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Die Gemeinde Hockweiler baut ihr altes Gemeindehaus um.

Dorfentwicklung : Strom vom Dach auch für Elektroautos

Das Projekt „Gemeindehaus Hockweiler“ ist wegen Corona erheblich in Rückstand geraten, aber es schreitet inzwischen gut voran. Wie das zur Energiewende beitragen kann und worum es in der geplanten Dorfmoderation geht.

Der Anblick des alten und heruntergekommenen Gemeindehauses von Hockweiler ist schon fast vergessen: Eine große Fensterfront ragt über den Hof, ein modern anmutendes Flachdach erstreckt sich über die neue Erweiterung des Gemeindesaals. Der Ortsbürgermeister Uwe Seher und seine Mitstreiter haben große Pläne für das Gemeindehaus.

Um den Umbau kümmern sich verschiedene Fachfirmen, aber auch der Gemeinderat selbst und die Feuerwehr helfen ehrenamtlich mit.

Das ehemalige Giebeldach wird von einem Flachdach ergänzt und schafft somit eine Menge Platz im Gemeindesaal, der für verschiedenste Zwecke wie Gymnastikkurse, Musikvereine, aber dank der Küche auch für Kochkurse genutzt werden kann.

Arbeiter haben die Fenster eingebaut. Der Trockenausbau ist gestartet. Zudem sollen Sanitär- und Heizungsanlagen auf den neuesten Stand gebracht werden, dazu gehört in dem barrierefrei zugänglichen Gebäude auch ein WC für Menschen mit Behinderung.

Trotz der großen Pläne hat Seher auch schlechte Nachrichten: „In diesem Jahr wird es keine Veranstaltungen mehr im Gemeindehaus geben.“ Damit fallen auch das beliebte Adventsbasteln für Kinder und die Seniorennachmittage weg.

Uwe Seher gibt sich jedoch kämpferisch und verspricht eine „Weiterverfolgung der Ideen“, obgleich man in der aktuellen Situation „Kompromisse machen muss“.

Das Flachdach soll später vermietet werden, um dort eine Photovoltaik-Anlage anbringen zu können. Der so erzeugte Strom soll über eine Pufferbatterie gespeichert werden, um das Gebäude mit Energie versorgen zu können.

Zudem ist auf dem nebenan gelegenen Parkplatz eine Fläche mit Ladestation für Elektroautos geplant.

Dort wäre zudem ein Stellplatz für Carsharing vorstellbar. Ob die Nachfrage für das Mieten eines Autos in dem 300-Einwohner-Dorf allerdings hoch genug ist und das Angebot damit rentabel, soll sich in einer geplanten Gemeinderatssitzung und einer Dorfumfrage zeigen.

„Mit einem solchen Projekt wären wir in der Nähe von Trier unter den kleinen Dörfern sicherlich ein Pilot“, sagt Seher, der durch die Nähe zu Trier und der hohen Nachfrage im Neubaugebiet großes Potenzial in dem stetig wachsenden Dorf sieht.

Aber auch das Dorf selbst hat Probleme, so bezeichnet Seher die ÖPNV-Verbindungen nach Trier als eher „mangelhaft“. Die Gemeinde sei jedoch mit der Kreisverwaltung in „ständigem Gespräch“, denn besonders die Abend- und Nachtfahrten von und nach Trier fehlten.

Seher betont immer wieder den fließenden Übergang der Generationen und sieht das Gemeindehaus als Symbol: „Wir haben eine multifunktionale Nutzung des Gebäudes, in dem oben die erwachsenen Bürger ihre Zeit verbringen und darunter ein Jugendraum zu finden ist.“ Weiterhin gibt es auf der Dorfkirmes, die direkt auf dem Hof vor dem Gemeindehaus stattfindet, sowohl eine Hüpfburg für Kinder als auch Stände für Essen und Trinken.

Der Jugendraum, der schon vor Corona aufgrund eines Wasserschadens geschlossen wurde, soll nachhaltig wieder aufgebaut werden. Nachhaltig heißt hier, dass eine langfristige Nutzung der Jugend gewährleistet ist und die Altersdynamik trotzdem bestehen bleiben kann.

Dazu gehört auch das Vermeiden von Ruhestörungen. Hierzu hat sich Seher mit dem Jugendring und der Jugendpflegerin der Verbandsgemeinde, Lydia Frisch, in Verbindung gesetzt.

„Das Haus“, sagt Seher, „soll unbedingt genutzt werden, denn ein so teures Projekt muss auch wieder Einnahmen einbringen.“ Mehrkosten seien bisher wegen Corona kaum aufgetreten. Der kalkulierte Preis von um die 350 000 Euro ist also noch immer aktuell.

Obwohl bereits wegen Veranstaltungen angefragt wurde, kann Seher noch keine zuverlässige Voraussicht geben, wann das Gemeindehaus wieder eröffnet wird. Das im Februar begonnene Projekt befindet sich durch die Tatsache, dass zeitweise nur zwei Menschen in dem Gebäude arbeiten durften, erheblich im Verzug. Eigentlich sollte es Ende August fertiggestellt sein.

Der Gemeinderat trifft sich am Mittwoch, 16. September, um 19.30 Uhr im Gasthaus Zur Linde. Dort findet eine Gemeinderatssitzung der Ortsgemeinde Hockweiler statt. Zentrales Thema wird die Dorfmoderation sein. In diesem Zusammenhang geht es um demografischen Wandel, Dorfentwicklung, Vernetzung, digitales Dorf, (Elektro)Mobilität. Die Firma Neuland wird ein Konzept vorstellen.