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Die Hauptsorge gilt dem Lärmschutz

Die Hauptsorge gilt dem Lärmschutz

Die neuen Regionalbahnlinien sollen ab Dezember 2018 auf der reaktivierten Weststrecke fahren. Moderne Schienenbusse rollen dann regelmäßig von Wittlich über Schweich, Trier und Igel bis Luxemburg und von Ehrang über Konz bis Saarburg. Allerdings geht die Angst um, neben dem Personenverkehr könnten auch deutlich mehr Güterzüge die Gleise nutzen.

Trier/Igel. Lärmschutz ist in der Diskussion um die Reaktivierung der Westtrasse (siehe Hintergrund) ein dominierendes Thema. Wegen des Neubaus eines zweiten Gleises muss die Deutsche Bahn in Igel einen Lärmschutz schaffen. Vor Gericht wird geklärt, ob die geplante Lärmschutzwand dort zu hoch und zu eng an den Häusern gebaut wird. In Zewen, Euren und Trier-West/Pallien geht es dagegen erst einmal darum, wie ein besserer Lärmschutz erreicht werden kann. Der würde vor allem dann notwendig, wenn mehr Güterzüge über diese Strecke fahren würden.
Ein Szenario dafür gibt es bereits: Wegen Brückensanierungen in Trier-Ehrang und Pfalzel werden Güterzüge seit April über die Weststrecke umgeleitet, nach derzeitigem Stand bis 9. August. Beim TV-Forum am Dienstag im Bürgerhaus Euren (siehe Extra) wird es auch darum gehen. Wir haben im Vorfeld Bürgermeister und Ortsvorsteher um ihre Meinung zur Reaktivierung der Westtrasse gebeten.

Igel: Für Ortsbürgermeister Franz-Josef Scharfbillig ist die Nachricht vom Bau eines zusätzlichen Bahnsteigs in Igel (TV vom 5. Juli) keine Überraschung. "Die Zusage ist bereits zwei Jahre alt. Für uns ist das nun lediglich eine Vollzugsmeldung." 623 000 Euro soll der zusätzliche Außenbahnsteig kosten, der notwendig wird, damit sich entgegenkommende Züge nicht behindern. Dass es auf der bald zweigleisigen Strecke mehr Verkehr geben wird, stört den Ortsbürgermeister nicht. Mehr Güterverkehr könne er allerdings nicht tolerieren.
"Es gibt aus Igel keinen Widerspruch zum Ausbau an sich. Allerdings können wir nach wie vor nicht akzeptieren, dass die Bahn einen vier Meter hohen Lärmschutz unmittelbar vor die Fenster der Anlieger bauen will. 80 bis 90 Zentimeter hohe Gabionen wären dafür unsere Lösung." Nach der Klage eines Anwohners hat das Oberverwaltungsgericht Koblenz dem Eisenbahnbundesamt aufgetragen, nach Alternativen zu einer massiven Schallschutzwand zu suchen.

Konz: Bürgermeister Karl-Heinz Frieden bewertet die beiden neuen Regionalbahnlinien positiv. "Eine engere Verknüpfung des Städtenetzwerks Konz-Trier-Schweich war immer unser Ziel. Dabei haben wir immer betont, dass die Aktivierung der Westtrasse nur klappt, wenn das Westkreuz Konz angebunden wird." Das soll mit einem zusätzlichen Bahnsteig realisiert werden.
Nach Einschätzung des Konzer Bürgermeisters werden die neuen Regionalbahnlinien den Straßenverkehr allerdings nur um maximal zehn Prozent entlasten. Frieden erneuert deshalb die Forderung nach einem Moselaufstieg am ursprünglich geplanten Standort bei Igel mit einer neuen Brücke über die Mosel.

Trier-Zewen: Ortsvorsteher Helmut Mertesdorf sieht Zewen grundsätzlich als einen Gewinner der Streckenreaktivierung: "Wir haben noch Bahnsteige, die lediglich saniert werden müssen. Dann gibt es eine direkte Verbindung nach Luxemburg. Und ich kann auch in sieben oder acht Minuten mit dem Zug nach Trier-West fahren." Damit die neuen Verbindungen genutzt werden, seien allerdings attraktive Fahrpreise wichtig.

