Die leuchtenden Mädchen müssen weg: Keine Bordellwerbung am Moselstadion

Die leuchtenden Mädchen müssen weg: Keine Bordellwerbung am Moselstadion

Kaum bekleidete Damen auf der großen elektronischen Werbetafel am Moselufer? Das ist bald vorbei, denn das Verbot von Bordellwerbung gilt auch am Moselstadion. Die Stadt greift hart durch, die Eintracht verliert einen Werbepartner.



Im Radius von 500 Metern um Schulen, Kitas, Jugendzentren und auch Sportstätten ist Bordell- und Rotlichtwerbung verboten und muss innerhalb der nächsten beiden Monate verschwinden. Dieser Vorstoß von Ordnungsdezernent Thomas Schmitt (CDU) ist erst wenige Tage alt, sorgt aber bereits für Bewegung in Trier. Denn eines der größten Bordelle wirbt bis jetzt auch auf und neben Triers größtem Sportzentrum - dem Moselstadion, in dem auch Kinder und Jugendliche spielen und trainieren.

Das Verbot: Dezernent Schmitt hat die neuen Regeln Anfang der Woche präsentiert. Er beruft sich dabei auf ein im neuen Prostituiertenschutzgesetz verankertes Werbeverbot aus Jugendschutzgründen (der TV berichtete am 24. Oktober). Der Radius von 500 Metern um jeden Ort, an dem Kinder und Jugendliche zusammenkommen, lässt abgesehen vom Stadtwald praktisch keine Werbeflächen für Rotlichtbetriebe übrig. Das ist wohl auch der Plan. Bordellwerbung ist zwar rechtlich gesehen nicht generell verboten, doch die massive Präsenz übergroßer Bilder leicht bekleideter Damen im Stadtbild regt seit Jahren viele Menschen auf.

Die Reaktionen: Viele Leser haben auf den Artikel vom 24. Oktober auf Facebook und per Mail reagiert. Brigitte Nehmzow aus Trier ärgert sich vor allem über die mobile Werbung auf bedruckten Autos. "Wo hat man sie nicht überall gesehen, zum Beispiel an der Porta Nigra nahe dem Haltepunkt der Bimmelbahn, am Hauptfriedhof und in der Weberbach." Das Verbot dürfe nur der erste Schritt sein. "Der zweite Schritt, die Kontrolle, muss auf den Fuß folgen." Die Betriebe werden angeschrieben und haben dann zwei Wochen Zeit, ihre Autos wegzufahren.
Ulrike Lieser aus Trier, Mutter von drei Kindern, spielt den Ball schließlich zum Moselstadion und damit zur Eintracht. Der Club Pearls im Industriegebiet Trier-Nord macht im Stadion Bandenwerbung und nutzt auch die große LED-Werbetafel direkt an der Zurmaiener Straße. "Hier gerate ich als Mutter regelmäßig in Erklärungsnot und weiß schon nicht mehr, was ich noch sagen soll und wie ich die ganzen Bordellwerbungen erklären könnte."

Das Moselstadion: Triers Ordnungsdezernent muss nicht lange überlegen. "Das Moselstadion ist ein Zentrum des Jugendsports. Im Umkreis von 500 Metern um das Stadion herum ist Bordellwerbung verboten", sagt Thomas Schmitt. Die Eintracht werde entsprechend informiert, kündigt Schmitt an. "Das Verbot gilt auch für die LED-Tafel am Moselufer." Der Fußball-Oberligist Oberligist Eintracht Trier hat den Bau der Wand auf dem Gelände des Moselstadions finanziert und kassiert die Pachteinnahmen.

Die Eintracht: Geschäftsführer Torge Hollmann klingt nicht unbedingt erfreut. "Wir wurden am Dienstag von der Stadt telefonisch kontaktiert und über das geplante Vorgehen informiert", sagt er auf Anfrage des TV. "Das Moselstadion fällt laut Stadt grundsätzlich auch unter den zu regelnden Bereich. Die rechtliche Situation ist aber noch nicht klar. Wir werden das in Ruhe prüfen."
Bis zum Ergebnis dieser Prüfung läuft die Pearls-Werbung weiter. "Wir sehen erst mal keinen Anlass, kurzfristig reagieren zu müssen. Im Stadion haben wir auf der Bande nur den reinen Schriftzug des betroffenen Unternehmens. Den einfach so zu entfernen, wäre ungerecht dem Werbepartner gegenüber, mit dem wir auch erst mal darüber sprechen werden."

Die Politik: Das Verbot der Rotlichtwerbung ist ein Beschluss des Stadtvorstands, die Zustimmung der Ratsfraktionen ist rechtlich nicht notwendig. Sie kommt trotzdem. In einer Sitzung des Dezernatsausschusses III unter dem Vorsitz von Thomas Schmitt unterstützen am Dienstagabend CDU, SPD, UBT, AfD, Grüne und Linke die neuen Regeln. Manchen gehen sie noch nicht weit genug. Mitglieder des Ausschusses regen an, auch die Routen aller Schulbusse innerhalb des Trierer Stadtgebiets und das Umfeld aller kirchlichen Einrichtungen von Rotlichtwerbung zu befreien. Wobei sich die Frage stellt, ob ein solcher Schritt überhaupt notwendig ist und der 500-Meter-Radius um alle Schulen, Kitas, Sportplätze und Jugendzentren überhaupt noch weitere Verbotszonen übrig lässt. Die Reaktion des Dezernenten: "Wir werden jetzt zuerst einmal das Verbot der Bordellwerbung auf der Basis des Jugendschutzes durchsetzen. Dann sehen wir weiter."

Info: Früher Kontakt mit Sex-Inhalten

Kinder und Jugendliche werden sehr früh über Online-Kanäle mit "sexuell expliziten" Inhalten konfrontiert. Das bestätigt eine repräsentative Befragung der Universitäten Münster und Hohenheim in Stuttgart. Fast die Hälfte der 1048 befragten 14- bis 20-Jährigen gibt an, "Hardcore-Pornografie" gesehen zu haben. Bei der jüngsten Teilgruppe, den 14- und 15-Jährigen, ist es ein Drittel.

Das von den Kindern und Jugendlichen angegebene durchschnittliche Alter, in dem sie erstmalig Kontakt mit "sexuell expliziten" Medieninhalten haben, liegt bei 14,2 Jahren. Der Zugang erfolgte zu 70 Prozent über Laptop, Computer oder Smartphone. In 40 Prozent der Fälle sind die Jugendlichen nicht allein, wenn sie das erste Mal pornografische Bilder oder Filme sehen, sondern sie tun dies mit Freunden. Im Alter zwischen 14 und 15 Jahren gilt dies sogar in 60 Prozent der Fälle. Nur bei der Hälfte aller Jugendlichen ist der Erstkontakt gewollt. ."Die Ergebnisse legen nahe, dass Kinder und Jugendliche mit etwas konfrontiert werden, was sie weder sehen wollen noch richtig verstehen", sagt Professor Thorsten Quandt vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster.

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