Die Nöte des Dezernenten

Wenn ein Kind von Löchern in der Turnhallendecke seiner Grundschule berichtet, wenn die ältere Schwester dann von undichten Fenstern und klammen Klassenräumen in der Haupt-, Real- oder Berufsschule erzählt, wenn die Ausstattung des gymnasialen Naturwissenschafts-Raumes an Vorkriegszeiten erinnert - dann steht der Verantwortungsträger und damit der aktuelle Schuldezernent im Mittelpunkt des elterlichen Zornes.

Der Sanierungsstau kam schließlich nicht von selbst, deshalb muss jemand der Schuldige sein. Eine verständliche Reaktion - das wissen auch die politischen Mitbewerber des Christdemokraten Ulrich Holkenbrink, die gerne mit Schwung in diese Kerbe hauen. Dennoch macht es keinen Sinn, dem seit 2002 amtierenden Dezernenten eine Situation zum Vorwurf zu machen, deren Entwicklung wesentlich früher begann. Holkenbrinks Vorgänger war der Sozialdemokrat Jürgen Grabbe, der die Ratsmehrheit oft gegen sich hatte und mit manchem Antrag scheiterte. Vor ihm kam Walter Blankenburg - und dieser lebte in einer Zeit, in der kein Kommunalpolitiker sich hätte träumen lassen, wie eng die finanziellen Spielräume einmal werden würden. Unvorstellbar, dass mal kein Geld für die Schulen mehr da sein könnte. Deshalb hatten sie auch nicht die höchste Priorität - und deshalb hat Trier heute einen Sanierungsstau in astronomischer Höhe. j.pistorius@volksfreund.de

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