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Die Lage in Triers Partnerstädten hat sich nach dem Lockdown wegen der Corona-Pandemie beruhigt.

Corona-Pandemie : Die Ruhe nach dem Lockdown

Nachdem im März in fast allen Trierer Partnerstädten eine Ausgangssperre galt, hat sich die Lage inzwischen wieder beruhigt. Am heftigsten hat es wohl Triers amerikanische Freunde aus Forth Worth in Texas getroffen.

Die Corona-Pandemie hat die Welt im Griff. Trier ist dabei bislang vergleichsweise glimpflich davongekommen. Die Sicherheitsbestimmungen beeinträchtigen dennoch das öffentliche und private Leben. Wie sieht es in Triers Partnerstädten aus? Im März hatte es in nahezu allen Städten eine Ausgangssperre gegeben (TV vom 28./29. März). Der TV hat nachgefragt, wie sich die Lage inzwischen entwickelt hat.

Nagaoka, Japan

„In Nagaoka ist die Situation sehr ruhig. Die Gegend ist nicht stark belastet“, sagt Johann Aubart von der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Trier. Laut nippon.com gab es in der Präfektur Niigata, in der Nagaoka liegt, seit Beginn der Pandemie nur rund 120 Corona-Fälle bei rund 267 000 Einwohnern. „In Tokio ist es natürlich schlimmer“, sagt Aubart.

In ganz Japan waren es laut der Weltgesundheits-Organisation WHO rund 67 000 Fälle. Nachdem die Kurve stark abgeflacht war, ist sie im August wieder stark gestiegen. Die Kurve der Todesraten ist allerdings sehr flach geblieben, was fast ein weltweites Phänomen ist. „Die Menschen in Nagaoka sind sehr vorsichtig und tragen sogar im Büro eine Maske.“

An Ostern wollten eigentlich 20 Schüler des Max-Planck-Gymnasiums mit der Gesellschaft nach Japan reisen, aber die Reise wurde abgesagt. Auch andere Reisen nach Japan liegen auf Eis. In Nagaoka gibt es jeden August die „Nagaoka Festival Grand Fireworks Show“, eines der schönsten Feuerwerke in Japan. Mehr als eine Million Besucher kamen laut japantimes.co.jp im vergangenen Jahr. Auch dieses Event wurde gerade abgesagt.

Ascoli Piceno, Italien

„In Ascoli Piceno ist laut dem Bürgermeister die Situation unaufgeregt“, sagt Bettina von Engel, von der Ascoli-Piceno-Trier-Gesellschaft. In ganz Italien gab es bislang rund 267 000 Fälle, doch „Ascoli Piceno befindet sich in einer glücklichen Lage: wenig Infizierte, keine Toten“, sagt von Engel. Es gebe eine hohe Disziplin unter der Bevölkerung mit 47 500 Menschen. Sie hielten Abstand voneinander. „Die Menschen sind am Meer und entdecken die Schönheit der Landschaft neu. Die wirtschaftliche Lage sei wie überall: eher bescheiden. „Es gibt zu wenig Touristen, zu wenig Käufer, aber keine Proteste“, sagt von Engel. „Die Stimmung ist nicht schlecht.“

Herzogenbusch, Niederlande

In der 154 000-Einwohner-Stadt Herzogenbusch gibt es seit einiger Zeit nur noch wenige Infizierte, sagt Theo Gimmler von der Gesellschaft Herzogenbusch-Trier. Landesweit waren es bislang 70 000 Fälle. Im März waren die Krankenhäuser noch überfüllt, nun hätten sie genügend freie Kapazitäten, so Gimmler.

In öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es eine Maskenpflicht, nicht aber in Geschäften. In Restaurants müssen sich Gäste vorher anmelden und ihre Kontaktdaten hinterlegen. Größere Veranstaltungen gibt es nur wenige derzeit, darunter das Liedertafelfestival in den Brabanthallen. Dort darf das Publikum aber nicht mitsingen. „Der Faschingsauftakt am 11. November wurde abgesagt. Über den Karneval im kommenden Jahr ist noch keine Entscheidung getroffen“, sagt Gimmler.

Metz, Frankreich

In Metz sind die Anti-Corona-Maßnahmen seit dem Ende des Lockdown am 11. Mai weniger strikt, sagt Hans Frommer von der Gloucester-Metz-Trier Gesellschaft. Dennoch gibt es in der 116 000-Einwohner-Stadt weiterhin Hygieneschutzvorschriften zu beachten. In geschlossenen Räumen müssen die Menschen eine Maske tragen, auf der Straße jedoch nicht, wie es in Städten wie Marseille oder Nizza vorgeschrieben ist. Stadtführungen sind auf zehn Personen begrenzt und die Teilnehmer müssen sich vorher online anmelden. „Im Allgemeinen werden die Vorschriften von den Lothringern gewissenhaft beachtet“, sagt Frommer.

