Die neue Mitte
Trier-Tarforst · Das erste Tarforster "Familienfest" steigt am Samstag auf dem Augustinusplatz. Da diese Adresse wenig geläufig ist, haben die Veranstalter auf die Vorderseite des dazugehörigen Flyers dann doch lieber "Einkaufszentrum" geschrieben: Denn das Fest ist auch eine Feier zum 15-jährigen Bestehen des Ladenkomplexes.
Trier-Tarforst. Norbert Kaumanns war mit seinem Blumenladen "Stein" von der ersten Stunde an dabei: "Wir haben im Juni 2000 am gleichen Tag wie der Aldi aufgemacht", erinnert er sich - und bereut nicht, aus einem Pavillon am Irscher Friedhof hergekommen zu sein: "Wir haben hier natürlich ein sehr viel größeres Einzugsgebiet", sagt er. Anders als am alten Standort sei der Kundenkontakt aber oberflächlicher: "Viele Menschen kommen nur kurz rein und bestellen, was sie dann nach dem Einkaufen abholen." Am Samstag hat nicht nur Kaumanns Gelegenheit, den Kunden und Zentrumsnachbarn auf anderer Ebene zu begegnen. Auch Klaus-Jürgen Treinen freut sich darauf, der als Gesellschafter von "Roman Wagner" Seh- und Hörhilfen verkauft. "Wir wollen den Tarforstern und unseren Kunden auch mal etwas zurückgeben", sagt er.
Inhaltlich wird der Tag von den Tarforster Vereinen und pädagogischen Einrichtungen gestaltet - und verwirklicht auch eine Anregung aus dem Stadtteilrahmenplan: die "Schaffung einer neuen Stadtteilmitte" in zentraler Lage, die "die beiden gegensätzlichen Teilbereiche (neue Wohngebiete und Altort) zusammenführen" könne. Tatsächlich ist aus dem Einkaufszentrum längst viel mehr geworden: Auf dem Areal befinden sich mittlerweile über 120 Wohnungen, die zum großen Teil von Studenten gemietet werden. Die Semesterferien kriegt Stefan Kranz jedenfalls mit, ohne in den Kalender schauen zu müssen: Er leitet seit zehn Jahren die Aldi-Filiale - verkauft aber, allen Studenten-Klischees zum Trotz, nicht hauptsächlich Nudeln und Bier: "Eher viel Milch!" Denn die vielen neuen Wohngebiete mit Familienhäusern machten sich stark bemerkbar.
Die neu platzierten Mitbewerber am Petrisberg nimmt Kranz gelassen: "Davon merken wir hier eigentlich nichts." Auch der Physiotherapeut Marc Forster, der seit 2008 Mitinhaber eines Therapiezentrums ist, hat wenig Sorgen wegen des sich verstärkenden Gewerbebetriebs in der Nachbarschaft: "Wir haben da nämlich einen zweiten Standort aufgemacht", sagt er.
Dass Konkurrenz nicht immer das Geschäft belebt, erfährt man gerade im Stadtteilzentrum "Im Treff" - das 40 Jahre lang die Rolle des lokalen Einkaufstempels inne hatte: Der Supermarkt Wasgau ist an den Petrisberg gezogen. Eine Entwicklung, die Ortsvorsteher Werner Gorges betrübt: "Das ist natürlich zunächst für die Leute vor Ort bedauerlich, die vielleicht nicht mehr so gut zu Fuß sind." Er sei mit der Inhabergesellschaft GBT in Gesprächen: "Die versuchen alles, um da einen neuen Mieter zu finden." Das sei dringend notwendig: Denn auch wenn die Händler in der Passage durch die nahe gelegene Universität immer noch Zulauf hätten, sei mit dem Supermarkt ein "Magnet" weggebrochen.
Ziemlich sorgenfrei blickt Nihat Kunduru über den Augustinusplatz, wo am Samstag das Fest steigt: Sein Restaurant läuft seit 2005 bestens, indem 160 Gerichte auf der Karte und Fußball im Fernsehen vor allem die Mitglieder der großen Sportvereine anlocken, wenn sie sich in den Hallen auf der anderen Straßenseite abgekämpft haben. Kunduru findet das Leben in der neuen Mitte ausgesprochen familiär: Seit kurzem verkauft sein Bruder Hasan nebenan selbstgemachtes Eis, Café und Gebäck.Extra
Zwischen 11 und 19 Uhr gibt es viel zu erleben: Zunächst gibt's putzige Unterhaltung durch die Kitas und die Grundschule, während am Nachmittag die Sportvereine Spektakuläres vorführen. Ab 15.45 Uhr unterhalten der Musikverein und sein Jugendorchester, außerdem legt ein DJ auf. Um 19 Uhr endet das offizielle Programm mit einer Tombola. Hauptgewinn: eine Ballonfahrt, Lose gibt's in allen Geschäften des Zentrums. Außerdem gibt's neben Torwand und Glücksrad noch viele weitere Spiele - und der Volksfreund ist auch da: mit einer Hüpfburg, Lucky, der Leseratte, und einer Sprechstunde der TV-Redaktion! fgg