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Die Stadt am Fluss feiert vier Tage lang

Die Stadt am Fluss feiert vier Tage lang

Nirgendwo präsentiert sich Trier näher am Fluss als in Zurlauben. Heute beginnt das 57. Moselfest des Männergesangsvereins Zurlauben und des Karnevalsvereins M\'r wieweln noch en Zalawen. Vier Festtage am Ufer mit viel Livemusik und dem traditionellen Feuerwerk stehen bevor.

Trier. Die Mosel ruft, und viele werden kommen - wie immer. Wenn es nicht gerade bis Montag pausenlos schüttet, und danach sieht der Wetterbericht nicht aus, dann werden es am Ende wieder um die 80 000 Besucher sein. "Ich bin optimistisch", sagt Christian Reichert, Trierer Unternehmer und Hauptgeschäftsführer des Moselfests. "Wenn der Regen kommt, dann um vier Uhr nachts, so dass unser Festgelände am nächsten Morgen frisch und sauber wirkt." Eine nicht ganz ernst gemeinte Vorhersage, aber die ehrenamtlich aktiven Zurlauben-Macher haben keinen Grund zum Zweckpessimismus: Für viele Bewohner und Besucher Triers ist Zurlauben der Höhepunkt des Sommerkalenders. Das ändern auch einige Regentropfen mit Sicherheit nicht.
Fassanstich um 18 Uhr


Das Moselfest beginnt offiziell heute Abend um 18 Uhr mit dem Fassanstich auf der Wiewelerbühne. Der grundsätzliche Ablauf des viertägigen Fests ist seit vielen Jahren eine Konstante: Am Freitag startet die Feier, und das steigert die Vorfreude auf das Wochenende. Samstags strömen Tausende aus dem Umland, Luxemburg und dem Saarland ans Moselufer und unterstützen das Trierer Stammpublikum, Höhepunkt ist das große Feuerwerk um 23 Uhr. Der Sonntag hat sich als Familientag etabliert, und der Montag ist der inoffizielle Tag der Trierer, die wegen des dann geringeren Besucherstroms aus den umliegenden Regionen mehr freien Raum an Bier-, Wein- oder Cocktailstand haben, das Fest ausklingen zu lassen.
Das Musikprogramm, einer der Hauptanziehungspunkte, lockt mit einer Mischung aus Tradition und Moderne. Das Electronic River Festival, das 2011 Premiere hatte und bei Regenwetter 3000 Fans anlockte, steht auch dieses Mal wieder auf dem Programm (siehe Extra "Hier spielt die Musik").
Bei Null rauskommen


Bei aller Freude am Feiern spielen jedoch auch die Finanzen eine wichtige Rolle. Dabei ist die Endabrechnung des Moselfests Zurlauben immer recht einfach. "Es ist in Ordnung, wenn wir am Ende bei Null rauskommen", sagt Christian Reichert. "Die Kosten und Auflagen steigen ständig von den Rettungsdiensten über die Beschilderung bis zur Reinigung und Entsorgung. Wenn wir am Ende für jeden der beiden Vereine einen Überschuss von 100 Euro rausbekommen, ist das schon ein Riesenerfolg."
Das Zusammenwirken dieser beiden Vereine - des Männergesangsvereins 1896 Zurlauben und des Karnevalsvereins M\'r wieweln noch ein Zalawen - ist die Basis des Moselfests, das 1956 Premiere hatte und seitdem an jedem zweiten Wochenende im Juli stattfindet (siehe Extra "Die Geschichte").
Sicherheit ist auch in Zurlauben ein wichtiges Thema. Christian Reichert: "Unsere Securitys passen auf." Alkohol-Touristen, die ihre Wegzehrung in Taschen und Rucksäcken mitbringen wollen, müssen sich auf Kontrollen gefasst machen.Extra

Der Ursprung des Moselfests Zurlauben ist der Überlieferung nach untrennbar verbunden mit der Gründung des Karnevalsvereins M\\'r wieweln noch en Zalawen - eine Trierer Institution, die in der Welt der von Natur aus ungewöhnlichen Karnevalsvereinsnamen einen Spitzenplatz einnimmt. Die Gründung dieser Institution geht zurück auf die kalte Silvesternacht zwischen 1910 und 1911. Während drinnen der Männergesangsverein Zurlauben das neue Jahr und die Gründung des noch namenlosen Karnevalsvereins feierte, wartete im Hof draußen ein Wasserfass mit Fischen, die es zum Frühstück geben sollte. Nur war es so kalt, dass bereits eine dicke Eisschicht die Oberfläche bedeckte. Waren die Fische bereits hinüber? Josef Kiep prüfte die Lage, stellte Bewegung fest und rief aus: "Sie wieweln noch." Und so hatte der Karnevalsverein seinen Namen weg. Danach vergingen viel Zeit und Weltgeschichte. Die Premiere des Moselfests Zurlauben lief 1956 über die Bühne und war nichts anderes als das große Jubiläumsfest des Männergesangsvereins zum 60-jährigen Bestehen. Auf 50 Metern am Moselufer von der Pfeffermühle bis zum Bleichgässchen richteten beide Vereine ihre erste Sause aus, und das tun sie bis heute - in mittlerweile größerem Format. jpExtra

Mundart, Electronic River und Coverbands: In Zurlauben sind die unterschiedlichsten Musikwelten direkte Nachbarn. Tradition - die hört auf den Namen Hans-Karl Meunier. Der Präsident der Karnevalsgesellschaft M\\'r wieweln noch en Zalawen steht für Fassanstich und Feuerwerk, für seine Mundart-Gruppe Zalawener Duckentcher ("Uns gibt\\'s seit 1978"). Für Schunkeln statt Raven, für Fest statt Event. Eine ganz andere Geschichte ist das Electronic-River-Festival am Moselfestsonntag. Das kostenlose Open Air geht in seine zweite Runde - mit einem ähnlichem Programm wie im Vorjahr: Der größte Name auf der Liste ist Moonbootica (20 bis 22 Uhr). Freitag: Civilianz, Roxxbusters (70er- und 80er-Jahre-Musik sowie eigene Songs). Samstag: Nico Mono & Band, 24th Frame (23 Uhr: Feuerwerk). Sonntag: Electronic-River-Festival unter anderem mit Moonbootica, Jose Maria Ramon und elf weiteren DJs (von 12 bis 0 Uhr, Eintritt frei). Montag: Queen-Tribute mit The Killer Queen, unterstützt von den Roxxbusters. Vorher spielt die Trierer Indierock-Band Surface Sky. AF/jp