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Die kuriosen Nebenwirkungen der Corona-Krise in und um Trier

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesellschaft : Die kuriosen Nebenwirkungen der Corona-Krise in und um Trier

Wenn Weihnachtsgefühle im März aufkommen: Das Virus hat das Leben umgekrempelt – auch auf unerwartete Weise. Wer hätte geglaubt, dass mit Konzerten im Netz viel Geld für den guten Zweck gesammelt werden kann? Oder dass Menschen in der Krise Geduld lernen? Unsere Reporter haben einige erstaunliche Punkte zusammengetragen.

Daran hat vor Wochen niemand gedacht, die Pandemie hat es möglich gemacht.

Lust auf Süßes Der Corona-Stress hat die Lust auf Süßes in die Höhe schnellen lassen. Der Internationale Süßwarenhandelsverband hat bereits Anfang April ein außergewöhnliches zweistelliges Plus gemeldet. Auch lokal ist der Zuckerhunger spürbar. Marianne Stürmer von der Mehringer Bäckerei Frick (mit Marktständen in Trier, Tarforst und Konz) stellt fest: „Es wird mehr Süßes gegessen, in den ersten Wochen war das noch stärker. Die Kunden haben Massen an Teilchen gekauft nach dem Motto: Je süßer, desto besser. Die Leute haben das gebraucht.“ Besonders beliebt: Puddingbrezeln, Puddingstreusel und Nussplunder. Jeder esse, was er am liebsten möge und sich sonst verkneife. Ein Diabetiker beispielsweise, der sonst auf Süßes verzichte, esse nun ein Teilchen pro Tag.

Im Edeka-Markt in der Saarstraße in Trier-Süd hat Betreiber Michael Haupenthal festgestellt, dass seine Kunden offensichtlich verstärkt Kuchen selbst backen. So verkauft er neben Mehl und Hefe mehr von den entsprechenden Backmischungen. „Einige haben auch angefangen, Brot zu backen“, sagt Haupenthal. (mai)

Wein/Alkohol Der Absatz in der Gastronomie ist zwar eingebrochen, dafür aber ist die Nachfrage beim Lebensmitteleinzelhandel sowie beim Online-Geschäft gestiegen. Viele Winzer bieten Online-Weinproben an und werben damit, Probierpakete direkt nach Hause zu liefern. Das kommt offenbar sehr gut an. (vk)

Konzerte/Streaming/Musiker Die Trierer Musikszene ist seit Inkrafttreten der Corona-Auflagen mit etlichen Livestreams über Facebook und ähnliche Kanäle aktiv. Viele – zum Beispiel Wolfgang Prinz aus Konz-Oberemmel – haben für den guten Zweck gesammelt. Ein Höhepunkt war das von SDIYG-Shows organisierte erste Online-Festival in Trier. Daran haben sich 16 Gruppen oder Musiker beteiligt, die zusammen 10 000 Euro Spenden für fünf Veranstaltungsorte (Exhaus, Tuchfabrik, Villa Wuller, Mergener Hof und Lucky’s Luke) gesammelt haben, denen zurzeit alle Einnahmen wegbrechen. 30 Trierer Musiker haben sich inzwischen auch schon für die Zeit nach Corona zusammengetan: „30 für Trier“ ist das Motto der Musiker und Veranstalter, die eine Art Selbsthilfe-Festival auf die Beine stellen und die Arena in Trier füllen wollen. Der Vorverkauf läuft. Die Tickets kosten 30 Euro. (cmk)

Post Sieben Millionen Pakete täglich sind in Deutschland während der Corona-Pandemie verschickt worden. „Seit März ist Vorweihnachtszeit bei uns“, sagt Heinz-Jürgen Thomeczek, Pressesprecher der Deutsche Post DHL Group. An einem normalen Tag würden im Schnitt bundesweit 5,2 Millionen Pakete verschickt. Zahlen für die Region könne er leider nicht nennen, da diese nicht erhoben würden.

