Die Politik auf die Schippe nehmen

Die Politik auf die Schippe nehmen

TRIER-FEYEN/-MARIAHOF. Das Theaterleben bestimmte fast sein ganzes Leben: Fred Dewald war am Stadttheater Beleuchtungsmeister. Auf der Hobby-Bühne des Feyener Theatervereins spielte er in seiner Freizeit manche Rolle.

Den Theaterbetrieb auf der Feyener Laienspielbühne kennt Fred Dewald (73) in und auswendig. Denn der gebürtige Mattheiser ("Meine Linie geht auf viele Generationen zurück.") seit Jahrzehnten mit Wohnsitz in Mariahof ist seit 1948 (von 1957 an im Vorstand) beim Theaterverein Trier-Feyen mit von der Partie. Gefragt sind Fred Dewalds Fähigkeiten als technisch versierter Mensch. Kein Wunder bei einer Ausbildung als Elektriker (Trierer Stadtwerke). 1951 wechselte er zum Stadttheater und wurde Beleuchtungsmeister. Auf der Hobby-Bühne wollte der Ur-Trierer kreativ als Darsteller mitwirken und nicht nur für das richtige Licht auf der Bühne sorgen. Im Winter spielte Fred Dewald in Dornröschen die Rolle eines Schlosswächters. Noch gut kann sich Dewald an die Jahre nach dem Krieg erinnern, als es Theater-Wettstreite gab. "Die gingen bis drei Tage." Nicht selten nahmen daran bis zu 20 Vereine aus der ganzen Umgebung teil. Mit dem Siegeszug des Fernsehens ging das Laientheater mehr und mehr zurück, bis es dann vor vielen Jahren seine Renaissance erlebte mit Besucherzahlen wie in den besten Zeiten. "Nicht selten habe ich den Nikolaus Koch im Publikum gesehen, meist bei Luststücken", weiß sich Fred Dewald noch gut an den ehemaligen Verleger des Trierischen Volksfreunds zu erinnern. Dewald hätte lieber öfter auf der Laienspielbühne gestanden. Genauso gefragt war sein versierter Umgang mit dem richtigen Licht. "Beides gleichzeitig ging nicht." Und so suchte Dewald mit seinen Büttenauftritten als "Kritikaster" bei der KG Trier-Süd gewissermaßen einen Ausgleich. Die hohe Politik auf die Schippe zu nehmen, war sein Steckenpferd. Eine feinsinnige Ader entdeckte der Vater zweier Söhne so richtig in den letzten Jahren, nämlich die des Mundartdichters: "En Knoaderer datt es en Maan, dä selwer sich net leiden kann. Hä knoadert frie, hä konaodert spieth, hä knaodert wu hä gieht on stieht", dies nur eine kleine Kostprobe seiner Mundart-Kunst. Sieben Intendanten des Trierer Theaters sah der Beleuchtungsmeister kommen und gehen, bis Dewald 1993 selber aus dem Berufsleben ausschied. "Das waren noch Zeiten, als es in einer Spielzeit 24 Premieren gab." Hinzu kamen zahlreiche auswärtige Gastspiele, bis ins damals unter französischer Verwaltung stehende Saarland. Die Aufführung der "Zauberflöte" in Saarlouis wäre mal beinahe in die Hose gegangen: Der LKW mit den Requisiten war mehrere Stunden am Zoll festgehalten worden: "Der Zollbeamte suchte doch tatsächlich nach der ‚Zauberflöte', konnte sie aber nicht finden." Beim französischen Zoll sei der Grenzübertritt immer "eine größere Prozedur" gewesen. Ein bisschen humaner hätten sich die Luxemburger angestellt. Den Schmuggel von Kaffee in einer Bassgeige habe von den Zöllnern damals keiner mitgekriegt: "Das Versteck war zu gut." Zufrieden lehnt sich Fred Dewald zurück: Dass er sein Hobby zum Beruf habe machen können, sei ein großes Glück gewesen.

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