Die Mosel wird zum Kino-Star

Wie ein Aussichtspunkt in Leiwen, ein Friedhofspark in Föhren und ein Dorfplatz in Longen von erneuerbaren Energien profitieren.

Leiwen/Föhren/Longen Hans Eggensberger und Theo Neumüller sind passionierte Wanderer. In jüngeren Jahren sind sie meist in den Alpen gekraxelt, heute, mit über 60, gehen sie es gemütlicher an und durchstreifen Deutschlands schönste Steige. Diese Woche sind die beiden Wanderfreunde an der Mosel unterwegs, sie haben sich sechs Etappen des Moselsteigs von Trier bis Bernkastel-Kues vorgenommen.
Heute steht der Abschnitt von Leiwen nach Neumagen-Dhron an. Der erste Anstieg führt sie entlang des Schantelbachs und vorbei an Weinbergen auf die Höhe. Oben angekommen genießen sie den fantastischen Ausblick ins Moseltal - unten liegt Leiwen, in der Ferne Köwerich und Klüsserath. Die Sicht ist so gut, man sieht bis weit in die Eifel hinein. "Ein traumhafter Ausblick", sagt Neumüller. Den Aha-Effekt, den dieser Aussichtspunkt auf die Touristen ausübt, möchte sich die Gemeinde Leiwen zunutze machen. Sie plant hier ein Projekt, das nach Aussage von Ortsbürgermeister Sascha Hermes einzigartig an der Mosel ist: ein "Landschaftskino".

Das Moselkino Laut Hermes sollen auf dem leicht abfallenden Gelände mehrere höhenversetzte Sitzreihen und zwei Relax-Liegen angebracht werden - deshalb der Name "Moselkino". Touristen sollen dort rasten und in Ruhe den schönen Ausblick genießen können. Das Mobiliar sollen die Westeifelwerke liefern. Damit die Szenerie auch wie in einem Kino wirkt, soll ein vier mal acht Meter großer "Bilderrahmen" aus Holz aufgebaut werden, durch den man auf Leiwen und das Moseltal schauen kann. Solche Landschaftskinos gibt es beispielsweise im Sauerland, in der Oberpfalz und in Südtirol.
Der Leiwener Gemeinderat hat dem rund 17 000 Euro teuren Projekt bereits zugestimmt und einen Zuschussantrag bei der Verbandsgemeinde Schweich gestellt. Diese fördert das Vorhaben mit 5000 Euro aus dem Solidarfonds erneuerbare Energien. In diesen Topf zahlen Gemeinden ein, die Pachteinnahmen aus Solar- und Windkraftanlagen haben. Mit dem Geld werden touristische Projekte in der Verbandsgemeinde Schweich gefördert.

Der Friedhofspark Auch Föhren kommt in den Genuss einer Förderung von 5000 Euro. Die Meulenwaldgemeinde plant die Umgestaltung des alten Friedhofs in einen kulturgeschichtlichen Begegnungspark. Die frühere Aufbewahrungshalle wird zu einem "Raum der Stille" umgebaut, die Geschichte des Föhrener Klosters soll auf Infotafeln dargestellt werden. Am Schwesterngräberfeld soll der Turm der ehemaligen Klosterglocke einen würdigen Platz finden. Die Klosterkapelle hatte sich in dem Trakt befunden, der zu Jahresbeginn abgerissen wurde (der TV berichtete).
Der Park mit prächtigem alten Baumbestand wird in das Wanderwegenetz eingebunden. Es soll ein Ort der Ruhe und Erholung werden. Die Umbaukosten betragen rund 60 000 Euro.

Der Dorfplatz Die Moselgemeinde Longen möchte den Brunnenplatz neben der Kapelle zum neuen Dorfmittelpunkt ausbauen. Die Platzgestaltung soll 10 000 Euro kosten, wobei die Verbandsgemeinde Schweich einen Zuschuss von 5000 Euro aus dem Solidarfonds erneuerbare Energien zugesagt hat.
Der Platz soll Startpunkt sein für Wanderer, die sich Richtung Moselsteig aufmachen. Eine Hinweistafel soll Gästen und Einheimischen Wissenswertes über den Ort und die Römische Weinstraße vermitteln.KommentarMeinung

Aus diesem Topf nascht die kommunale Familie gerne
Erfunden hat's vermutlich auch die Verbandsgemeinde Schweich nicht. Aber deren Solidarfonds erneuerbare Energien ist so gut eingeschlagen, dass er bereits einige Nachahmer in der Region gefunden hat. Das Rezept ist einfach, aber genial, weil mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Erstens: Auch Orte, die keine Windräder oder Solarparks auf ihrer Gemarkung haben, profitieren. Das bedeutet: In der kommunalen Familie kommt weniger Neid auf, und die Akzeptanz für erneuerbare Energien steigt. Zweitens: Die VG Schweich kann Fremdenverkehrsprojekte unterstützen, die sonst kaum eine Chance auf Förderung hätten. Etwa, weil sie in kein EU-Förderkonzept passen, zu klein sind für eine staatliche Förderung oder auf Jahre hinaus mit einem ungewissen Ausgang behaftet sind - wie das beispielsweise bei der Sportstättenförderung der Fall ist. Dritter Pluspunkt ist die Flexibilität: Kaum liegt ein Antrag auf dem Tisch, kann der Rat entscheiden. Es sind zwar meist kleine Beträge, aber immerhin wird der Topf Jahr für Jahr verlässlich mit 50 000 Euro gefüllt. a.follmann@volksfreund.deExtra: DER SOLIDARFONDS REGENERATIVE ENERGIEN

Blick auf den alten Friedhof in Föhren. Er wird zu einer kulturgeschichtlichen Begegnungsstätte umgestaltet. Foto: (h_tl )
Der Brunnenplatz soll zum neuen Dorfmittelpunkt der Moselgemeinde Longen ausgebaut werden. Foto: (h_tl )
Foto: (h_tl )


Seit Bestehen des Solidarfonds regenerative Energien im Jahr 2010 hat die Verbandsgemeinde (VG) Schweich 275 000 Euro ausgeschüttet. Die Förderung gibt es ausschließlich für Investitionen, die touristischen Zwecken dienen. Die Gemeinden speisen den Fördertopf aus ihren Grundstücks-Pachterlösen für Anlagen, in denen Strom aus regenerativen Energien gewonnen wird. 15 Prozent der Einnahmen gehen an die VG. So kommen alljährlich rund 95 000 Euro zusammen. Davon werden 50 000 Euro abgezweigt als Investitionszuschuss für die Gemeinden, 45 000 Euro steckt die VG in ihren Haushalt, um damit die Verbandsgemeinde-Umlage zu senken. Weil die Gemeinden diese Umlage zahlen müssen, profitieren sie indirekt also auch von der Einlage in den Etat. Seit 2010 wurden 23 Projekte bezuschusst. Größere Maßnahmen waren die Erschließung der Freizeitsee-Anlage Triolago, die DSL-Versorgung der Gemeinden an der unteren Mosel und der Neubau des Besucherzentrums am Besucherbergwerk Fell. Weiterhin gefördert wurden der Skaterpark Schweich, der Mehrgenerationenpark Longuich und der Umweltbildungspavillon Meulenwald. Haupteinzahler ist die Gemeinde Mehring, wo es vier Solarparks und zehn Windräder gibt.