Auch der Briefverkehr hat sich verändert. Die Zahl der Briefe sei mit bundesweit 55 Millionen pro Tag konstant geblieben. Allerdings hätten die Menschen weniger Werbesendungen und dafür mehr Privatpost erhalten, sagt Thomeczek. Und: Während der Pandemie hätten einige Menschen ihre Post später erhalten, weil die Zusteller diese versetzt in den Verteilungszentren abgeholt hätten, um den Sicherheitsabstand zu wahren. „Es kann passieren, dass Sie zur Zeit noch abends um 19 Uhr einem Postboten begegnen.“ (aweb)

Singen Stillstand für Tausende von Sängern und ihre Chöre. Auch wenn niemand weiß, wann sie wieder gemeinsam in einem Raum mit ihrem Chorleiter üben – geschweige denn Auftreten können, proben etliche Unverwüstliche trotzdem weiter. Sie probieren Online-Programme aus wie Zoom oder Skype, mailen sich Noten zu und lassen sich mit Musik von Youtube-Videos begleiten. (vk)

Wasserverbrauch „Wäsch deich moal“ ist in Trier und Umgebung ja fast so etwas wie ein geflügeltes Wort. Und auch Lockdown, Homeoffice, Yoga in den heimischen vier Wänden statt im Studio und dem allgegenwärtigen Händewaschgebot haben den gemeinen Trierer offenbar nicht von seinen üblichen Wasch- und Duschgewohnheiten abweichen lassen. „Wir können unter dem Strich keine Veränderungen im Verbrauchsverhalten feststellen“, teilt Stadtwerke-Pressesprecher Carsten Grasmück auf TV-Nachfrage mit. Warum das trotzdem eine Nachricht ist? In wirklich großen Städten sieht das anders aus: In Hamburg und Berlin beispielsweise, so berichtet die Wochenzeitung Die Zeit, haben sich die Zeiten, in denen zu Hause Wasser fließt, geändert. Statt um 7.45 Uhr duschen die Leute dort zurzeit offenbar lieber erst – Homeoffice lässt grüßen! – gegen 10 Uhr, berichtet die Zeitung und beruft sich dabei auf die örtlichen Wasserwerke. Auch sei der heimische Wasserverbrauch insgesamt in der Krisenzeit leicht gestiegen. Der Trierer wäscht seich dagegen trotz Corona offenbar so viel wie immer. (woc)

Stromverbrauch: Völlig durchschnittlich ist Trier dagegen beim Stromverbrauch: Deutschlandweit ist dieser während der Krisenzeit um rund zehn Prozent hinter den für diese Jahreszeit prognostizierten Zahlen zurückgeblieben. Die Daten der Bundesnetzagentur passen zu den Zahlen der Stadtwerke Trier: „Der Stromverbrauch in Trier ist im April um zirka zehn bis 15 Prozent zurückgegangen. Das liegt maßgeblich an der Schließung der Läden und Gewerbebetriebe“, teilt Stadtwerke-Sprecher Carsten Grasmück mit. Mit der zunehmenden Öffnung der Geschäfte habe der Strombedarf allerdings wieder sukzessive zugenommen. (woc).

Familie Vater, Mutter, Kinder sind enger zusammengerückt, zwangsweise. Dadurch verbringen sie viel Zeit miteinander und können sie zum Beispiel zum gemeinsamen Spielen und Essen, Wandern und Spazieren nutzen, zum Lesen und Vorlesen.  (vk)

Mal schnell einen Happen essen gehen? Das war zu Beginn der Krise gar nicht drin, und auch jetzt ist mitunter viel Geduld gefragt. Foto: Roland Morgen

Garten und Muße Die Corona-Krise hat den Menschen mehr Zeit gelassen für das Wesentliche – für Gartenarbeit. Marita Schmidgen von der Trierer Gärtnerei Schmidgen sagt: „Wir haben 50 Prozent mehr Nutzpflanzen verkauft. Viele haben gesagt: Ich kann schon nicht in Urlaub fahren, dann müssen wir es uns zu Hause schön machen.“ Viele Hochbeete seien gebaut worden. Doch hätten einige Kunden die Pflanzen sehr früh gekauft. Schmidgen fragt sich, ob diese die Kälte alle überstanden haben. Und noch eins hat die Gärtnerin festgestellt: „Die Hektik ist raus. Auch wenn die Leute jetzt mal warten müssen, es gibt kein Geknatsche. Sie haben gelernt, geduldig zu sein.“ (mai)