Sicherheit: Die Schattenseite des Altstadtfests

Sicherheit : Die Schattenseite des Altstadtfests

Das Karl-Marx-Viertel hat viele unangenehme Begleiterscheinungen abbekommen. Die Stadt will reagieren.

Erbrochenes im Hauseingang, ein mit Scherben übersäter Bürgersteig, Grafitti-Schmierereien, mutwillig beschädigte Schilder: Es sind teils drastische Fotos, die Brigitte Biertz auf ihrer Facebook-Seite Karl-Marx-Viertel Nachbarschaft veröffentlicht hat. Das unappetitlichste: Fünf Männer urinieren offensichtlich ganz ungeniert gegen die Antoniuskirche. Entstanden sind die Aufnahmen am Wochenende. Überschrieben hat Brigitte Biertz ihren Beitrag mit: „Das Maß ist voll! Ruinierte Randlagen durch das Altstadtfest“. Im Gespräch mit dem TV legt die 59-Jährige nach: „Das geht schon seit Jahren so und hat sich zu einem unerträglichen Missstand entwickelt. Die Stadt muss die geplagten Anwohner doch schützen. Auch vor der Lautstärke der Musikdarbietungen auf dem Viehmarkt.“

Im Rathaus ist die Kritik angekommen. „Wir haben die sogenannten sozialen Netzwerke im Blick und kennen daher die Klagen aus dem Karl-Marx-Viertel“, erklärt Stadtpressesprecher Michael Schmitz. Und Konsequenzen soll es auch geben. Die erste: „Der kommunale Vollzugsdienst wird schon bei den weiteren Großveranstaltungen des Public Viewing auf dem Viehmarkt ein besonderes Augenmerk auf Wildpinkler richten.“

Die können belangt werden. Auf der Basis des Ordnungswidrigkeitengesetzes (Bundesrecht) und der Gefahrenabwehrverordnung der Stadt Trier ist es den Vollzugsdienstmitarbeitern möglich, kostenpflichtige Verwarnungen auszusprechen und Bußgeldverfahren einzuleiten – sofern die Übeltäter auf frischer Tat ertappt werden. Was durchaus gelingt. Ordnungsdezernent Thomas Schmitt schildert einen Fall vom vergangenen Weiberdonnerstag: „Da haben die Kollegen zwei Männer erwischt, die in der Jakobstraße gegen Schaufenster urinierten. Jeder musste ein Bußgeld von 100 Euro plus Verwaltungskosten zahlen – machte jeweils 128 Euro.“ Schmitt hofft auf abschreckende Wirkung („Die Geldbuße dürfte den beiden eine Lehre sein. Für ein paar Cent hätten sie auf ein Kneipenklo oder eine öffentlich Toilette gehen können“).

Er sagt aber auch, der Vollzugsdienst „kann natürlich nicht überall sein“ und appelliert deshalb an Vernunft und Einsicht: „Wer wild an Häuserflure oder an Gebäude uriniert und damit den Mitmenschen Ekel und Gestank hinterlässt, hat einfach eine schlechte Kinderstube und keinen Respekt. Mit etwas gutem Willen lässt sich immer eine Toilette finden.“

Das Massenurinieren an der Antoniuskirche dürfte auch in der Nachbereitung des am Sonntagabend zu Ende gegangenen Altstadtfestes eine Rolle spielen. Michael Schmitz: „Es gibt jedes Jahr eine Besprechung aller Beteiligten, in der kritisch Bilanz gezogen wird und gegebenenfalls auch die notwendigen Konsequenzen mit Blick aufs nächste Fest gezogen werden.“ Und wie war das mit der Lautstärke? „Auch das prüfen wir“, sagt Schmitz. „Aber beim Ordnungsamt ist bisher nur eine Lärmbeschwerde eingegangen.“

Der Verein Interessengemeinschaft Karl-Marx-Viertel (dem Brigitte Biertz nicht mehr angehört) nutzt die Anfrage des TV, um Lob auszusprechen. „Natürlich und leider gibt es bei jedem Volksfest Scherben und andere unangenehme Begleiterscheinungen. Deshalb finden wir es prima und danken dafür, dass die Straßenreinigung immer wieder schnell zu Stelle ist und aufräumt“, erklärt der Vorsitzende Christian Henniger.