Die Strapazen spüren

Mehr als 4000 Fußpilger haben das Apostelgrab des heiligen Matthias in Trier im April und Mai unter dem Leitgedanken "Seid bereit von der Hoffnung zu sprechen, die Euch erfüllt" besucht.

Trier. (red) Der weiteste Weg hat sich gelohnt: Viele der Pilger-Gruppen hatten einen Hinweg von 200 Kilometern, dabei legten manche von ihnen Tagesetappen von 40 Kilometern und mehr zurück. Einige gingen den langen Weg auch wieder zu Fuß nach Hause. "Ein Geheimnis der Wallfahrt liegt wohl darin, dass die körperliche Herausforderung mit der seelischen zusammenfindet. Strapazen lassen Grenzen spüren und Chancen erkennen", schildert Pilgerpfarrer Hubert Wachendorf das Pilgerziel.Die Zahl der Gruppenpilger ist seit einigen Jahren in etwa gleich, berichtet Wachendorf. Doch die Zusammensetzung der Gruppen hat sich geändert. Die Schulen haben die Wallfahrten für ihre Schüler entdeckt, es kommen von Jahr zu Jahr mehr. "Da kommt eine Hauptschule aus Mönchengladbach, die Lehrer pilgern gemeinsam mit ihren Schülern, alle müssen gemeinsam über die Berge", schildert Wachendorf. "Da sind alle gleich. Das ist vor allem für die Schülerinnen und Schüler schon ein ganz besonderes Erlebnis. Disziplinprobleme gibt es auf dem Weg, im Gegensatz zur Schule, so gut wie gar nicht."Auch Familien mit Kindern sind neue Wege beim Pilgern gegangen. Sie haben häufiger Pausen gemacht, sind kürzere Tagesstrecken gegangen: "Da schließen sich immer mehr Familien zusammen, und einige Bruderschaften organisieren eigens ihre Familienwallfahrten hierhin. Da fahren sie mit dem Zug ein Stück Richtung Trier und laufen den Rest", beschreibt Wachendorf seine Beobachtungen.Viele Pilger kommen immer wieder. In diesem Mai waren 131 Frauen und Männer zum zehnten Mal dabei, drei sogar zum 50. Mal; dafür wurden sie geehrt. Manche Pilgergruppen bestehen schon seit Hunderten von Jahren. "Die Wallfahrt ist im christlich-biblischen Verständnis ein Weg mit Gott, wobei der Weg nicht schon das Ziel ist. Vielmehr tragen die Pilger das Ziel in sich und richten sich darauf aus. Es ist ein Hinweis darauf, dass Menschen bei Gott ankommen dürfen und willkommen sind", erklärt Bruder Hubert.Seit dem zwölften Jahrhundert besuchen Pilger das Grab des Apostels Matthias. Jährlich kommen insgesamt 140 Pilgergruppen zu Fuß. 90 davon stammen aus den Matthias-Bruderschaften, in denen sie Mitglied sind. Die anderen 50 Gruppen kommen meist auf Initiative einer Pfarrei. "Die Pilger kommen aus einem 200 Kilometer großen Umkreis, also einer Entfernung, die man in fünf bis sieben Tagen per pedes zurücklegen kann", sagt Bruder Hubert. Im Herbst erwarten die Mattheiser die zweite Pilgerwelle. Wenn in Nordrhein-Westfalen Ferien sind, werden sie wiederkommen, die Pilger von St. Matthias.Weitere Informationen im Internet: www.matthiaswallfahrt.de.