257 000 Corona-Fälle gab es bislang in ganz Frankreich. Als die Kapazitäten der Krankenhäuser in Metz erschöpft waren, wurden Patienten von dort auch in Trier versorgt. Mittlerweile hat sich die Situation entspannt und das öffentliche Leben normalisiert.

Xiamen, China

„In Xiamen ist die Situation nur wenig angespannt“, sagt Elisa Limbacher, die mit Christian Millen im Trierer Rathaus für die Internationalen Beziehungen zuständig ist. „Meine Kollegin vor Ort berichtete mir, dass das öffentliche Leben in der 3,5-Millionen-Einwohner-Stadt fast wieder normal läuft.“ Selbst das Tragen einer Maske sei keine generelle Pflicht mehr. Vereinzelt würde in manchen Situationen noch Fieber gemessen, aber ansonsten gehe alles wieder seinen gewohnten Gang.

90 000 Fälle hat China an die WHO gemeldet. Aktuell gibt es zwar noch regelmäßig neue Infektionen, die stünden jedoch alle mit aus dem Ausland eintreffenden Flügen in Zusammenhang, berichten Limbachers Quellen. Xiamen hat einen internationalen Flughafen.

Fort Worth, USA

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind sehr stark von der Corona-Pandemie betroffen. Mehr als fünfeinhalb Millionen Menschen waren bislang infiziert. In Triers Partnerstadt Fort Worth in Texas gab es unter rund 909 000 Einwohnern rund 18 500 Fälle.

Fort Worth hat es nicht so schlimm erwischt wie andere Städte in den USA. Vieles ist wieder geöffnet. Die Stadt wirbt auf ihrer Webseite mit 200 Terrassen-Restaurants, Museen, dem Botanischen Garten, Wanderwegen und einem Besuch im Zoo.

Für viele Bar-Betreiber ist die Lage allerdings dramatisch, wie die örtliche Zeitung Star Telegram berichtet. Nachdem der Gouverneur Greg Abbott im Mai erlaubte, dass Bars mit begrenzten Kapazitäten wieder öffnen dürfen, schloss er sie Ende Juni erneut. Seit rund fünf Monaten haben sie nun geschlossen. Viele stehen vor dem Aus oder mussten schließen.

In der Stadt gibt es Essensausgaben für Bedürftige. Viele reiche Menschen spendeten für Arme, sagt Christian Millen, zuständig für internationale Beziehungen im Trierer Rathaus. Eine Maskenpflicht besteht ähnlich wie in Deutschland, etwa wenn man ein Restaurant betritt.

Gloucester, Vereinigtes Königreich

„Die Restriktionen in Großbritannien werden nach und nach gelockert. Geschäfte, Friseure, Fitnessstudios und Schwimmbäder sind mittlerweile wieder landesweit weitgehend geöffnet. Die Schulen folgen im September für alle Kinder“, sagt Emma Wild, stellvertretende Kommunikations-Leiterin der Grafschaftsverwaltung von Gloucestershire. Im Vereinigten Königreich gab es bislang rund 333 000 Fälle, in Gloucestershire waren es laut Christian Millen aus dem Trierer Rathaus weniger als 2000 Fälle.

Rund 130 000 Menschen leben in Gloucester. „Es gibt strenge Richtlinien, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten“, sagt Wild, darunter das Tragen von Gesichtsbedeckungen an vielen öffentlichen Orten wie bei Friseuren. „Gloucester folgt wie jeder andere Ort den nationalen Richtlinien. Die Fälle in der Stadt sind nach wie vor gering, und wir hoffen, dass die Bemühungen aller dazu beitragen werden, dass dies auch so bleibt“, sagt Wild.

Pula, Kroatien

In Kroatien gab es bislang sehr wenige Corona-Fälle, weniger als 10 000. Auch in der 57 000-Einwohner-Stadt Pula sieht es nicht schlecht aus. Nataša Tadic war gerade mit ihrer Familie dort im Urlaub. „Pula hält sich relativ gut, es gibt wenige Fälle“, sagt sie. Die Menschen hielten Abstand, an den Stränden sei viel Platz. Die Lage in der Stadt sei ähnlich wie in Deutschland. Etwas anders sei es in Dalmatien, das als Party-Region gilt. In Istrien hingegen, wo Pula liegt, sei es ruhig.

Monika Andelic von der Pula-Trier-Gesellschaft sagt, die Regeln seien ähnlich wie in Trier. „Momentan läuft der Betrieb in allen Bereichen. Der Tourismus in Pula ist besser als erwartet und im September startet die Schule wieder.“ Sogar das berühmte Pula-Filmfestival ist gerade mit begrenzten Plätzen gestartet.