Die Gesellschaft will bauen

Die abgeschlossene Modernisierung fast aller Wohnungen und Zinsen im Rekordtief erlauben es: Die Bau- und Vermietungsgenossenschaft Trier plant Neubauten. Doch bis die ersten Bagger rollen, gilt es noch einige Hürden zu nehmen. Auch Kritik wurde laut.

Trier. Nach acht Jahren des Stillstands bei den Neubauten will die Bau- und Vermietungsgenossenschaft Trier (BVT) wieder eigene Häuser errichten. 2013 hat sie die Modernisierung ihrer Wohnungen und Häuser fast vollständig abgeschlossen, jetzt will man die sehr niedrigen Zinsen nutzen, um Kredite für Neubauten aufzunehmen. "Wann, wenn nicht jetzt?", fragte Albrecht Huber, Vorstandsvorsitzender der BVT, auf der Mitgliederversammlung.
Die ersten Bagger werden allerdings frühestens im Sommer 2015 rollen, denn die BVT sucht derzeit noch nach Baugrundstücken, die sie von der Stadt Trier erwerben will. Aus Sicht der Genossenschaft lassen sich die Bauvorhaben allerdings nur umsetzen, wenn die Stadt ihre Vorschriften zum sozialen Wohnungsbau lockert: Zwei Parkplätze etwa müssen jeder neu gebauten Wohnung zugeteilt werden - da die Genossenschaft aber nicht für Reiche baue, sei diese Vorschrift überzogen, meint der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Petry. Auch den Umweltstandard Passiv-Haus hält man bei der BVT für zu hoch angesetzt. "Angesichts der wahrscheinlich kommenden Mietpreisbremse ist das für uns zu teuer", sagte Huber dem TV. Der niedrigere Umweltstandard EnEV sei hingegen bezahlbar für die BVT. Sollte die BVT keine Grundstücke von der Stadt erwerben können, die sie für bezahlbar hält, will sie prüfen, wo sich auf den eigenen Grundstücken eine Nachverdichtung lohnt. Diese Option ist aber nur ein Plan B, denn dafür müssten die entsprechenden Bebauungspläne geändert werden.
Mit Blick auf die bestehenden Wohnungen zeigte sich die BVT zufrieden: Mit rund sieben Euro liege die durchschnittliche Warmmiete der Genossenschaft deutlich unter dem Stadtdurchschnitt von etwa neun Euro. Zu bedenken ist dabei allerdings, dass im Stadtdurchschnitt auch luxuriösere Wohnungen inbegriffen sind, die die Genossenschaft nicht anbietet. Im Vergleich mit ähnlichen Wohnungen dürfte der Vorsprung der Genossenschaft also etwas geringer ausfallen. bel
Extra

2013 verzeichnete die Genossenschaft einen Bilanzgewinn von rund 119 000 Euro. Etwa 37 000 Euro werden an die Mitglieder ausgeschüttet (das entspricht einer Dividende von vier Prozent), der Rest wird als Rücklage einbehalten. Die BVT besaß vergangenes Jahr 1006 Mietwohnungen und diverse Einrichtungen wie einen Kindergarten und ein Café. Personelle Veränderungen im Vorstand und im Aufsichtsrat gab es bei der Mitgliederversammlung nicht. bel