"Die Nachfrage wird bleiben"

Johannes Weinand, Leiter des Trie rer Amts für Stadtentwicklung und Statistik, ist überzeugt davon, dass in Trier noch viel zu wenig gebaut wird.

Trier. Nach Berechnungen der Stadtverwaltung müssten in Trier pro Jahr 550 Wohnungen neu gebaut werden, um die Nachfrage langfristig stillen zu können. Nicht nur in der Vergangenheit, auch noch im vorigen Jahr ist dieser Wert trotz aller Anstrengungen allerdings nicht erreicht worden (siehe Haupttext oben). Dass die Nachfrage nach Wohnraum in Trier auch in Zukunft weiter das Angebot übersteige, ist für Johannes Weinand, Leiter des Trierer Amts für Stadtentwicklung und Statistik, daher sicher: "In Trier gibt es eine Knappheit an Wohnraum, verbunden mit steigenden Wohnungs- und Mietpreisen", sagt Weinand. "Wie vor diesem Hintergrund von einer Immobilienblase gesprochen werden kann, ist nicht nachzuvollziehen."
Auf die Frage, ob Käufer sich in diesem Zusammenhang sicher sein können, dass ihr Geld gut angelegt ist, gebe es keine generelle Antwort, sagt Weinand. "Sicherheit und Ausmaß der Rentabilität einzelner Investitionsentscheidungen hängen von vielen unterschiedlichen Faktoren ab, unter anderem von der Lage des Neubaus, dem Ausstattungsstandard, den Finanzierungskonditionen und der Vermarktungsstrategie."
Ohnehin bezeichne der Begriff Immobilienblase nicht eine Überproduktion von Wohnungen im Vergleich zur Nachfrageentwicklung. "Eine Immobilienblase ist eine Preisblase, bei der Investoren glauben, dass der Kaufpreis heute deshalb hoch liegt, weil der Verkaufspreis morgen voraussichtlich noch höher liegen wird, und bei der die sich aus dieser Annahme ergebende Preissteigerung durch keinerlei fundamentale Faktoren gerechtfertigt ist", erklärt der Statistik-Experte der Stadtverwaltung. Immobilien, die eigentlich als zu teuer erachtet werden, würden nach dieser Annahme trotzdem akzeptabel erscheinen, weil die Investoren eben mit einem weiteren, späteren Preisanstieg rechnen würden. Beitragen zu einer Preisblase könne auch eine Paniktendenz: Aus Angst, sich es wegen der angenommenen Preissteigerung in einigen Jahren nicht mehr leisten zu können, entschließen sich Käufer zum Erwerb von Wohneigentum. "Eine Immobilienblase ist also weniger ein Mengenproblem als vielmehr eine Preissteigerung aufgrund falscher Renditeerwartungen", sagt Weinand. woc