Die Renaissance der Trierer Schweiz

Die Renaissance der Trierer Schweiz

Walter Blasius würdigt in seinem neuen Buch eine tolle Landschaft, deren alte Bezeichnung fast in Vergessenheit geraten war.

Trier Luxemburger Schweiz, Kollesleukener Schweiz, Mehringer Schweiz. Nicht nur die Region ist erstaunlich "Schweiz-reich". "Schweiz" steht als schwärmerisches Synonym für das Vorhandensein von Wasserfall, plätscherndem Bach, hochragenden Felsen und Holzbrücke auf engem Raum. Die Landschaftsbezeichnung gibt es außerhalb des alpinen Originals weltweit 191-mal, davon 105-mal in Deutschland. Die Trierer Schweiz mitgerechnet. Die fristet im heutigen Sprachgebrauch nur noch einen Schattendasein, aber sie existiert. Das belegt Walter Blasius auf eindrucksvolle Weise. Er hat aus seiner reichhaltigen Sammlung allerlei lokal-schweizerisches zusammengetragen: historische Fotos und Ansichtskarten, literarische Zeugnisse plus eigene Erinnerungen und daraus ein imposantes Buch gemacht. Titel - na klar! - : Die Trierer Schweiz.
Präsentiert hat der aus dem Stadtteil Euren stammende 72-jährige Heimatforscher und Autor sein neues Werk im vollbesetzten Lesesaal der Stadtbibliothek. Eine Veranstaltung (Einführung: Horst Lachmund), die mehr war als "nur" eine Buchvorstellung, sondern für die 120 Besucher zudem amüsante Geschichts- und Heimatkundestunde in Form eines bebilderten Vortrags.
Trierer Schweiz, ein im 19. und frühen 20. Jahrhundert gängiger Begriff für die Landschaft links der Mosel mit den Palliener Felsen und dem Weißhauswald als Herzstück. Für die Einheimschen war es das mit zahlreichen Gasthäusern gespickte Naherholungs- und Ausflugsgebiet schlechthin, für prominente Auswärtige ein Sehnsuchtsort: "All diese Schönheiten sind so nahe, dass man sie in einigen Stunden erreichen und zurückkehren kann", schwärmte Ernst von Schiller, Friedrich von Schillers jüngster Spross, der von 1828 bis 1835 Landgerichtsrat in Trier war.
Mit seinem selbst verlegten Buch (erhältlich für 30 Euro im Antiquariat Zaunmüller, Neustraße 51, und im Shop des Stadtmuseums Simenstift) setzt Blasius der Trierer Schweiz ein Denkmal, verhilft ihr vielleicht zur Renaissance zumindest im Sprachgebrauch. Definitiv eine Renaissance gibt es für das 1988 erschienene Buch "Sagenumwobenes Felsenland" von Franz-Georg Horras (66), das Blasius mehrfach lobend erwähnte. Der Verlag Michael Weyand bringt es im Dezember unter dem Titel "Sagenumwobenes Felsenland - das Sandmädchen" in erweiterter Neuauflage heraus.