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Die schwierige und ehrenvolle Arbeit der Vereinslenker

Die schwierige und ehrenvolle Arbeit der Vereinslenker

Vereinsvorstände sind Repräsentanten, Manager, Sekretäre und mehr - für viele eine unattraktive Verantwortung. Der FSV Tarforst und der Männergesangsverein Ehrang zeigen zwei Vereinsbeispiele voller Gegensätze, ein Projekt der Volkshochschule (VHS) Trier möchte individuelle Lösungen anbieten für Vereinslenker.

Trier. "Wer will mir einen Rat geben, wie wir zu jüngeren Sängern kommen?", fragt Friedel Morbach, erster Vorsitzender des Männergesangsvereins (MGV) aus Ehrang. Fast 60 Jahre ist Friedel Morbach im MGV 1880 Rheinland Ehrang, seit 40 Jahren macht er Vorstandsarbeit. Der Rentner sieht eine große Distanz zwischen Ratschlägen und umsetzbaren Lösungen für Vereine: "Wir sind im Schnitt 70 Jahre alt im Männerchor. Nachwuchs zu gewinnen ist nicht so einfach."

Warum funktioniert bei den einen, was bei den anderen schiefgeht? Hier setzt das neue Volkshochschulprojekt "Engagement braucht Leadership" (also Führung) an, um Vereinsvorständen der Region zu helfen - eine Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung. Ab heute können Vereine selbst die für sie wichtigen Themen benennen und das Programm der Reihe (siehe Anhang am Textende) selbst mitgestalten - im Fall des MGV Ehrang so etwa die Jugendarbeit. Fast jeder Zweite in Deutschland ist Mitglied in einem Verein. Dennoch nimmt die Zahl derjenigen, die eine ehrenamtliche Aufgabe in Vereinen übernehmen wollen, ab.

In den 60er Jahren seien um die 80 Sänger im MGV Ehrang gewesen, mittlerweile nur noch rund die Hälfte, erklärt Morbach. Gerade die Suche eines Nachfolgers für seinen Posten als erster Vorsitzender könnte sich als schwierig gestalten, verrät Morbach.

Der FSV Tarforst bildet einen starken Kontrast zum Männergesangsverein aus Ehrang: Der Verein verfügt über eine große Infrastruktur, über 1600 Mitglieder und Umsätze im sechsstelligem Bereich. 47 Prozent der Mitglieder sind laut zweitem Vorsitzendem Bernd Willems jünger als 18. Über 130 Ehrenamtliche sind beim Sportverein täglich im Einsatz, davon rund 100 Übungsleiter für die verschiedenen Sportarten - die zwar Aufwandsentschädigungen erhalten, "aber das sind lediglich Almosen", erklärt Willems. Von den 60 Jahren Vereinsgeschichte ist Bernd Willems über 15 Jahre im Amt.

"Für die Entwicklung eines Vereins ist vor allem langfristige Arbeit wichtig!", erklärt er. Einerseits beruhe der Erfolg des Vereins auf dem Ehrenamt: "Über die Jahre gab es immer Leute, die bereit waren, für den Verein in die Bresche zu springen." Auch Willems selbst schätzt seinen Arbeitsaufwand so ein, dass er einem zweiten Vollzeitjob entspräche.
Andererseits stellt er einen Rückgang an Freiwilligen fest, die bereit sind, ehrenamtliche Tätigkeiten zu übernehmen. So etwa, wenn es darum gehe, einen Standdienst bei einem Fest zu versehen. Oft sei die erste Frage: "Was kriege ich denn dafür?" Dies sei ein generelles gesellschaftliches Problem, es seien fast immer dieselben, die sich engagieren."Verein muss für sich werben"


Auf den Weg gibt Willems allen Vereinen mit Sorgen, stets einen ruhigen Ton zu wahren und zu dem zu stehen, was man verspricht. Aktiv auf diejenigen zuzugehen, die man einbinden möchte, helfe enorm. Ein Verein müsse heutzutage auch werben, sei es durch öffentliche Auftritte oder einen tollen Dirigenten.
Carsten Müller-Meine von der Ehrenamtsagentur - eine Initiative, die bürgerschaftliches Engagement in der Stadt Trier fördert - erklärt im TV-Gespräch die Notwendigkeit des strukturellen Wandels von Vereinen: Bei vielen Vereinen sollten die bestehenden Strukturen erhalten bleiben. So brauche die Feuerwehr unbedingt hierarchische Strukturen. Viele andere Vereine müssten aber an durchlässigeren Beteiligungsformen arbeiten: "Ich bekomme nur schwer einen Trierer Studenten in einen Verein", auch für punktuelle Verfügbarkeiten müssten Möglichkeiten geschaffen werden.

Die Volkshochschule (VHS) Trier informiert heute im Domfreihof 1b im Raum 5 der VHS, von 17 bis 21 Uhr zum einen über die Grundzüge des Programms "Engagement braucht Leadership", zum anderen möchten diese von den Vereinen erfahren, welchen Bedarf sie haben. Für die kommenden Veranstaltungen konzipiert die VHS das Programm anhand der Vereinsbedürfnisse. Geplant sind Austauschforen für Vorstände und Workshops mit Experten aus verschiedenen Feldern. Die weiteren Termine sind Dienstag, 25. Oktober, 18 bis 20 Uhr; Samstag, 12. November, 9.30 bis 14 Uhr; Mittwoch, 11. Januar 2017, 18 bis 20 Uhr; Samstag, 4. Februar 2017, 9.30 bis 14 Uhr. Der Trierische Volksfreund ist Medienpartner des Volkshochschulprojekts "Engagement braucht Leadership".Extra

Foto: (h_lsport

Wie viele Vereine hat eigentlich Trier? Ein exaktes Register zu Vereinen in Trier gibt es nicht. 571 Datensätze zum Ehrenamt in Vereinen zählt Carsten Müller-Meine von der Ehrenamtsagentur. Robert Brisch vom Amtsgericht Wittlich schätzt das Vereinsregister für den Landkreis Trier-Saarburg auf etwa 1000 Vereine. Dabei gebe es wohl auch Karteileichen - sprich Vereine, die eigentlich nicht mehr aktiv sind. Generell schreibt das Amtsgericht alle paar Jahre die Vereine an, um über deren Status informiert zu sein. Insgesamt resümiert Brisch: "Die genaue Angabe der Vereine ist für Trier sehr schwierig."mey