Die Kleinen jubeln

TRIER. Einen klaren Sieg für die Grünen lässt die Stadtratswahl in Trier erwarten. Nach Auszählung von mehr als der Hälfte aller abgegeben Stimmen käme die Öko-Partei auf einen Gesamt-Anteil von mehr als 20 Prozent. Die CDU muss deutliche Verluste hinnehmen, die SPD schrumpft weiter, die UBM stagniert und die FDP feiert ihr Comeback im Rat.

Von unserem Redakteur
DIETER LINTZ

45 Prozent der Trierer Wähler nutzten die Möglichkeit, Personenstimmen zu verteilen. Ihre Stimmzettel werden erst heute ausgezählt. Die Auswertung bestimmt nicht nur die Reihenfolge der Kandidaten innerhalb der jeweiligen Liste, sondern kann auch die Gesamt-Ergebnisse noch leicht beeinflussen. Von den bisher gezählten Stimmen erhalten die CDU 38, die SPD 22, die UBM 13, die Grünen 21 und die FDP 5 Prozent. Die Zahlen sind als Näherungswert ausgerechnet.
Fast schien es, als hätten die Grünen ihr Abschneiden vorausgeahnt. Während die meisten Parteivertreter noch beim Zählen verweilten oder per Telefon die Trends abfragten, verfolgten die Grünen im Rathaus jedes Einzel-Ergebnis schon bei der zunächst ausgezählten Europawahl mit wachsender Begeisterung. „Stellt schon mal den Sekt kalt und schaut auf die hinteren Listenplätze“, rief der Landtagsabgeordnete Rainer Marz ins Telefon. „Nun wartet doch erst mal die Kommunal-Ergebnisse ab“, warnte Kollegin Lydia Hepke.
OB Schröer greift
zum Taschenrechner
Bürgermeister Georg Bernarding wollte bereits kurz nach Schließung der Wahllokale wissen, „wie es aussieht“. Die Antwort bei der Auszählungstruppe, die im Rathaussaal den Briefwahlstimmen zu Leibe rückte, war kurz und bündig, wenn auch noch nicht ganz repräsentativ: „Zwei Kisten CDU, eine SPD.“ Das klang gut, wurde aber durch die späteren Zahlen erheblich relativiert.
Die Spekulationen schossen ins Kraut, zumal tragfähige Auszählungs-Ergebnisse zur Stadtratswahl erst ab 22 Uhr angeboten wurden. Angesichts der Lockerheit, mit der die Trierer FDP die Fünf-Prozent-Hürde bei der Europawahl übersprang, stellten sich die Auguren bereits auf eine neue Fraktion im Stadtrat ein, denn dort reichen rund drei Prozent für den Einzug. „Das wird spannend“, prognostizierte OB Helmut Schröer, der in seinem Büro im ersten Stock die Zahlen verfolgte.
Betroffenheit herrschte allerorten über eine Wahlbeteiligung, die sich bei 44 Prozent einpegelte. „Eigentlich eine Unverschämtheit“, schimpfte SPD-Stadtrat Rainer Lehnert.
Aus den anderen Städten in Rheinland-Pfalz wurden längst Stadtrats-Ergebnisse gemeldet. Nur in Trier stand SWR-Moderator Gerald Kessler immer noch mit leeren Händen da. Die städtischen Statistiker nahmen es offenkundig etwas genauer als ihre Kollegen; sie wollten aus den Teil-Ergebnissen keine – wissenschaftlich unzuverlässige – Prognose errechnen. Da griff der OB selbst zum Griffel und errechnete von Hand einen halbwegs tragfähigen Trend. Zufrieden wird er mit seinem Rechen-Resultat kaum gewesen sein. Die CDU dürfte ebenso wie die SPD mehrere Ratsmandate verlieren.
Wie das im Einzelnen aussieht, wird frühestens morgen Abend klar sein. Das Auszählen der kumulierten und panaschierten Stimmen verspricht jede Menge Arbeit. Erst dann werden auch die Kandidaten der Parteien erfahren, wer den Sprung in den Stadtrat geschafft hat. Auch für das Gesamtergebnis sind noch Korrekturen drin. 1999 konnte etwa die UBM durch Stimmen anderer Parteien noch einen Zugewinn erzielen. Aber an der Gesamt-Tendenz dürfte sich nichts Entscheidendes mehr ändern.

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