"Die Post ist unsozial"

BIEWER. Die Deutsche Post AG will die Biewerer Postagentur zum 31. Juli schließen. 1300 Menschen haben ihr Veto eingelegt und sich auf einer Unterschriftenliste eingetragen.

Es geht lebhaft zu im Geschäft Elektro-Leinen in der Friedlandstraße. Wie im Taubenschlag kommt ein Kunde nach dem anderen in den Laden. Und strebt zwischen Zeitschriften, Schreibwaren und Gebrauchsgegenständen aller Art gezielt der Postabteilung entgegen, wo Annette und Günter Leinen die Kundenwünsche entgegen nehmen. Geldeinzahlungen, Paketannahme, Kontoeröffnungen. Geht es nach der Post, ist damit in drei Monaten Schluss. "Mir nix Dir nix" habe er im Januar die Kündigung seines Agenturpartnervertrags erhalten, erinnert sich Leinen. "Da war ich schon stark betroffen." Aus "betriebswirtschaftlichen Gründen" soll die Biewerer Filiale gemäß der Post-Universaldienstleistungsverordnung (PUDLV) als eine von insgesamt 1000 bis Jahresende geschlossen werden. "Da Sie die Partner-Filiale an einem nicht PUDLV-relevanten Standort betreiben, der auch nicht unter die Vorgaben unserer Selbstverpflichtung fällt, sind wir leider gezwungen, die Kooperation mit Ihnen zu beenden", heißt es in dem Brief. Gründe, die sowohl Agenturpartner Leinen als auch Ortsvorsteherin Sabine Berg nicht nachvollziehen können. Zum einen habe Biewer, wenn auch nur knapp, mit 2004 Einwohnern die erforderliche Größe einer Ortsgemeinde, für deren postalische Versorgung sich die Post verpflichtete. Zum anderen arbeite die Agentur wirtschaftlich, wie Leinen versichert. Der Gewinn habe sich seit der Öffnung der Agentur 1999 mittlerweile fast verdreifacht. Etwa 100 Postkunden - darunter aus Newel, Aach, Butzweiler, Pallien und von der Bausch - zähle er täglich. "Das Geschäft ist stark frequentiert", sagt auch Sabine Berg, "die Entscheidung der Post ist nicht nachzuvollziehen." Ebenso wie Leinen hat sie an die Post geschrieben, um die Schließung zu verhindern: "Besonders für ältere Menschen wäre dies schlimm." Doch die Antwort des Frankfurter Postpartner-Managements enttäuschte. Neben "Standardsätzen, die überall drinstehen", wie Sabine Berg moniert, werde der Biewerer Filiale keine wirtschaftlich tragfähige Kundennachfrage attestiert. In Einzelfällen macht die Post einen Rückzieher

Hoffnung setzen Ortsvorsteherin Berg und das Ehepaar Leinen in die Ankündigung der Post, nur etwa die Hälfte der ursprünglich geplanten Schließungen vorzunehmen. "Eine rechenarithmetische Falschmeldung", wie Post-Pressesprecher Thomas Kutsch auf TV-Anfrage dementiert. Es gehe nur um Einzelfälle, in denen die Schließung zurück genommen worden sei. Wenn es allerdings Fehler in der Biewerer Entscheidung gegeben habe, müssten sie eventuell korrigiert werden. Vielleicht bewirkt die Unterschriftenliste etwas, die in diesen Tagen der Deutschen Post AG zugeht. Per Ortsbeiratsbeschluss war die Aktion ins Leben gerufen worden; insgesamt 1300 Menschen protestieren seit Januar mit ihrer Unterschrift gegen eine Schließung. Einige machten gleich daneben ihrem Unmut Luft: "Das Verhalten der Post ist unsozial", hat jemand verärgert seiner Unterschrift hinzugefügt.