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„Die Leute sind empört über diese Art der Kontrollen“

„Die Leute sind empört über diese Art der Kontrollen“

Viele Autofahrer machen ihrem Unmut über die Trierer Blitzer in sozialen Netzwerken Luft. Gerd Martin aus Konz lehnt Tempokontrollen nicht grundsätzlich ab, findet die Praxis der Stadt aber deutlich übertrieben.

"Die wollen doch nur die Stadtkasse füllen" - "Die sollen sich um Wichtigeres kümmern" - "Weglagerei": Beschwerden über Radarkontrollen sind altbekannt. Das Neue in Trier ist, dass die Stadt die Zuständigkeit auf ihren Wunsch hin von der Polizei übernommen und die Kontrollen intensiviert hat. Das bekamen besonders Vielfahrer wie Gerd Martin aus Konz zu spüren, der pro Monat 4000 Kilometer abspult. "Die Empörung von mir und vielen anderen richtet sich nicht allgemein gegen die Überwachung des Verkehrs. An Unfallschwerpunkten ist das in Ordnung", sagt Martin. "Aber wenn der Blitzer nachts in den Hecken zwischen Zewen und Trier steht, ist diese Art der Kontrolle reine Abzocke."

Tempolimit 50 oder 70

Fahrbahnen wie in der Zurmaiener Straße oder auf der Konrad-Adenauer-Brücke gäben es her, schneller als Tempo 50 zu fahren. Man zwinge aber die Fahrer, das Limit immer und überall einzuhalten. In der Luxemburger Straße etwa wechsele das Limit von 50 auf 70 und wieder zurück. Folge ist laut Martin nicht mehr, sondern weniger Sicherheit: "Fahrer sind die ganze Zeit damit beschäftigt, auf Schilder und Tacho zu schauen. Alles andere auf der Straße wird zur Nebensache. Da könnte zum Beispiel ein Fußgänger oder Radfahrer übersehen werden."

Messwagen im Parkverbot

Der Vielfahrer verweist zudem auf den Umweltaspekt (erhöhter Spritverbrauch und Lärm durch bremsen, Gas geben, bremsen). Beschwerden erreichen die TV-Redaktion auch über Radarmesswagen, die im Parkverbot oder auf Grünstreifen stehen, um von dort aus zu blitzen. Die Stadtverwaltung verweist dazu auf Sonderrechte der Verkehrsüberwachung. Zwar dürfe dies "in keinem Fall zur Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer führen". Aber bei der genauen Platzierung des Messwagens müsse zum Beispiel die Sicherheit der Mitarbeiter berücksichtigt werden, die "in unmittelbarer Nähe des fließenden Verkehrs besonderen Gefahren ausgesetzt sind". Weiter heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung: "Je nach Witterung oder Lage der Messstelle erfolgen die Messungen auch direkt aus den Fahrzeugen heraus, was deren Abstellen in direkter Nähe zur Fahrbahn erfordert." Konkret geht es zum Beispiel um eine Sperrfläche bei einer Kirche in Trier-Biewer. Die Verwaltung erklärt: "Nur so sind wir in der Lage, diese Messstelle direkt an einem Fußgängerüberweg in unmittelbarer Nähe zu dem dortigen Kindergarten zu überwachen." cusMeinung (Marcus Hormes)

Den Bogen nicht überspannen

Ärger und Kritik von Auto-, Motorrad- und LKW-Fahrern wegen Radarkontrollen wird es immer geben. Das liegt in der Natur der Sache. Geblitzt zu werden, vielleicht sofort angehalten zu werden (was die städtischen Mitarbeiter im Gegensatz zur Polizei nicht tun) oder ein Knöllchen per Post zu bekommen, gefällt niemandem. Es soll unangenehm sein. Es soll (finanziell) wehtun und einen Lerneffekt haben. Nach fast einem halben Jahr kommunalem Blitzen in Trier hat sich die erste Aufregung gelegt. Die Zwischenbilanz bringt nur scheinbar widersprüchliche Ergebnisse. Gefühlt wird in Trier allgemein etwas langsamer gefahren. Damit wäre der erwünschte Effekt erreicht. Die Zahl der geblitzten Fahrer pro Woche oder Monat nimmt aber nicht ab. Das könnte daran liegen, dass das Ordnungsamt zwischendurch neue Messstellen dazunimmt, um auch dort Wirkung zu erzielen. Und daran, dass in Richtung Sommer mehr Touristen durch die Stadt fahren, die - anders als Menschen aus Trier und Umland - auf die hohe Blitzerdichte in der Stadt nicht gefasst sind.

Die Blitzer stehen nachweislich meist in Straßen, in denen viele Unfälle passieren oder Schulen und Kindergärten sind. Zusätzliche Standorte bestimmt die Verwaltung nach Auswertung von Zählgeräten (die nur das Tempo messen, ohne zu blitzen) und Rücksprache mit der Polizei. Bleibt noch die Frage nach dem Sinn eines bestimmten Tempolimits auf einer bestimmten Strecke. Es wäre in der Tat sinnvoll, die bestehenden Geschwindigkeitsbeschränkungen nach objektiven Kriterien daraufhin zu untersuchen, ob sie wirklich notwendig sind. Die Bereitschaft zur Einhaltung von Vorschriften hängt nämlich auch damit zusammen, ob die Bürger sie nachvollziehen können. Da sollte der Stadtrat den Bogen nicht überspannen - etwa bei Bestrebungen, Tempo 30 auf möglichst viele Straßen auszuweiten. Man kann eben alles übertreiben. Ähnlich verhält es sich mit dem Abstellen des Radarmesswagens auf Parkverbotsflächen. Verständlich, dass sich Bürger provoziert fühlen, wenn sich Behörden solche Sonderrechte herausnehmen. Vermeiden lässt es sich wohl nicht immer, aber die Stadt sollte das auf Ausnahmefälle beschränken und dann auch offensiv kommunizieren. Für Fahrer bleibt die schlichte Devise: Limits einhalten, dann gibt's auch keine Knöllchen. m.hormes@volksfreund.de