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Die schwerelosen Kriegermönche

Die schwerelosen Kriegermönche

Shaolin - das ist der Name eines 1500 Jahre alten buddhistischen Mönchsordens in China. Ohne die Hilfe Hollywoods hätte sich wahrscheinlich niemand im westlichen Teil der Welt jemals für diesen Orden interessiert. Doch es kam anders, längst ist Shaolin ein Mythos der Kampfkunst - im Film und auf der Bühne.

Trier. Die Serie hieß "Kung Fu". Im Fernsehdeutschland der 70er konnte das Publikum wohl wenig mit diesem Begriff anfangen, doch die sich dahinter verbergenden Geschichten wurden schnell zum Straßenfeger am frühen Sonntagabend. Der junge David Carradine spielte Kwai Chang Caine, der nach seiner Ausbildung zum Kriegermönch im Shaolin-Kloster durch die USA des Wilden Westens reist, um Gutes zu tun und Böses zu verhindern. Wenn seine buddhistische Ruhe nichts mehr nutzte, beseitigte er die Bedrohung mit der unschlagbaren Kunst des Shaolin Kung Fu.
Die Serie war der Anfang. Der Filmfan der 70er liebte Actionkracher wie "18 Kämpfer aus Bronze" und "Die 36 Kammern der Shaolin". Auch in der realen Volksrepublik China leuchtete der Parteiführung in Peking schließlich ein, wie enorm werbewirksam der Markenname Shaolin ist. Und so reisen seit 20 Jahren speziell ausgebildete Shaolin-Show-Gruppen um die Welt und zeigen ihre Kampfkunst. Die aktuelle Show heißt "Die Rückkehr der Meister". 700 Zuschauer in der Trierer Europahalle sehen zu und staunen.
Die Männer tragen orange-farbene Roben, ihre Köpfe sind geschoren. Ob sie wirklich Mönche sind, bleibt unklar. Doch von der ersten Minute an steht fest, dass sie ihre Kunst beherrschen. Die erste Hälfte der Show in der Europahalle besteht aus meisterhafter Kampfakrobatik, artistischen Sprungtritten, Demonstrationen absoluter Körperbeherrschung. Die Mönche, nennen wir sie einfach so, zeigen die ebenfalls durch Hollywood bekannt gewordenen Tier-Stile, die Bewegungen der Schlange, des Adlers oder des Kranichs nachahmen. Auch die Waffen kommen zum Einsatz: Speer, Schwert, Schnurpfeil, dreiteiliger Stock. Die Europahalle lacht, als ein Mönch den "betrunkenen Mann" zeigt. Jedes Schwanken des angeblichen Promilleopfers endet mit einem präzisen Schlag, Tritt oder Block.
Nach der Pause ändert sich das Tempo. Die zweite Hälfte der zwei Stunden dauernden Show besteht aus Demonstrationen. Die Mönche zeigen die Fähigkeit, durch Konzentration und Atmung Belastungen unverletzt zu überstehen, die jeden anderen ins Krankenhaus bringen würden. Ihre Arme und Beine halten Schläge mit dicken Holzstäben aus. Sogar eine Eisenstange, dick wie ein kleiner Finger, zerbricht am Kopf eines Mönchs, ohne auch nur dessen Haut zu verletzen. Ein Mönch liegt auf den Spitzen sechs scharfer Speere, ein anderer mit dem Rücken auf scharfen Klingen, während auf seiner Brust eine Steinplatte zerhämmert wird. Kein Blut fließt, niemand wird verletzt.
Das Shaolin Kung Fu hat eine simple Erklärung für solche Phänomene: Die Mönche beherrschen das Qi, die Lebensenergie und Quelle der Gesundheit. Sie können das Qi auf bestimmte Punkte lenken und so unvermeidbar scheinenden Verletzungen widerstehen. Ob man es nun Qi nennt oder eine perfekte Kombination von Konzentration, Muskelkontraktion und Atmung: Es funktioniert. Auch die unmöglich scheinende Aufgabe, eine Nadel mit dem Tempo einer Pistolenkugel durch eine Glasscheibe zu werfen und einen dahinter schwebenden Luftballon zum Platzen zu bringen, gelingt im ersten Versuch.
Wer den Mythos real erleben will, hat ein festes Ziel: Das Shaolin-Kloster steht in der südchinesischen Provinz Henan am Fuß des heiligen Berges Song Shan.