Die späten Folgen der Löscheinsätze

Die späten Folgen der Löscheinsätze

Bereits seit 2014 ist bekannt, dass Rückstände von Löschschaum das Wasser rund um die Airbase Spangdahlem belasten. Auch Trinkwasserbrunnen im Umfeld wurden untersucht. Offensichtlich jedoch nicht alle.

Zemmer/Trier Die Aufregung am und ums Binsfelder Märchen hat sich gelegt. Im Oktober 2014 war bekannt geworden, dass der Teich in unmittelbarer Nähe zur Airbase Spangdahlem mit Perfluorierten Tensiden (PFT, siehe Info) belastet ist, die ihren Ursprung im Löschschaum haben, der jahrelang auf dem Stützpunkt benutzt worden ist. Nach und nach ist klar geworden, dass auch Teiche und Fließgewässer im weiteren Umkreis belastet sind (der TV berichtete).
Wer auf die Landkarte schaut, wird schnell feststellen, dass die Airbase nicht weit entfernt von Zemmer und somit auch von einem der Brunnen liegt, aus dem ein Teil der Menschen in der Verbandsgemeinde Trier-Land mit Trinkwasser versorgt wird. Die CDU-Fraktion im Verbandsgemeinderat Trier-Land möchte nun wissen, wie es um die Sicherheit der Wasserqualität für die Bürger bestellt ist. Es geht dabei um mögliche Gefahren durch PFT-Einträge ins Grundwasser, durch mögliche Treibstoff-Rückstände im Grundwasser sowie um ein mögliches Absinken des Grundwasserspiegels im Kylltal.

Recherche beim Zweckverband In seiner jüngsten Sitzung hat der Verbandsgemeinderat noch nicht über das Thema gesprochen. Der TV hat deshalb beim zuständigen Zweckverband Wasserwerk Trier-Land nachgefragt. Er ist zuständig für die Wasserversorgung für alle Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde mit Ausnahme von Franzenheim und Hockweiler. Zusätzlich werden Gilzem und Eisenach (Verbandsgemeinde Südeifel) und Orenhofen (Verbandsgemeinde Speicher) versorgt. Beim Zweckverband gibt man Entwarnung für die Brunnen im Kylltal bei Kordel. Im sogenannten Gewinnungsgebiet Ramstein sei in der Vergangenheit das Rohwasser aus den Tiefbrunnen untersucht worden. Im Mischungsverhältnis ergebe sich für das Trinkwasser eine Belastung von sieben bis zehn Nanogramm pro Liter Trinkwasser. Der vom Umweltbundesamt gesetzte gesundheitliche Orientierungswert von 100 Nanogramm pro Liter werde laut Zweckverband "erheblich unterschritten". Das Wasserwerk Trier-Land sei durch regelmäßige Kontrollen der PFT-Werte bestrebt, eine Entwicklung der Belastungen im Auge zu behalten. Viel näher an der Airbase Spangdahlem liegt bei Zemmer die Wassergewinnungsanlage Mülchen. Offensichtlich ist dort bisher noch nicht getestet worden. Proben aus den entsprechenden Quellgebieten und Tiefbrunnen werde der Zweckverband Wasserwerk Trier-Land in den kommenden Wochen kurzfristig vornehmen, heißt es auf Anfrage. Solche Untersuchungen sind nicht gesetzlich vorgeschrieben.
Belastete Kyllfische Doch es geht bei der PFT-Problematik nicht nur um eine mögliche Belastung des Trinkwassers. Unter anderem sind auch in der Kyll erhöhte PFT-Werte gemessen worden. Diese rühren daher, dass Wasser vom Flugplatz-Gelände über Bäche in den Fluss gelangt. Im Sommer 2015 hat die zuständige Struktur- und Dienstleistungsdirektion Nord (SGD) die Empfehlung ausgesprochen, nur noch bestimmte Mengen Kyllfisch zu essen. Ein 60 Kilogramm schwerer Mensch soll demnach nicht mehr als 300 Gramm pro Monat essen.PFT GILT ALS KREBSERREGEND

Extra

(kah) Perfluorierte Tenside (PFT) sind öl-, schmutz- und wasserabweisend sowie hitzebeständig. In Teflonpfannen sind sie ebenso zu finden wie in atmungsaktiven Regenjacken, fettabweisenden Fast-Food-Schalen oder Imprägnierspray. Auch in Feuerlöschschäumen kamen sie bis 2011 vor, da sie sich besonders zur Bekämpfung von Öl-, Benzin- und Kerosinbränden eignen. Die künstlich hergestellten Fluor-Kohlenstoffverbindungen werden in der Natur nicht abgebaut und reichern sich daher an: in Gewässern, Böden, Tieren, Pflanzen und auch im menschlichen Körper. Sie gelten als krebserregend, fortpflanzungsgefährdend und mäßig toxisch. Insbesondere stehen sie im Verdacht, die Leber zu schädigen.

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