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Die neue Bettensteuer steht in der Kritik — nicht nur bei Artur Friedrich, sondern auch bei anderen Trierer Hotelchefs.

Konflikt : Stress im Hotelbett: Streit um neue Trierer Steuer geht weiter

Die neue Bettensteuer steht in der Kritik — nicht nur bei Artur Friedrich, sondern auch bei anderen Trierer Hotelchefs. Ein Türschild löst Verwirrung aus, weil es auf Renovierungsarbeiten verweist, die es gar nicht gibt.

„Unser Haus ist vorübergehend bis zum 31. März wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.“ Dieses Schild hängt an der Eingangstür des Altstadthotels neben der Porta Nigra. Der Hinweis auf Renovierungsarbeiten in dem seit Jahresbeginn geschlossenen Hotel hat eine heiße Diskussion ausgelöst. Inhaber und Geschäftsführer Artur Friedrich (83) erntete jede Menge Kritik, denn er selbst hat die Schließung völlig anders begründet: Der massive Rückgang der Reservierungen für das Jahr 2018 habe ihn  bewogen, das Haus vorerst zu schließen — und die Hauptursache dieses Rückgangs sei die Bettensteuer (der TV berichtete am 9. Januar).

Warum also verweist ein Schild auf Renovierungsarbeiten? Artur Friedrich, der auch das Hotel Römischer Kaiser direkt neben dem Altstadthotel führt und zu den größten Immobilienbesitzern Triers zählt, stellt sich den Fragen des TV.

„Es werden zurzeit keine Renovierungsarbeiten durchgeführt“, teilt Friedrich schriftlich mit. „Das Altstadthotel bleibt bis auf weiteres geschlossen. Da wir die weitere Entwicklung abwarten wollen, haben wir das Schild angebracht.“ Damit sagt er: Die Botschaft auf dem Schild ist falsch und nennt nicht den wahren Grund der Schließung.

Der Unternehmer hält seine Vorwürfe aufrecht: Die Bettensteuer sei die Ursache eines drastischen Rückgangs der privaten Reservierungen für das Jahr 2018. „Die Buchungen der privaten Gäste sind weiter über 50 Prozent rückläufig. Hier spielen die Buchungsportale und die Reiseveranstalter eine entscheidende Rolle.“

Eine Schließung des Hotels Römischer Kaiser sei allerdings nicht geplant, sagt Friedrich. „Zurzeit sieht es so aus, dass wir die beruflichen Übernachtungen alle im Römischen Kaiser unterbringen können.“

Die Bettensteuer gilt seit dem 1. Januar. Jeder Gast, der in Trier eine Übernachtung aus privaten Gründen bucht, zahlt seitdem einen Aufschlag von 3,5 Prozent auf den Preis für eine Nacht, maximal werden sieben Nächte berechnet. Wer beruflich unterwegs ist und im Rahmen einer Dienstreise in Trier übernachtet, ist von der Bettensteuer befreit.

Artur Friedrich hat bereits mehrmals betont, dass diese 3,5 Prozent zu einem dreistelligen Betrag werden können, wenn die Gäste als Reisegruppe nach Trier kommen. Ein aus Sicht anderer Hoteliers nachvollziehbares Argument? „Durchaus“, sagt Andrea Weber, die Chefin des Hotels Deutscher Hof in der Südallee. „Das ist ein sehr preissensibler Markt, diese Leute rechnen sehr spitz“. Es sei jedoch ihrer Ansicht nach noch viel zu früh für eine erste Bilanz. „Wir werden erst  in drei bis vier Monaten wissen, ob die Bettensteuer sich negativ auf die Umsätze auswirkt.“

In ihrem Hotel habe es bisher noch keine negative Resonanz privater Übernachtungsgäste gegeben. Aber ein anderes Thema mache ihr Sorgen, sagt Weber. „Und zwar der enorme Erfassungsaufwand.“

Jeder Gast müsse befragt werden, ob er dienstlich oder privat unterwegs ist. Beruflich bedingte Übernachtungen müssen mit einem Schreiben der Firma oder zumindest deren Adresse belegt werden. „Denn wir müssen später gegenüber der Stadt Trier unsere Abrechnungen natürlich genau belegen“, betont die Chefin des Deutschen Hofs. Die Stadt wird die Steuer vierteljährlich veranlagen.

