Die Grenze in den Köpfen

Seit zwölf Jahren sind in Europa die Grenzen offen, europäische Kooperation und Identität sind in aller Munde. Doch wie sehen dies die Menschen in Europa? Gundula Scholz befragte mehrere Tausend Schüler und stellte fest: Im persönlichen Erleben sind die Grenzen noch vorhanden.

Trier. "Die Großregion SaarLorLux - wie Schüler den Grenzraum sehen und erleben" war das Thema des Vortrags von Gundula Scholz in der Volkshochschule, präsentiert von der Europa-Union, Kreisverband Trier. Gleichzeitig ist es das Thema ihrer Dissertation. An 20 Schulen in Deutschland, Luxemburg, Belgien und Frankreich befragte sie im Jahr 2000 über 3200 Schüler; 2006 fand eine zweite Befragung statt. "Zur Großregion SaarLorLux gehören für mich das Saarland, die Region Trier, die Region Westpfalz, der Landkreis Birkenfeld, Lothringen, Luxemburg und die Provinz Luxemburg", stellte Gundula Scholz fest. "Wenn man die Grenzen noch weiter fasst - wie im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt Luxemburg 2007 - wie soll dann ein Wir-Gefühl entstehen?"Die Schüler der 10. und 11. Klassen sollten etwa die Großregion zeichnerisch darstellen und sie dann auf einer Landkarte eingrenzen. Die Schülerzeichnungen ergaben, dass sie vor allem ihren eigenen Raum gut kannten, oft auch sehr groß darstellten. "Bei den Trierern gab es noch Luxemburg, und dann nicht mehr sehr viel." Wallonien und Metz hinter den sieben Bergen

Gundula Scholz stellte fest: "Wallonien ist für viele deutsche Schüler hinter den sieben Bergen. Und auch Metz!" Ein Luxemburger habe es so formuliert: "Warum sollen wir rausfahren? Wir haben hier doch alles." Das Fazit der Geografin: "Vor allem der belgische Teil der Großregion wird wenig wahrgenommen." Wenn Schüler angaben, in die Nachbarregion zu fahren, dann zumeist zum Einkaufen oder Tanken, teils auch um Verwandte zu besuchen. Über entferntere Regionen gab es klischeehafte Vorstellungen: Die hübsche Französin, der Bayer in Lederhosen. Verblüffend: "Die von Schülern genannten Stärken der Großregion wurden auch als Schwächen genannt: Die Kooperation, die ländliche Prägung, die Sprachen." Die demografische Forschung habe gezeigt, dass es bei jungen Menschen eine nationale und eine europäische Identität gebe. Doch: "Die Grenze ist in den Köpfen stark verankert."