Die Oberstufe des Humboldt-Gymnasiums Trier zieht in Container bis Anbau steht

Kostenpflichtiger Inhalt: Schulen : Die Oberstufe des Humboldt-Gymnasiums Trier zieht in Container

Die ehemalige Robert-Schuman-Realschule, in die die Oberstufe des Humboldt-Gymnasiums am Augustinerhof seit drei Jahren ausgelagert ist, steht ab Sommer 2020 nicht mehr zur Verfügung.

Der markante Bau des Humboldt-Gymnasiums am Trierer Augustinerhof ist schon seit langem viel zu klein, um alle Schüler unterzubringen. Seit drei Jahren werden daher die rund 180 Schüler der Klassenstufen 11 bis 13 im ansonsten leerstehenden Gebäude der ehemaligen Robert-Schuman-Realschule in der Kaiserstraße unterrichtet. Zum Schuljahr 2020/21 soll mit dieser Übergangslösung Schluss sein – und ein neues Provisorium beginnen: Die Oberstufenschüler ziehen in Container auf dem HGT-Gelände um (siehe Info).

Nötig ist das, weil die Stadt das alte Realschulgebäude so gut wie verkauft hat. Und zwar an das Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen. „Das Mutterhaus plant an diesem Standort eine Umnutzung zur Schulung von Pflegepersonal“, heißt es dazu seitens der Trierer Stadtverwaltung. Die Tinte unter dem Kaufvertrag ist allerdings noch nicht trocken. Die Klinik selbst hält sich daher mit einer offiziellen Bestätigung noch zurück. Das Mutterhaus sei auf der Suche nach einem „Gebäude oder einer freien Fläche, die sich für ein Bildungszentrum mit angeschlossener Verwaltung anbietet“, teilt die Pressestelle des Krankenhauses auf TV-Nachfrage mit. Der Kauf des Robert-Schuman-Gebäudes sei dabei eine „Option, die wir derzeit auf die benötigten Voraussetzungen prüfen“. Bislang sind die aktuell 180 Mutterhaus-Schüler aufgeteilt auf die Klinikstandorte Nord (Theobaldstraße) und Mitte (Feldstraße). Perspektivisch soll die Zahl der Auszubildenden auf 240 anwachsen und diese dann gemeinsam an einem Ort unterrichtet werden.

Bis das soweit ist, dürfte es allerdings noch einige Zeit dauern: Denn das ehemalige Realschul-Gebäude ist ziemlich marode. Die Sanierung würde rund 6,5 Millionen Euro kosten – nach Berechnungen der Stadtverwaltung. Wegen dieser hohen Kosten hatte die Stadt ihren ursprünglichen Plan aufgegeben, das Schulhaus selbst instand zu setzen und als Ausweichquartier für das überfüllte Humboldt-Gymnasium zu nutzen. Ein Anbau an das HGT-Gebäude am Augustinerhof sei die wirtschaftlichere Variante, hatte die Stadtverwaltung bereits im Frühjahr ausgerechnet (der TV berichtete).

Das Land, von dem die Stadt sich Zuschüsse für diesen Erweiterungstrakt erwartet, hat nun der Sache zugestimmt: Das Finanzministerium und das Bildungsministerium hätten die „grundsätzliche Förderfähigkeit“ der Maßnahme festgestellt, heißt es in einer Beschlussvorlage, der der städtische Steuerungsausschuss am Dienstagabend mehrheitlich zugestimmt hat.

Das denkmalgeschützte Gebäude der Robert-Schuman-Realschule könnte bald die Krankenpflegeschule des Klinikums Mutterhaus beherbergen. Foto: Roland Morgen. Foto: Roland Morgen

Für den Nachweis, dass ein Neubau wirtschaftlicher ist als die Sanierung der alten Robert-Schuman-Schule, hatte die Stadt eine Vergleichsrechnung aufgestellt: Den Sanierungskosten von rund 6,5 Millionen Euro standen dabei die Neubaukosten von insgesamt rund 7,8 Millionen Euro (davon 500.000 Euro für Brandschutz im alten HGT-Gebäude) gegenüber. Die Sanierung würden damit rund 83 Prozent der Neubaukosten erreichen – und damit die gesetzlich festgelegte, so genannte „Schwelle der Unwirtschaftlichkeit einer Bestandssanierung“ überschreiten, die bei 80 Prozent liegt.

Wann der Neubau konkret startet, ist noch offen. Fest steht allerdings, dass es schnell gehen muss – wie auch Baudezernent Andreas Ludwig (CDU) in der Sitzung des Steuerungsausschusses betonte. Denn die Landeszuschüsse fließen aus dem Sondertopf Kommunales Investitionsprogramm 3.0 (KI 3.0). Und zu dessen Vorgaben gehört es, dass die geförderten Projekte spätestens Ende 2022 gebaut sind und der Zuschuss bis spätestens April 2023 komplett zwischen Stadt und Land verrechnet ist.

Aus dem Sondertopf KI 3.0 sind Zuschüsse von bis zu 90 Prozent der Baukosten möglich. Vom geplanten Investitionsvolumen von rund 7,8 Millionen Euro sind allerdings laut Stadtverwaltung nur gut 4,8 Millionen Euro förderfähig. Die Stadt kann demnach mit einem Landeszuschuss von 4,3 Millionen Euro rechnen.

Wie die 3,5-Millionen-Euro-Lücke zwischen den Gesamtbaukosten von 7,8 Millionen Euro und dem Zuschuss in Höhe von 4,3 Millionen Euro finanziert  werden soll, wollte Stadträtin Birgit Falk (CDU) im Steuerungsausschuss von Oberbürgermeister Wolfram Leibe wissen. Im öffentlichen Teil der Sitzung könne er sich dazu nicht äußern, da „Belange Dritter“ betroffen seien, erklärte daraufhin der Oberbürgermeister – bezogen auf die Verkaufsverhandlungen mit dem Mutterhaus. Den Preis für das Gebäude der ehemaligen Robert-Schuman-Realschule wollen Stadt und Klinik nicht öffentlich machen. Nach TV-Informationen ist es allerdings so, dass der Verkaufserlös die Finanzierungslücke beim HGT-Erweiterungsbau füllen soll.

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