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Die Stadtbibliothek Trier besteht seit 60 Jahren.

Jubiläum : Nach Schönheitskur warten neue Aufgaben

Zum 60. Geburtstag ist die Sanierung der Stadtbibliothek abgeschlossen. Der Festakt in dem stadtgeschichtlich und architektonisch bedeutenden Gebäude zeigt: Die Herausforderungen bleiben groß.

Sie gilt als das erste neuerrichtete öffentliche Gebäude der Stadt Trier nach dem Zweiten Weltkrieg: Vor 60 Jahren wurde der Neubau der Trierer Stadtbibliothek an der Weberbach eröffnet. Beim Festakt zum Jubiläum am Donnerstagabend zeigte sich Bibliotheksdirektor Michael Embach stolz: „Die rüstig gebliebene 60-Jährige erfreut sich voller Gesundheit!“ Damit spielte er auf die umfassende Sanierung der Bibliothek in den vergangenen sechs Jahren an. Weg vom Image eines großen, toten Staubfängers habe sie sich zu einem lebendigen Kommunikations- und Begegnungsraum gemausert. Mehr als 10 000 Gäste aus 30 verschiedenen Ländern haben sie seit Ende 2014 besucht.

Josef Peter Mertes ist seit 16 Jahren  Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Trier. Er ist ein „Lobbyist für das Stadtarchiv“ und „unterschreibt leidenschaftlich gern Spendenquittungen“, wie er bei der Jubiläumsfeier sagte. Mit seinem Förderverein hat Mertes 250 000 Euro für die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes beigesteuert. Der Entwurf stammt vom Architekten Alfons Leitl, der der Stadt zufolge in der Bauhaus-Tradition steht. Der etwas später als das Hauptgebäude fertiggestellte Lesesaal diente rund zehn Jahre lang als Sitzungsort des Stadtrates. Den Festvortrag hielt der Kunsthistoriker Daniel Thull. Neben ihm und Mertes sprachen   Bürgermeisterin Angelika Birk und der Präsident der Universität, Michael Jäckel. Der Umbau des Verwaltungstraktes, die Schönheitskur der Schatzkammer, die Überdachung des Lesegartens und alle weiteren Baumaßnahmen haben etwa drei Millionen Euro gekostet, wie Bürgermeisterin Birk erklärte. Sie hat als Kulturdezernentin acht Jahre lang die Stadtbibliothek begleitet und den Umbau mitkoordiniert.

Große Aufgaben stehen auch in Zukunft an: Der Platz der Bibliothek und des Stadtarchivs reicht nicht  aus. Deswegen sucht die Stadt nach einem geeigneten Lager für die Bestände. Sie reichen von der Gutenbergbibel in der Schatzkammer über Buchbände aus dem 16. und 17. Jahrhundert bis zu Exemplaren aus heutiger Zeit. Es sind so viele Exponate, dass sie, aneinander gestellt,  mehr als drei Kilometer Archivfläche benötigen. Birk hofft, dass sich ein potenzieller Vermieter meldet.

Der Nachfolger der scheidenden Dezernentin muss sich einer weiteren Mammutaufgabe stellen: der Digitalisierung der Bestände. Dabei hat sich die Universität als treue Hilfskraft erwiesen: Sie unterstützte die Digitalisierung von Hunderten historischer Originalhandschriften. Im Gegenzug greift sie zur Forschung auf die Bestände der Bibliothek zurück. Im Laufe der Jahre haben sich „einige sehr wichtige wissenschaftliche Kooperationen gebildet“, wie Bibliotheksleiter Embach sagt.

Das Archiv reicht viele Jahrhunderte zurück. Im Keller der Bibliothek lagern historische Unikate, die vor Beschädigung und Zerfall bewahrt werden müssen. Aus eigener Kraft ist es nicht möglich, alle Bücher zu retten. Daher freuen sich die Verantwortlichen, allen voran der Förderverein, über Spender, die als Buchpaten helfen, das Kulturgut für die Zukunft bewahren.