Das Hotel Deutscher Hof gibt die Bettensteuer an seine Gäste weiter, doch das ist keine Pflicht. Das Haus kann den Aufschlag von 3,5 Prozent auf die Übernachtung auch selbst zahlen – so macht es das Hotel Paulin in Trier-Nord. „Wir haben lange überlegt, wie wir es machen sollen“, sagt Chefin Nancy Reichert. „Aber wir können diesen Riesenaufwand, der mit der Bettensteuer zusammenhängt, nicht leisten. Deshalb zahlen wir sie vorerst selbst.“

Reichert kritisiert die neue Steuer. „Die Stadtverwaltung und der Stadtrat stellen sich das alles wesentlich einfacher vor, als es ist.“ Außerdem widerspreche die mit der Bettensteuer verbundene Befragung des Gastes gegen einen absoluten Grundsatz des Hotelgewerbes – der Diskretion. „Es gibt Gäste, die es als sehr unangenehm empfinden, genau angeben und belegen zu müssen, ob sie dienstlich oder privat unterwegs sind“, sagt Nancy Reichert.

Alexander Ambre leitet das noch relativ junge Stadthotel Ante Porta in der Paulinstraße. „Wir wenden die Bettensteuer seit dem 1. Januar an und geben sie an die Gäste weiter“, sagt er. „Beschwerden gab es bisher keine.“ Auch Ambre bestätigt den hohen Erfassungsaufwand. „Da macht die Stadt es sich sehr einfach.“ Ob die neue Abgabe die Buchungen tatsächlich negativ beeinflusst, werde erst in einigen Monaten klar sein.

Wie reagieren die  großen Hotelketten auf die Bettensteuer? Das Mercure-Hotel an der Porta-Nigra-Kreuzung gehört zur französischen Accor-Gruppe, die mit mehreren Markennamen – darunter Mercure und Ibis – in 95 Ländern vertreten ist. „Wir können heute noch keine Einschätzung abgeben, ob die Bettensteuer einen Einfluss auf das zukünftige Buchungsverhalten unserer Gäste haben wird“, sagt General Manager Anja Ahnen.

Die Stadt verteidigt ihre neue Steuer

Die Stadtverwaltung steht weiterhin hinter der Bettensteuer. „Die grundsätzliche Kritik der Hoteliers, dass es etwas mehr an Verwaltungsaufwand gibt, ist ja nicht neu“, sagt Stadt-Sprecher Michael Schmitz. „Wir haben – in Zusammenarbeit mit Hoteliers – versucht, die Abläufe so einfach wie möglich zu gestalten. Die weitaus meisten Übernachtungen sind private, die ja auch keinen dienstlichen Nachweis erbringen müssen.“

In zahlreichen anderen deutschen Städten gebe es Beherbergungssteuern, die in vielen Fällen deutlich höher seien als in Trier. „Ein massenweises Hotelsterben ist aus diesen Städten nicht bekannt. Auch in Trier wird die Bettensteuer nicht zu einem Hotelsterben führen.“ Der Tourismusstandort Trier sei weiterhin sehr gefragt.

Schmitz kritisiert Artur Friedrichs Argumentation im Zusammenhang mit dem Altstadthotel. „Wir stellen eine Diskrepanz zwischen den Äußerungen von Herrn Friedrich im TV sowie der Tatsache fest, dass er mit Aushängen an der Hoteltür von einer offenbar geplanten Schließung des Hotels zu Sanierungszwecken bis Ende März spricht. Und auf Buchungsportalen kann man nach wie vor Zimmer im Altstadt-Hotel buchen.“ Damit hat Schmitz recht, das Hotel ist auf Portalen wie www.booking.com präsent. Nur die eigene Homepage der Friedrich-Hotels verweist darauf, dass Reservierungen nur telefonisch oder per Mail, nicht aber online möglich seien.

Das Rechenbeispiel mit den Reisegruppen will der Sprecher der Stadtverwaltung Trier ebenfalls nicht gelten lassen. „Auch Reiseveranstalter können die Beherbergungssteuer doch ganz normal in ihrer Kalkulation berücksichtigen. Da sie bei allen privaten Übernachtungen anfällt, ist dadurch auch kein Reiseveranstalter gegenüber einem anderen benachteiligt.“

Die Beherbergungssteuer sei nötig, um die Einnahmen der Stadt zu verbessern, betont Michael Schmitz. „Was auch der Stadtrat in breiter Mehrheit so gesehen hat.“ Auf die rechtlich sicherste Variante, die Einnahmen zu erhöhen, habe die Stadt bisher bewusst verzichtet. „Das wäre nämlich eine Erhöhung der Gewerbesteuer.“