Die Mahlendorfer klären das unter sich

Ralingen · Zusammen klärt es sich günstiger als allein. Dies haben sich mehrere Hausbesitzer in Ralingen-Mahlendorf gedacht. Anstatt das Abwasser in einer weit entfernten Kläranlage reinigen zu lassen, haben sie eine eigene Anlage gebaut - innerhalb weniger Wochen. Und die Allgemeinheit hat auch noch etwas davon.

Ralingen. Der Arm der EU-Kommission reicht bis nach Mahlendorf. Zwar wird wohl niemand bei der europäischen Behörde genau sagen können, wo der Ralinger Ortsteil liegt. Das wissen auch sicher viele Einheimische nicht. Doch das ändert nichts. Auch in Mahlendorf gilt die EU-Wasserrahmenrichtlinie. Und die schreibt vor, dass ab Ende 2015 auch Kleinkläranlagen mit einer biologischen Reinigungsstufe versehen werden.
Zigmillionen investiert


Die Richtlinie gilt nicht nur in Mahlendorf, sondern genauso in Schweich, Schleich, Sommerau und dem Rest der EU. In anderen Ländern ist man nicht ganz so weit mit den Vorbereitungen auf die Wasserrahmenrichtlinie. So muss das benachbarte Luxemburg unter anderem täglich 2800 Euro Straße zahlen, weil das Großherzogtum bei der Abwasserbeseitigung noch viele Hausaufgaben zu erledigen hat. Unter anderem fließt das Abwasser von Grevenmacher, Mertert und Wasserbillig ungeklärt in die Mosel. Dort arbeitet man an einer Anlage, die 101 Millionen Euro kosten soll (der TV berichtete).
Gerade bei den großen Orten ist man da in Deutschland schon weiter. In den vergangenen Jahren sind für zigmillionen Euro neue Kläranlagen errichtet oder nachgerüstet worden, wurden kilometerlange Leitungen gebaut. Die neue Verbindungsleitung aus dem Raum Aach, Newel und Ralingen-Kersch, Ralingen-Frankenhöhe kostet beispielsweise rund 1,5 Millionen Euro. Im Vergleich günstig mit 350 000 Euro wäre der Anschluss von Mahlendorf an die Kläranlage Rosport gekommen. Für weniger als ein Dutzend Haushalte ist das trotzdem noch eine Menge Geld.
Alfred Wirtz stammt aus Mahlendorf und betreibt dort eine Schreinerei. Da der Anschluss der Mahlendorfer Häuser an die Anlage Rosport nicht kam, standen die Bürger vor der Frage, was sie tun sollen. "Es hätte wohl bis zu 12 000 Euro gekostet, wenn jeder Haushalt für sich die bestehenden Kleinkläranlagen modernisiert oder neu gebaut hätte." Stattdessen steckten die Mahldorfer auf Initiative von Bernhard Wagner die Köpfe zusammen. Herausgekommen ist eine gemeinsame vollbiologische Wirbel-Schwebebett-Anlage, die das Abwasser von fünf Häusern nach allen Regeln der Kunst klärt (siehe Extra). Weitere Hauseigentümer machten bei der Anlage nicht mit, da sie bereits über modernere Einzelanlagen verfügten.
Die Verbandsgemeindewerke Trier-Land haben von Anfang an die Überlegungen der Mahlendorfer begleitet. "Wir sind gut beraten worden", sagt Alfred Wirtz. Und die Mahlendorfer haben auch gut mit angepackt, um den notwendigen Kanal zu ziehen, der unweit der Landesstraße zwischen Olk und Ralingen in der unterirdischen Kläranlage mündet. Von dort aus gelangt das gereinigte Wasser über den Mühlenbach in die Sauer. Die kompletten Bauarbeiten haben nur wenige Wochen gedauert.
Günstiger als eigene Anlage


Das Engagement der Mahlendorfer lohnt sich auch finanziell. Auf rund 7000 Euro schätzt Wirtz die Kosten pro Haushalt. Weitere 200 Euro jährlich sind für Wartung, Kontrolle und Abfuhr des Klärschlamms pro Jahr und Haus fällig. Hätte jedes Haus für sich selbst geklärt, würden laut Wirtz wohl rund 1000 Euro jährlich fällig.
Die gemeinsame Anlage ist zwar für die Hauseigentümer unterm Strich günstiger. Sie erfordert jedoch auch ein erhöhtes Maß an Verantwortung. "Denn wenn man beispielsweise Farbreste in den Ausguss kippt, kann die Anlage das nicht verkraften", sagt Wirtz. "So etwas diszipliniert jeden Einzelnen."

Extra

Sauberes Wasser: Mehr als eine halbe Million Grundeigentümer in Deutschland müssen ihre Kleinkläranlagen für Tausende von Euro nachrüsten oder vorhandene Systeme ersetzen. Denn die Anlagen müssen die technischen Standards der 2015 in Kraft tretenden europäischen Wasserrahmenrichtlinie erfüllen. In der Verbandsgemeinde Trier-Land sind 326 Grundstücke betroffen, für die eine den Vorgaben entsprechende Abwasserbehandlung geschaffen werden muss. Es sollen 180 biologische Kleinkläranlagen entstehen, von denen bereits 105 in Betrieb sind. Von geplanten 146 geschlossenen Sammelgruben sind 105 fertig. Das Land fördert neue Anlagen. Jüngst hat der zuständige Staatssekretär Thomas Griese rund 398 000 Euro Landeszuschüsse für Anlagen an die VG Trier-Land überreicht. Bauherren können mit bis zu 3200 Euro Zuschuss für eine neue Anlage rechnen. Informationen dazu gibt es bei den zuständigen Abwasserwerken der Verbandsgemeinde. har