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Die Schülerinnen des Angela-Merici-Gymnasiums Trier bereiten eine Kunstausstellung in der Schule vor.

Trier : Die Kunst, Kunst zu kreieren

In der Ausstellung „Blickpunkt 20“ präsentieren 14 Mädchen des Leistungskurses am Angela-Merici-Gymnasium Trier ihre Lieblingswerke. Die Konzepte dazu entwickeln sie selbst, jeden Monat aufs Neue.

Die Schule ist aus. Doch Anna, Helena, Dorothee, Laura, Alina und Kristin arbeiten weiter. Sie wuseln oben im Ausstellungsraum des Angela-Merici-Gymnasiums, sortieren Bilder, räumen auf.

Nein, ein verärgerter Lehrer hat sie nicht dazu verdonnert. Nein, nachsitzen müssen die sechs Teenager nicht. Sie sind freiwillig in der Schule, denn sie bereiten ihre Ausstellung vor, die sie am 23. Februar präsentieren wollen. „Blickpunkt 20“ nennen die 14 Schülerinnen des Leistungskurses Bildende Kunst 13 ihre Präsentation. Dafür hat jede im Schnitt etwa zehn Kunstwerke ausgesucht. Stolze 120 bis 130 Artefakte sollen die Besucher von dem Talent der Mädchen überzeugen. Deren Begabungen sind facettenreich, gehen von Malereien über Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen bis hin zur Objektkunst.  „Wir haben uns für solche Kunstwerke entschieden, die uns am Herzen liegen. Das sind nicht immer unbedingt die, die am besten bewertet wurden“, sagt Anna Christmann aus Osburg.

Die Freiheit zu wählen, was sie den Besuchern zeigen wollen und was nicht, hat ihnen Kunstlehrer Achim Algner gegeben. Überhaupt mag Algner keine allzu strikten Vorgaben. Zwar müssen alle Mädchen, die bei ihm den Kunst-Leistungskurs belegen, ab der elften Klasse jeden Monat eine Arbeit abgeben, doch ein Thema gibt Algner nicht. „Wir sind da völlig frei. Sowohl im Thema als auch in der Technik“, erzählen Anna, Helena, Dorothee, Laura, Alina und Kristin.

„Es muss nur hintergründig sein. Wir führen Tagebuch zu jedem Kunstwerk. Darin erklären wir das Konzept, was wir dem Betrachter mitteilen möchten und wie wir zu der Idee gekommen sind. Da gibt es sehr persönliche Geschichten zu den Bildern.“ Ganz schön anstrengend sei das manchmal. Nicht immer falle einem jeden Monat etwas Tolles ein. Und dann sitzt so manche Kunstschülerin auch mal bis Mitternacht an einem Gemälde oder einer Zeichnung, wenn der Abgabetermin naht.

Der Begeisterung für das Fach Kunst tut dies keinen Abbruch. Und wann, bitte schön, hat man als Schülerin schon mal die Chance auf eine eigene Ausstellung? Da sind Nachtschichten längst vergessen, wenn das erste Bild an der Wand hängt.

Lange überlegen muss keins der sechs Mädchen, als sie nach ihren absoluten Lieblingswerken gefragt werden. Dorothee Spira aus Trier greift nach einem großformatigen Bild in Acrylfarbe mit schwarz-weißen Porträtbildern, Titel „We are the World“. „Da habe ich einfach am meisten Zeit reingesteckt. Acht Monate habe ich daran gearbeitet. Es zeigt die Vielfalt der Menschen.“

Laura Standke aus Bitburg positioniert sich mit ihren beiden Augenbildern in Arcyl, bei denen sie die Wimpern aus Spiegelscherben geformt hat. „Die Idee hat mich einfach überzeugt. Ich finde die Bilder einfach schön. Es war etwas Besonderes, als ich sie gemacht habe.“ Kleinformatig, aber mit viel Liebe zum Detail: Alina Thesen aus Leiwen hat lange an ihrem Rosenbild in Acrylfarben gezeichnet. „Es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, die Details zu malen.“ Ein Blick für selbige hat auf jeden Fall Anna Christmann aus Osburg. Sie zeigt eine Fotografie auf der ein vermeintliches Juwelenkästchen zu sehen ist. „Das Foto habe ich auf der Illuminale 2017 gemacht, und es zeigt ein Einmachglas, das mit einer Lichterkette gefüllt und von außen mit Steinen beklebt wurde.“

Inspiriert von ihrem Patenonkel, der schon lange mit Glas arbeitet, übte sich Kristin Thesen aus Leiwen an der Glasschneidetechnik und kreierte einen Spiegel, bei dem ein Pfau ein Rad um Selbigen schlägt. „Der Pfau ist ein schönes Tier. Er hat eine gewisse Anmut. Der Spiegel gefällt mir sehr, weil das mal etwas anderes ist. Das sieht man nicht allzu oft.“

Ausgefallen mag es auch Helene Schupp aus Trierweiler. Ihre Leidenschaft gilt ebenfalls der Fotografie, und so hat sie ihr Lieblingsfoto „Grenzen“ genannt, auf dem inmitten von Absperrbändern eine schwarze Gestalt die gefesselten Hände emporreckt. „Fotografie ist mein Gebiet. Es ist tiefgründiger. Jeder könnte sich in dem Bild wiederfinden.“

Wiederfinden lässt sich vielleicht auch eines Tages eine der 14 Schülerinnen, wenn sie tatsächlich die große Karriere als Künstlerin gemacht hat. Die Ausstellung „Blickpunkt 20“ ist der erste Schritt dazu.

Mein Lieblingswerk: Helena Schupp aus Trierweiler mit dem Foto „Grenzen“. Foto: Verona Kerl
Mein Lieblingswerk: Anna Christmann aus Osburg mit einem Foto, das sie auf der Illuminale aufgenommen hat. Foto: Verona Kerl
Mein Lieblingswerk: Kristin Thesen aus Leiwen. Foto: Verona Kerl
Mein Lieblingsbild: Alina Thesen aus Leiwen. Foto: Verona Kerl
Mein Lieblingsbild: Dorothee Spira aus Trier mit „We are the World“. Foto: Verona Kerl
Mein Lieblingsbild: Laura Standke aus Bitburg. Foto: Verona Kerl

 Vernissage der Kunstausstellung „Blickpunkt 20“ des Leistungskurses Bildende Kunst 13, Freitag, 23. Februar, 19.30 Uhr, im Atrium und der Gervasius-Galerie des Bischöflichen Angela-Merici-Gymnasiums. Ausstellung bis 8. März, von 8 Uhr bis 17 Uhr.