Tiere“. „Schon irre, was man mit einer Kamera einfangen kann“, raunt ein Mann von der Seite.

Benzmüller ist Mitglied der Fotografischen Gesellschaft Trier und zeigt als eine von 39 Fotografen ihre Bilder derzeit in der Trierer Tufa. Noch bis zum 31. März  hat die Ausstellung geöffnet. Ein Besuch lohnt sich. Denn was man dort präsentiert bekommt, das sind verdichtete Momente.

 Manche Bilder beschreiben alte Geschichten. Da ist zum Beispiel ein Menschenaffe, der ein junges Affenkind im Arm hält. Die Augen des Affenkindes erzählen viel vom Sozialverhalten der Tiere.

Frei von Pathos offenbart sich: Die Kraft eines Bildes liegt in dem Bruchteil der Sekunde, in der man etwas von dem fotografierten Motiv verstanden hat.

Die meisten der 39 Fotografen scheinen zumindest mit wachem Auge durch die Welt zu laufen. Erich Roth beispielsweise hat es fertiggebracht, eine Wildkatze in der freien Natur vor die Linse zu bekommen. Er sagt: „Man braucht für solche Bilder eine Riesenportion Glück, viel Erfahrung und eine endlose Geduld – manchmal fast 50 Jahre.“ Roth ist über 80 Jahre alt.

An Roths Bildern zeigt sich, dass Fotografieren ein Hobby ist, das kaum Routine zulässt. „Routine ist der Feind der Kunst“, sagt der Künstler Markus Bydolek bei der Eröffnung zu den rund 100 Gästen, „sie schielt auf Publikumsgeschmack und Verkäuflichkeit, sie operiert mit wohlkalkulierten Effekten“. Doch ihm hört kaum jemand zu. Die Menschen wuseln herum und schauen sich die Bilder an, trinken vom Wein aus Longuich oder plaudern im großen Saal. Nach der dritten Rede wollen alle die Ausstellung sehen. Das ist schade, denn er hat wirklich was zu sagen.

Das Wort Fotografie kommt aus dem Altgriechischen. „Photos“ bedeutet „Licht“ und „graphein“ „zeichnen“ oder „malen“. Ein Fotograf ist also jemand, der mit Licht zeichnet. Das greift auch Bydolek auf. „Bevor es Fotografie gab, waren verschiedene Künste zuständig für die Darstellung und Abbildung visueller Realität, allen voran die Zeichnung und die Malerei.“ Für ihn stellt sich die Frage nach Wahrheit und Wirklichkeit.

Wer auf der Ausstellung die Wirklichkeit oder „visuelle Realität“ sucht, der wird fündig. Beispielsweise zeigen Bilder des verstorbenen Gründers der Fotografischen Gesellschaft Trier eine Fotoreportage über die urtümliche Salzgewinnung in den „Salzgärten von Guérande“ am Atlantik. Oder Volker Schmitts Reisefotografien das Nachtleben Londons. Er nutzt lange Belichtungszeiten, so währt der Moment länger, den er einfängt und die Bilder wirken lebendig.

Ein klares Konzept scheint es nicht zu geben. Die Motive reichen von Grönlands Eisformationen (die übrigens sehr eindrucksvoll festgehalten wurden) über fast schon voyeuristische Abbildungen von Menschen im Iran, bis hin zur kunstvollen Fotografie von Schatten und Lichtexperimenten.

Wer genug hat von Instagramfiltern, mit denen man den ganzen Tag zugemüllt wird, der sollte sich die Ausstellung nicht entgehen lassen. Der Eintritt kostet zwei Euro.

Die Mitglieder der Fotografischen Gesellschaft Trier zeigen ihre Arbeiten bis zum 31. März im zweiten Obergeschoss der Tuchfabrik.

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