Die Kirche im Dorf lassen

Also nee, wissense nee, das geht einem schon langsam auf den Geist, würde ein Berliner sagen. Gemeint ist das ganze Gedöns um das Freibad Trier-Süd, das einem schon langsam die Haare zu Berge stehen lässt.

Eigentlich fing die ganze Angelegenheit ganz harmlos an - aus Besorgnis der Bürger, dass eventuell das Bad geschlossen werden würde, weil einige technische Dinge nicht mehr in Ordnung seien. Es ging dabei im Allgemeinen um einige hunderttausend Euro, für die die Stadt nicht mehr aufkommen wollte. Gottseidank hatte sich daraufhin eine Bürgerinitiative gebildet, die dann mit gesammelten 20 000 Unterschriften der Stadt entgegentrat und damit verhindern wollte, dass das Bad geschlossen wird. Aber siehe da, plötzlich sahen Stadtspitze und Rat die Gelegenheit, sich mit diesem Objekt nach außen hin bürgerfreundlich zu identifizieren und zu profilieren. Damit das Ganze besser zum Ausdruck kommen sollte, musste mit Millionen geklotzt werden, anstatt mit einigen hunderttausend Euro zu kleckern. Die Maschinerie setzte sich in Bewegung und offerierte gigantische Summen, die für den weiteren Erhalt des Bades erforderlich seien - obwohl die Mittel der Stadt und des Landes äußerst bemessen sind. Dabei, und der Meinung bin ich nicht alleine, war denen, die ihre Unterschrift gegeben hatten, in erster Linie daran gelegen, dass sauberes Wasser im Becken ist, und sie ihrem Hobby Schwimmen frönen können. Herz, was will man mehr? "Schnicki-schnacki" ist in Zeiten knapper Kassen nicht gefragt. Dafür gibt es anderweitig Gelegenheit, dies zu genießen. Das Südbad braucht nicht zu sterben, wenn alle hinsichtlich der Kosten die Kirche im Dorf lassen. Also in erster Linie das Wichtigste sanieren, anstatt Unsummen zu deklarieren, die nicht mehr zur Verfügung stehen. Hans Mertes, Trier