Die Furcht der Verkehrsbetriebe

Trier · 15 Busunternehmen und die Deutsche Bahn AG sind zurzeit im Gebiet des Verkehrsverbunds Region Trier (VRT) aktiv. Die Verwaltung hat dem Steuerungsausschuss am Donnerstag einen Bericht über die aktuelle Situation des Öffentlichen Personennahverkehrs im VRT vorgelegt.

 Steigende Fahrkartenpreise widersprechen dem Ziel, den öffentlichen Nahverkehr in Trier zu stärken. TV-Foto: Archiv/Roland Morgen

Steigende Fahrkartenpreise widersprechen dem Ziel, den öffentlichen Nahverkehr in Trier zu stärken. TV-Foto: Archiv/Roland Morgen

Trier. Der Bericht ist aus Sicht der Verkehrsbetriebe wahrhaftig keine Ode an die Freude. Der demografische Wandel hat die Rahmenbedingungen für den ÖPNV gravierend geändert: Abnehmende Schülerzahlen bedeuten sinkende Einnahmen für Unternehmen, die vor allem im ländlichen Raum überwiegend Schüler fahren. Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen, die Passagiere immer wieder ärgern: Die Fahrpreise werden regelmäßig und durchaus üppig erhöht. Gleichzeitig reduzieren die Betriebe ihr Angebot, um Kosten zu senken.
Jährliche Tarifanhebungen machen alle Versuche zunichte, neue Kunden zum Umsteigen auf Bus und Bahn zu bewegen. Die Stadt Trier zog deshalb 2012 sogar eine Kündigung des Verbunds in Betracht. Schließlich widersprechen die regelmäßig steigenden Preise massiv den im Mobilitätskonzept 2025 festgehaltenen Zielen, den ÖPNV in Trier klar zu stärken. Doch zu einer Kündigung kam es nicht (der TV berichtete mehrmals). Die Verbandsversammlung des Zweckverbands VRT hat bereits im September 2012 beschlossen, dass in einem ersten Schritt die Probleme identifiziert und gelöst werden, die sich aus der Struktur des VRT für den Verkehr in Trier ergeben. Die Stadt Trier wird sich an diesem Prozess mit einer Arbeitsgruppe beteiligen, in der alle Ratsfraktionen vertreten sein werden.Kündigung erwogen


Nicht nur die Stadt, sondern auch zwei große Regionalbusunternehmen haben bereits erwogen, die Mitgliedschaft im Verbund zu kündigen und eigene Haustarife beim Land zu beantragen. Ein solcher Schritt würde das Ende des Einheitstarifs und weitere Kostensteigerungen bedeuten. Wer zum Erreichen seines Ziels zwischen mehreren Verkehrsmitteln wechseln will, müsste dann auch mehrere Fahrscheine kaufen. Und als wäre das alles noch nicht genug, wird die geplante Neuregelung der Landeszuweisung für die Schüler- und Kinderbeförderung die Region Trier voraussichtlich hart treffen. Der Bericht der Verwaltung sagt es klar: "Auf Basis der bisher vorliegenden Informationen ist davon auszugehen, dass die Region deutlich geringere Zuweisungen als bisher erhalten wird."
Um diese Probleme in den Griff zu bekommen, hat die Verbandsversammlung des VRT schon 2011 den Beschluss gefasst, in Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Nord, dem Verkehrsverbund Rhein-Mosel und dem Innenministerium ein ÖPNV-Konzept Rheinland-Pfalz Nord zu erarbeiten. Der Auftrag zur Erstellung des Konzepts wurde europaweit ausgeschrieben, den Zuschlag erhielt das Planungsbüro Interessengemeinschaft Dreieich Bahn GmbH. Zurzeit läuft die Bestandsaufnahme. Das Ziel dieses Konzepts ist eine Optimierung des gesamten Busnetzes, um den ÖPNV wirtschaftlicher zu machen.
Aus ertragsschwachen und defizitären Linien sollen Bündel geschnürt werden, die auf diese Weise eigenwirtschaftlich betrieben werden können. Ohne diese Bündelung bestehe die Gefahr, dass die Unternehmen nur noch für ertragsreiche Linien Konzessionen beantragen.Existenz gefährdet


Bereits jetzt vertreten einige Regionalbusunternehmen die Auffassung, dass die Linienbündelung und die damit verbundene Neuvergabe der Konzessionen zu spät kommen werden, um die aktuellen Probleme zu lösen. Ohne weitere Tariferhöhungen oder eine Co-Finanzierung aus Mitteln der öffentlichen Hand sei ihre Existenz gefährdet, sagen die Betriebe. Das Konzept soll 2016 fertig werden. Der Steuerungsausschuss nahm den Bericht ohne Debatte zur Kenntnis.

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