Die Planung fürs Wohnheim Martinskloster in Trier musste europaweit ausgeschrieben werden. Gewinner ist ein alter Bekannter.

Architektur : Es gibt einen klaren Gewinner für die Planung des Wohnheims Martinskloster

Die Planung für das Trierer Wohnheim musste europaweit ausgeschrieben werden – sonst hätte es keinen Kredit gegeben. Gewinner des Wettbewerbs ist ein alter Bekannter.

Es war beim Neujahrsempfang 2017 des Studierendenwerks (kurz: Studiwerk) Trier. Geschäftsführer Andreas Wagner (51) kündigte stolz ein großes Bauprojekt an: Der Plattenbaukomplex der Wohnanlage Martinskloster werde abgerissen und durch einen modernen Holz-Hybrid-Neubau ersetzt werden. Pläne gab es bereits, dazu den Segen des Architektur- und Städtebaubeirats (ASB).

Doch zu früh gefreut: Für eine Kreditförderung machte die Investitions- und Strukturbank Rheinland Pfalz (ISB) einen europaweiten Architekturwettbewerb zur Auflage. Den  startete das Studiwerk im vergangenen Frühjahr. Bei der öffentlichen Präsentation der 13 eingereichten Wettbewerbsarbeiten am gestrigen Montag wurden zugleich die Preisträger bekanntgegeben.

Zum Gewinner hat das Preisgericht (Vertreter von Stadt, Finanzministerium, Studiwerk und Architekten; Leitung: Professor Kunibert  Wachten) nach anonymer Begutachtung und Bewertung  das Architekurbüro Stein, Hemmes und Wirtz aus Kasel  bestimmt – von dem auch die ursprüngliche Planung stammt. Also ein 100 000 Euro kostender (und vom Land bezahlter) Wettbewerb für die Katz? „Klares Nein!“, sagt Marcus Hille (Ingelheim), der den Wettbewerb betreut hat. „Das ist wie Hochleistungssport. Die Teilnehmer gehen topmotiviert ans Thema heran. Entsprechend  fallen die Resultate aus.“

Die 13 Wettbewerbsarbeiten werden noch bis Freitag in der ehemaligen Werkkunstschule am Paulusplatz präsentiert. Foto: Friedemann Vetter

Hans-Jürgen Stein (54), vom dem der mit 18 500 Euro prämierte Siegerentwurf stammt, bestätigt, dass er erst im zweiten  Anlauf auf einen echten Clou gekommen sei: Das Wohnheimareal erhält zur Ausoniusstraße hin einen zweiten, öffentlichen Zugang für Fußgänger und Radfahrer. Insgesamt, so Jurymitglied Peter Hardt, habe es eine deutliche Stimmenmehrheit für Steins Arbeit gegeben, die als „stimmiges städtebauliches Ensemble aus Alt- und Neubau“ bezeichnet  wurde.

Der zweite Preis (11 500 Euo) geht an BKSP Grabau Obermann Ronsczka und Partner (Hannover), der dritte (7000 Euro) an PVMA (Aachen). Das Kürzel steht für Pfeiffer Volland Michel Architekten. Michel, mit Vornamen Ben, ist 33 und stammt aus Klüsserath. Anfang 2018 hat er PVMA gegründet. Platz drei beim Martinskloster-Wettbewerb sei einer der ersten größeren Erfolge, sagt Michel, der sich „gerne öfter in der alten Heimat betätigen will“.

Der dritte Preis geht an PVMA (Aachen). Der aus Klüsserath stammende Ben Michel hat das Architekturbüro Anfang des Jahres gegründet. Foto: Friedemann Vetter
Architekturwettbewerb Martinskloster

Vielleicht wird ihm das sogar in Sachen Martinskloster möglich. Denn bislang ist noch keine Festlegung auf eine Planung getroffen. Alle drei Preisträger machen nun im abschließenden Vergabeverfahren (Leitung: Professor Horst Roman-Müller, Wiesbaden) den Gewinner unter sich aus. Voraussichtlich Ende November steht fest, wer den Bauauftrag bekommt.

Favorit ist freilich das Architekturbüro Stein Hemmes Wirtz, das auf­grund seines ersten Preises mit einem Punktevorsprung ins Finale geht. Der Architekturwettbewerb hat die ursprüngliche Zeitplanung des Studiwerks über den Haufen geworfen. Andreas Wagner geht nun davon aus, dass der auf rund zehn Millionen Euro veranschlagte Neubau im Oktober 2021 bezugsfertig ist – ein Jahr später als zunächst angekündigt.