Die Rente reicht oft nicht

in Leben lang arbeiten und sich im Alter auf den Ruhestand freuen - das war einmal. Auch in Trier fehlt immer mehr Rentnern das nötige Geld, um sorgenfrei über die Runden zu kommen. Der Gang zum Sozialamt oder eine Nebenbeschäftigung sind die Folge.

Trier. (alo) Die Pläne für den Ruhestand sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Eins allerdings dürfte immer unerwünscht sein: die Sorge um den Unterhalt. Und doch sei gerade die für immer mehr Rentner traurige Realität, sagen die Gewerkschaften Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und Verdi in Trier. Schon jetzt reiche die Rente vielfach nicht mehr aus. Die Konsequenz: Immer mehr Menschen müssten im hohen Alter noch Nebenbeschäftigungen nachgehen.

Die Zahl der Rentner mit Mini-Jobs im Kreis Trier-Saarburg habe seit 2003 um 52 Prozent zugenommen, von 811 Rentner-Jobbern auf 1230. "Es ist ein Skandal, dass die Renten trotz früherer Vollzeitarbeit nicht mehr ausreichen", sagt Klaus Schu, Gewerkschaftssekretär der NGG. "Frauen haben es noch schwerer, da sie früher oft nur schlechter bezahlten Tätigkeiten nachgegangen sind." Doch auch in anderen Bereichen zeige sich, dass immer mehr Rentner immer weniger Geld zur Verfügung hätten. Genaue Zahlen könne er nicht nennen, aber "in Trier nimmt die Altersarmut zu", ist sich Ralf Frühauf vom Presseamt der Stadt sicher. Das sehe man an dem stetig wachsenden Anteil der Senioren, die Grundsicherungsleistungen beantragten - also finanzielle Unterstützung für Lebensunterhalt oder Unterkunft benötigen.

Manfred Hoffmann, zweiter Vorsitzender des Seniorenrats in Trier, bemerkt das Problem auch bei seiner Arbeit im Seniorenbüro. "Die Renten sind klein und werden mit Nullrunden immer weiter beschnitten."

Es gebe aber auch andere Ursachen. Heizkosten, Versicherungen - vieles werde teurer. Außerdem gebe es gerade in Trier kaum Wohnungen für ärmere Leute. "Die soziale Isolierung ist auch ein Problem", sagt Hoffmann. "Die Kinder ziehen berufsbedingt oft weg und können den Älteren nicht mehr aktiv helfen." Verarmte Rentner haben außer einem Nebenjob wenig Möglichkeiten. Das Sozialamt, aber auch Einrichtungen wie die Trierer Tafeln oder die Arbeiterwohlfahrt sind dann die richtigen Anlaufstellen. "Viele trauen sich aber nicht, dort hinzugehen - aus Scham", sagt Hoffmann. "Die Rentner fühlen sich betrogen. Sie begreifen nicht, dass sie immer Beitrage zahlen mussten und am Ende kommt nur ein bisschen etwas dabei heraus."