Trier-Euren: Auch Ortsvorsteher Hans-Alwin Schmitz begrüßt grundsätzlich die neuen Regionalbahnlinien im Westen. "Für den Haltepunkt Euren und die Parkflächen sind ausreichend Flächen vorhanden." Unsicherheit bestehe in Euren allerdings in Bezug auf Güterverkehr. "Die Frequenz der Züge wird zunehmen", ist Schmitz überzeugt.

Trier-West/Pallien: Besonders groß ist die Angst vor mehr Güterverkehr in Trier-West/Pallien. Ortsvorsteher Horst Erasmy: "Die Menschen hier haben zu Recht die Befürchtung, dass es dauerhaft zu einer Zunahme kommen wird." Grundsätzlich sei der Ortsbeirat zwar für die Reaktivierung der Weststrecke. Dies gelte allerdings nur, wenn eine ganze Reihe von Fragen in Bezug auf Güterverkehr, die geplanten Bahnsteige im Bereich Kaiser-Wilhelm- und Römerbrücke, den Bahnübergang in der Luxemburger Straße beantwortet würde.

Ehrang-Quint: Die geplante Schließung des Bahnhofs und dessen Verlagerung auf den neuen Knotenpunkt Hafenstraße ist das, was in Ehrang/Quint Sorgen macht. Ortsvorsteher Thiebaut Puel: "Wir brauchen einen zusätzlichen Haltepunkt im Ort für die Leute, die aus der Eifel kommen. Die Hafenstraße ist vom Krankenhaus und der Ortsmitte zu weit entfernt."
volksfreund.de/weststreckeExtra

Beim TV-Forum am Dienstag, 15. Juli, 20 Uhr, im neuen Bürgerhaus Euren (Kulturwerkstatt), Ottostraße 29, steht die Reaktivierung der Weststrecke im Mittelpunkt. Kompetente Podiumsgäste stellen sich den Fragen der TV-Redakteure Dieter Lintz und Rainer Neubert. Natürlich werden auch die Besucher Gelegenheit haben mitzudiskutieren und Fragen zu stellen. Folgende Gesprächspartner haben ihr Kommen zugesagt: Jürgen Berg, Projektleiter Rheinland-Pfalz-Takt 2015 bei der Société Nationale des Chemins de Fer Luxembourgeoise (CFL). Giesbert Brauner, Leiter Vertrieb und Fahrplan bei der DB Netz AG Regionalbereich Mitte. Thomas Geyer, Leiter Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Nord. Simone Kaes-Torchiani, Bau- und Verkehrsdezernentin der Stadt Trier. Michael Puschel, Referatsleiter Schienenpersonennahverkehr und ÖPNV, Verkehrsministerium Rheinland-Pfalz. In der ersten Reihe werden zudem die Ortsvorsteher und Bürgermeister der von Baumaßnahmen betroffenen Stadtteile und Kommunen sitzen. Der Eintritt ist frei. r.n.r.n.

Extra

Die links der Mosel verlaufende Schienenstrecke zwischen Trier-Ehrang und der Konzer Moselbrücke wird als Weststrecke bezeichnet. Dieser zweigleisige und durchgehend elektrifizierte Schienenweg wurde zuletzt Mitte der 80er Jahre planmäßig für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) genutzt. Seitdem fuhren dort nur noch wenige Güterzüge. Ab Dezember 2018 soll die Strecke wieder für den SPNV genutzt werden. Geplant sind zwei neue Regionalbahnlinien. Eine davon - die Hauptlinie - soll regelmäßig vom Hauptbahnhof Wittlich bis in die Stadt Luxemburg führen. Dazu notwendig ist der derzeit laufende zweigleisige Ausbau eines 1,8 Kilometer langen Engpasses bei Igel. Die zweite vorgesehene Regionalbahnlinie startet am neu geplanten Haltepunkt Hafenstraße in Trier-Ehrang und führt über Konz bis nach Saarburg. Das Land Rheinland-Pfalz stellt für den Bau von vier neuen Haltepunkten in Trier insgesamt 19 Millionen Euro zur Verfügung. Sie sollen in Zewen, Euren, an der Römerbrücke und an der Kaiser-Wilhelm-Brücke entstehen. Am Westkreuz Konz wird ein zusätzlicher Bahnsteig gebaut, ebenso am Haltepunkt Igel. Der neue Haltepunkt in der Hafenstraße soll den derzeitigen Bahnhof in Ehrang ersetzen. Er wird aus einem anderen Projekttopf finanziert. r.n.