Musik: Die siebte Auflage zeigt: Tefftival ist ein Lebensgefühl

Musik : Die siebte Auflage zeigt: Tefftival ist ein Lebensgefühl

400 glückliche Gesichter verlassen nach dem letzten Konzert den großen Saal der Tufa. Das siebte Tefftival schlägt ein beim Publikum. Ein perfekter Abend – wäre da nicht die Sache mit dem Bier.

Debuts, Alte-Hasen-Rock und vor allem Funk prägen das siebte Tefftival in der Tufa Trier. Das Musiknetzwerk Trier beweist Geschmack. Fünf Bands spielen. Solider Rock, solide Vorstellung, durch und durch sympathische Performer auf der Bühne. Und dann tritt eine außergewöhnlich gute Projektband auf, Black Porta Project, wie sich später zeigen wird.

Trevex, eine junge Metallband, liefert einen harten Einstieg in den Abend. Es gibt sie erst seit vier Monaten. Sie fetzen Metallgeschredder auf ihren Gitarren und den Drums. Metallicamäßig harten Sound, harte Soli und vor allem: laut! Der Sound ist dreckig.

In erster Reihe steht einsam ein Fan. Er grölt die Texte und geht rhythmisch mit bei einem Basssolo. Unter einem Kopftuch trägt er lange Haare, einen Rauschebart, ein T-Shirt mit der roten Aufschrift „Five Fingers Death Punk“. So böse, wie die Bewohner der Metallwelt in aller Regel aussehen, so friedfertig sind sie meistens. Der schüchterne Auftritt belegt das symbolisch. Die Klangfarbe des Sängers André Koch: rustikaler Whiskeyton. Ihr Debut wird mit großem Applaus quittiert. Als Zuhörer möchte man sich wünschen: Macht weiter so Trevex!

In der Pause läuft Chaka Khan und Wham!, aber nicht der allseits verhasste Weihnachtsklassiker „Last Christmas“, sondern der überall beliebte Gossenhauer „Wake me up before you go-go“. Die Gesichter der Gäste sind selig.

Mit Rock von den Straws, von der Steff Becker Band und von Flastic geht es weiter. Alles alte Hasen auf der Bühne. Sie performen routiniert und gekonnt. Männer stehen Arm in Arm in vorderster Feierfront, in der einen Hand ein Bierglas in der anderen Hand einen Schnaps schunkeln sie auf die Musik und erfreuen sich der Nostalgie, die aufkommt, wenn Flastic Klassiker zum besten gibt, oder wenn Steff Beckers Timbre den Saal füllt.

Das Auditorium sagt feiernd Danke. Zumindest zu den Musikern – mit dem Catering haben die Gäste eine Rechnung offen. Es werden Beschwerden laut. „21.30 Uhr und das Bier ist alle. Wie kann das sein“, Fragt sich Alexander Arkanier. Der Veranstalter weiß es nicht. „Damit haben wir nichts zu tun.“ Das Catering gehe vom Textorium aus, heißt es. Der Saal ist voll, die Menschen möchten Nachschub. Das leere bleibt Thema.

Doch trübt das nicht die Stimmung der folgenden Band: Black Porta Project. Ein Zusammenschluss von 16 Musikern. Cyannea Benson scheint nervös zu sein. Mit spitzem Mund und mit vollen Backen pustet sie, so wie das Menschen tun, die sich selbst beruhigen wollen. Sie ist Sängerin und macht wie alle Musiker des Abends ihre Sache gut. „Make the Porta black again“, persifliert sie Donald Trump, kurz bevor launische Saxofonsoli und volle funkige Basslinien den Raum einnehmen.

Die Musik ist ansteckend. Heiterkeit greift um sich, zieht das Publikum in ihren Bann. Die Gitarrenriffs sind dreckig, werden nur kurz eingeworfen. Sie lassen keinen Zweifel am Können der Gitarristen. Zwischendurch sind auch noch die Trompete und die Posaune zu hören. Oz, der Sänger, kriecht exzentrisch über den Boden, tanzt mit den Musikern auf der Bühne. Springt und tritt dabei in Brusthöhe in die Luft. Das Publikum ist begeistert. Die Musiker spielen so, als sei es ihnen egal, ob der nächste Ton sitzt. Befreit von jeglichem Ehrgeiz und dem Willen, Perfektes abliefern zu müssen. Die pure Freude offenbart sich in den Gesichtern, sowohl vom Auditorium, als auch bei den Musikern.

Doch etwas trübt das Vergnügen: Zum einen das Bier, klar, aber etwas anderes ist von höherer Bedeutung: „Es wird wahrscheinlich eine einmalige Sache bleiben“, heißt es von Cyannea Benson. Ein Zwischenruf aus dem Publikum: „Das wird keine einmalige Sache sein“, klingt es fast flehend.

Mit dem Auftritt von Black Porta Project treten gesellschaftliche Konventionen in den Hintergrund. Menschen sitzen vor der Bühne und hören sich das an. Eine sitzt sogar auf der Bühne und freut sich. Die Zuschauer schneiden Grimassen in die Kameras, die allgegenwärtig sind.

Alle Musiker des Abends spielen, ohne eine Gage zu verlangen. Der gesamte Erlös geht an das Musiknetzwerk Trier, die sich als Lobbyisten für die Pop- und Rockszene Triers einsetzen.

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