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Die Herkunft als Visitenkarte

Die Herkunft als Visitenkarte

Aus der Politik hat sich Dieter Schmitt ganz zurückgezogen. Dennoch: Langeweile kommt bei dem ehemaligen CDU-Landtagsabgeordneten und Kreisbeigeordneten nicht auf. Gerade von einem Partnerschaftsbesuch aus Thüringen zurückgekehrt, feiert er morgen seinen 70. Geburtstag.

Fisch. Groß feiern möchte Dieter Schmitt seinen Siebzigsten morgen nicht. "Ich bin am Donnerstag zu Hause, und wer gratulieren kommen möchte, der ist herzlich willkommen", sagt der Mann aus Fisch.
Fisch - auf diesen 370-Einwohner-Flecken im Saargau war der Jubilar in 50 Jahren Politik-Karriere immer besonders stolz. Legendär ist sein "Schmitt, Fisch" - so stellte er sich stets seinen Gesprächspartnern vor. Auf seine ländliche Herkunft war der gelernte Landwirt schon stolz, als der Begriff "ländlicher Raum" noch nicht in aller Munde war.
Ein Herz für die Dörfer


Was wird aus unseren Dörfern? Wie können wir die jungen Menschen auf dem Land halten und dort in Zeiten des demografischen Wandels die Infrastruktur aufrechterhalten? Diese Fragen bestimmten das politische Handeln von Dieter Schmitt. 1985 ging er in die Landespolitik, bis 1991 als Abgeordneter der Regierungspartei CDU, danach drückte er vier Jahre die Oppositionsbank. Eine Zeit, in der man dicke Bretter bohren musste. Schmitt ist davon überzeugt, dass ein Regierungswechsel nur durch gravierende Fehler der Regierenden herbeigeführt werden kann. So sei es vor der Beck-Ära den Christdemokraten ergangen, jetzt stehe die Koalition aus SPD und Grünen mit dem Rücken zur Wand. "Diese Fehler, ja man muss teilweise auch Dummheit sagen, hätte ich nicht erwartet", meint der 69-Jährige.
Vor 50 Jahren hatte Schmitts Karriere bei der Jungen Union in Saarburg begonnen, 40 Jahre gestaltete er die Kreispolitik mit. In einem Interview im neuen Kreisjahrbuch, das in den nächsten Tagen auf den Markt kommt, sieht er die steigende Schuldenlast der Kommunen mit großer Sorge. Eine kommunale Finanzreform fände Schmitt wichtiger als die "falsch angelegte und nicht zielführende Verwaltungsreform".
Die Kommunen müssten finanziell besser ausgestattet werden und auch selbst mehr entscheiden können. Der langjährige Fischer Ortsbürgermeister und Kreisbeigeordnete weiß, wovon er redet. Eine grundlegende kommunale Finanzreform würde seiner Meinung nach auch die kommunale Selbstverwaltung stärken, die Bürgerbeteiligung vor Ort verbessern und das Interesse an einer Kandidatur für die kommunalen Räte erhöhen.
So ganz loslassen vom Ehrenamt kann der "Privatmann" Dieter Schmitt nicht. So engagiert er sich als Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Trier-Saarburg. Vor wenigen Tagen besuchte er den thüringischen Partnerkreis Saalfeld-Rudolstadt und nahm an einer Gedenkfeier zum Mauerfall vor 25 Jahren teil. Auch im sozialen Bereich ist "Schmitt, Fisch" aktiv, beispielsweise im Förderverein des Krankenhauses Saarburg und im Aufsichtsrat des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Konz.
Auch in der Familie wird Schmitt gebraucht. "Wenn\'s darum geht, im Haus etwas umzubauen oder Sachen zu flicken, wird nach dem Opa gerufen." Schmitt ist froh, endlich mehr Zeit für seine Frau Hildegard, seine beiden Töchter und die drei Enkel zu haben. Auch will er sich mehr seinen Hobbys widmen, dem Reisen und Wandern. Außerdem liebäugelt er mit der Anschaffung eines Hundes. alf