Die pro-familia-Beratungsstelle Trier feiert 40. Geburtstag

Pro Familia : Eine wichtige Säule im Beratungsangebot

Die pro-familia-Beratungsstelle Trier feiert 40. Geburtstag. Dabei wird klar, wie wichtig ihre Arbeit für die Region ist.

Gut 60 Personen hatten sich in den Räumen der pro familia in der Balduinstraße eingefunden, um einen besonderen Geburtstag zu feiern. Landesvorsitzende Bianca Schröder ging in ihrem Grußwort auf die Wichtigkeit der Institution pro familia ein, die in Trier vor 40 Jahren ihre Arbeit aufnahm und seinerzeit noch auf Widerstand aus Bevölkerung, Politik und Medien stieß. „Wir setzen uns auch nach 40 Jahren ein für das Menschenrecht auf selbstbestimmte Sexualität und Familienplanung“, betonte sie.

Viel Applaus erhielt sie für ihre Dankesworte an „pia“ (pro familia in Action), ein Netzwerk junger Menschen, die sexuelle und reproduktive Rechte sowie Gesundheit thematisieren. „Ihr seid unsere Zukunft“, sagte sie. Ministerpräsidentin Malu Dreyer ließ sich wegen anderer Termine entschuldigen, hatte aber eine Glückwunsch-Videobotschaft geschickt, die auf einer Leinwand abgespielt wurde: „Meine Wertschätzung für pro familia ist hoch. Sie sind eine wichtige Säule im Beratungsangebot!“ Ausdrücklich betonte sie ihre Wertschätzung pro familia gegenüber und ergänzte: „Die Vielfalt der Beratung soll eine Selbstverständlichkeit bleiben.“

Auch Bürgermeisterin Elvira Garbes schätzt die Arbeit der Institution und konnte sich an Zeiten erinnern, in denen Sexualität tabuisiert wurde: „Ich hätte mir gewünscht, in meiner Teenagerzeit hätte es eine Beratungsstelle gegeben.“ In Vertretung für Landrat Schartz war Geschäftsbereichsleiter der Kreisverwaltung Trier-Saarburg, Joachim Christmann, erschienen. Er fand klare Worte: „Es ist ein Fiasko, dass es in Trier und Umgebung keinen Arzt gibt, der einen Schwangerschaftsabbruch durchführt.“ Pro-famila-Geschäftsführerin Claudia Heltemes würdigte Christmann für seinen Einsatz: „Ohne sein persönliches Engagement gäbe es keine Hebammenzentrale.“

Wilbert Peifer vom paritätischen Wohlfahrtsverband dankte für den engagierten Einsatz von pro familia und versprach Unterstützung „ideell, politisch und – wenn es geht – auch finanziell.“ Im Anschluss an die Grußworte hielten Historikerin Tamara Breitbach und Prof. Dr. Daphne Hahn Fachvorträge. Dabei erheiterte Tamara Breitbach die Jubiläumsgäste mit Erinnerungen an die erste Beratungsstelle in Trier, die in einer 3-Zimmer-Hinterhofwohnung in der Walramsneustraße untergebracht war. Professorin Hahn erläuterte in ihrem Vortrag die Wichtigkeit für das Einstehen sexueller und reproduktiver Rechte. Unter anderem stellte sie klar, dass die internationale Studienlage zeigt, dass es keinen eindeutigen Beleg für das Auftreten psychischer Störungen durch einen Schwangerschaftsabbruch gibt. So hätten Frauen, die medizinisch und seelisch gut betreut und aufgeklärt werden, nach aktuellen Studien nicht häufiger psychische Probleme als Frauen, die eine ungewollte Schwangerschaft austragen.

Am Rande der Veranstaltung berichtete Sexualpädagogin Ute Keiber-Schon von ihren Erfahrungen: „Wir kriegen Gegenwind aus der rechten politischen Richtung.“ Nach dem offiziellen Teil lud Claudia Heltemes zu Fingerfood aus dem Café Balduin ein, für das  Rahmenprogramm sorgten zwei Musiker der Gruppe Stinchronicity.

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