Viezjupp : Die Nudel

Das mit dem Abstand ist Ansichtssache. Als Autofahrer kommen einem die Radler dann besonders nah vor, wenn die Verkehrsschlingel sich an der Ampel nicht gefälligst hinten anstellen, sondern sie sich an einem vorbei bis zur Haltelinie vorbeischlängeln.

Wenn man als Autofahrer die langsamen Radlerschnecken beispielsweise an der Steigung von Mattheis hoch zur Weismark überholen muss, ist immer viiiiel Platz zwischen Blech und Fahrradfahrer. So mindestens 20 Zentimeter. Also eher Spaghetti- als Schwimmnudel-Distanz. An meinem Viez-Stammtisch kommt das mit der Nudel immer super an.
Nur mein Freund Kurt wird dann noch saurer als das sauerste regionaltypische Apfelgetränk. Der hat sich im Sommer so ein E-Bike zugelegt und düst damit nun so fix über den Moselradweg, dass die Leute ihre Hunde freiwillig anleinen, damit die Fiffis nicht unter die Räder kommen. Kurt jedenfalls wird dann immer ernst, wenn über nicht genügend weit rechts fahrende Pedalritter im Schneckentempo geschimpft wird. Er bietet dann immer einen Tausch der Verkehrsmittel an. Damit man mal aus anderer Sicht erlebt, wie das ist, wenn ein Autofahrer auf Spaghetti-Distanz an einem Radler vorbeizieht. Darauf eingehen wollte bisher noch niemand in der Runde. Vermutlich deshalb, weil man als immer korrekter Autofahrer nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen will. Denn bekanntermaßen sind Radfahrer ständig nachts ohne Beleuchtung auf Radwegen unterwegs, um bei Rot in der Mitte der Straße am helllichten Tag durch die Fußgängerzone zu heizen – ohne Helm, mit Kippe in der Hand und telefonierend und entgegen der Fahrtrichtung in Einbahnstraßen. Und das kann niemand wollen, glaubt euer Jupp.

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