Die Revolution bespaßt ihre Kinder
Trier · Die "Mediengruppe Telekommander" verabschiedet sich von ihren Fans - mit einem fulminanten Konzert auch im kleinen Kreis in Trier.
Trier. So geht das: Kaum pratzen die ersten druckvollen Beats aus dem Laptop des Elektropunk-Dous Mediengruppe Telekommander, bilden die rund sechzig Gäste in der "Grünen Rakete" eine dichte Traube vor der kleinen Bühne und lassen den Gewölbekeller dadurch aus Künstlersicht vielleicht nicht ganz so unterbesetzt wirken.
Und als wäre das allein nicht toll genug, setzt sich sofort auch noch ein gutes Dutzend Tänzer in Bewegung, ohne durch eine Vorgruppe angeheizt worden zu sein. Die Texte, die Florian Zwietnig und Gerald Mandel rappen und singen, sind dank einer überraschend klaren Raumakustik durchweg gut zu verstehen: "Wir wollen alles kaputtkaufen", heißt es etwa in "Billig" und in "Sprengkörper" sprechen sie über "Fragen, die das Leben stellt: imposante Themen wie Liebe Sex und Geld".
Hörenswert ist das allemal, auch wenn die Angriffe auf Konsumwahn und Pseudo-Revolutionäre mit "Che-Guevara-Kondom" letztlich ja nur die affektive Pose sein können, die sie vorgeblich kritisieren: Auch in Trier wird die Revolution nur auf Meta-Ebene "gerockt" und später, mit Glück, als CD verkauft. Vielleicht auch deshalb, weil sie wissen, dass sie irgendwann auf die letzte ironische Matrjoschka-Puppe gestoßen sind, oder auch nur, weil\'s gerade noch am schönsten ist, hören die Telekommander jetzt auf: Die aktuelle Tour zum Album "Die Elite der Nächstenliebe" ist ihre Abschiedsveranstaltung nach rund zehn gemeinsamen Jahren. In Trier macht das Publikum den Kommandeuren jedenfalls klar, dass man sie vermissen wird: Erst nach einigen Zugaben, dafür aber umso entschlossener, machen die Zwei dem Konzert ein Ende. fgg